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Radsport

Wieder bergauf

Radsport: Isaac Del Torro gewinnt die Deutschland-Tour

Foto: Matthias Wjst/imago
Da tun aber die Beine weh: Pellizzari, Del Toro und Oliveira in der Zielrunde um Bad Dürkheim

Radrennen in Deutschland hat was von Wirtschaften nach der Insolvenz. Infolge des Fuentes-Skandals 2006 gab es ein Radsterben wie nirgendwo sonst und nirgendwann sonst. Sponsoren zogen zurück, Publikum blieb fern, Gemeinden winkten ab. 2006 stellten die Friedensfahrt und die Challenge in Bühl ihre Austragungen ein, 2007 Niedersachsen-Rundfahrt und Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, 2008 folgten Regio-Tour, Rund um Berlin und die Deutschland-Tour, 2009 der Grand Prix Schwarzwald, 2013 der Erfurter Rundkurs durch die Hainleite, 2015 schließlich die Bayern-Rundfahrt.

Das heutige Tableau ist überschaubar. Rund um Köln schmolz zum (gleichwohl beliebten) Regionalevent. Mit den Cyclassics in Hamburg und Eschborn–Frankfurt gibt es zwei Eintagesrennen auf World-Tour-Ebene. Mit dem Münsterland-Giro auf der Pro-Tour-Ebene ein weiteres sowie mit der Deutschland-Tour genau eine Rundfahrt. Frankreich hat sieben Rundfahrten in den zwei höchsten Kalenderklassen, Belgien 16 Eintagesrennen. 2018 wurde die Deutschland-Tour wiederbelebt. Maßgebliche Wühlmaus in diesem Kontext: der frühere Radprofi Fabian Wegmann. Unter dem Dach der ASO, dem größten Rennveranstalter im Profiradsport, schleicht sich die Deutschland-Tour allmählich zurück in die Bedeutsamkeit.

Mit Rücksicht auf Größe und Geographie Deutschlands sowie das wiedererstarkte Interesse beim Publikum könnte die Deutschland-Tour durchaus eine Woche dauern, wie Paris–Nizza oder die Katalonien-Rundfahrt. Man setzt allerdings auf Etablieren statt Inflation. Fünf Renntage, das bedeutet eine andere Art Streckenplanung, eine echte Landesrundfahrt ist so nicht möglich, die Kursführung muss sich auf eine oder wenige Regionen beschränken. Entsprechend erfindet das Rennen sich jedes Jahr neu, offensichtlich machen die Organisatoren um Fabian Wegmann und Maren Hopf sich tatsächlich einen Kopf.

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Im vergangenen Jahr führte die Rundfahrt von NRW nach Sachsen-Anhalt und hatte kaum Höhenmeter, sie war als Bonifikationskrimi geplant. 2026 fanden sich deutlich mehr Anstiege. Von Bad Orb über Schwäbisch Hall, Offenbach an der Queich und Bad Dürkheim bis zum Finale in Heilbronn durchkreuzte man Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wobei die Route wie ein großer Versuch aussah, den Odenwald zu umfahren. Konnte man letztes Jahr einen Kampf der Sprinter und Rouleure sehen, stritten dieses Jahr die Puncheure um die Gesamtwertung.

Den Auftakt machte erneut ein kurzes Prologzeitfahren. Auf dem flachen, nicht allzu kurvenreichen Kurs kam es vor allem auf Kurzzeitpower an, weswegen Sprinter und sprintfeste Allrounder zu den Favoriten zählten. Tibor Del Grosso, Giulio Ciccone, António Morgado, Marco Haller und Laurenz Rex fanden sich denn auch in den Top ten wieder, lediglich sieben Sekunden trennten Platz zehn von Platz eins. Lange Zeit hielt Paul Magnier die Bestzeit, der neben Matthew Brennan die kommende Generation der Sprintweltklasse verkörpert, die sich von den derzeit noch dominierenden reinen Sprintern Jonathan Milan und Tim Merlier dadurch unterscheidet, dass man auch auf Terrains mit mehr Höhenmetern mithalten kann. Erst der vorletzte Starter Isaac Del Toro verdrängte Magnier noch vom ersten Platz. Del Toros Sieg war nicht unbedingt zu erwarten, trotz seines explosiven Antritts gilt er als solider Zeitfahrer, der sich eher in längeren Kursen behaupten kann.

Auf der ersten Etappe gelang Louis Barré im hügeligen Schlussteil ein Ausreißersieg, den Sprint der fünfköpfigen Verfolgergruppe gewann Del Toro, der damit die Basis für seinen späteren Sieg im Classement legte. Die zweite Etappe war auf den letzten 80 Kilometern flach, die Teams der Sprinter kontrollierten das Rennen. Magnier, der beste Sprinter am Start, fuhr allerdings nur als Zweiter über den Zielstrich, nach Alessio Margagnotti. Auf den Plätzen vier und fünf folgten die deutschen Sprinter Max Walscheid und Phil Bauhaus. Die dritte Etappe war die schwerste, hier setzten Giulio Pellizzari und Del Toro sich ab, in einem offensichtlichen Agreement überließ Del Toro Pellizzari den Tagessieg, der ihn zuvor bei der Tempoarbeit für den Gesamtsieg unterstützt hatte. Auf der vierten Etappe, dem fünften und letzten Abschnitt, griff Del Toro, der den Gesamtsieg ziemlich sicher hatte, am letzten Anstieg im Finale an, 20 Sekunden Vorsprung reichten allerdings nicht ganz für den Tagessieg. Letzte Kilometer, bei denen der Puls vor dem Bildschirm fast ebenso hoch war wie der der Fahrer im Rennen. Was Mathieu van der Poel in diesem Jahr zweimal gelungen ist, beim E3-Preis und auf der Paris-Etappe der Tour de France, missglückte Del Toro. Er wurde weniger als 50 Meter vor dem Zielstrich dieser bis zur letzten Sekunde packenden Rundfahrt vom Peloton eingeholt, wodurch Magnier sich schließlich doch noch einen Etappensieg sicherte.

Ebenfalls im Feld: der Gavelprofi Paul Voß. Mit 40 Jahren ältester Teilnehmer, war er – seit 2016 kein Roadprofi mehr – für die deutsche Auswahl an den Start gegangen. Nerds ist er bekannt als Host des ältesten deutschsprachigen Radsportpodcasts »Besenwagen«. Er beendete die Rundfahrt auf dem 54. Platz.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.08.2026, Seite 16, Sport

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