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Mais ohne Kolben
Erntebericht 2026 mit mieser Bilanz
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) fand am Donnerstag anlässlich der Vorstellung des Ernteberichts der Bundesregierung drastische Worte: Die diesjährigen, im Zeichen von Hitze und Dürre erlittenen Ernteausfälle der Landwirte in Deutschland markierten eine »massive Krise von nationaler Tragweite«. Den Befunden zufolge brachen die Getreideerträge insgesamt um 7,3 Prozent ein. Beim Winterweizen belaufen sich die Verluste auf 10,4 Prozent gegenüber 2024, beim Raps gar auf 11,5 Prozent. Auch bei den späten Kulturen – Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln, Hopfen – deuten vorläufige Schätzungen auf hohe Einbußen hin.
Dabei war die Lage für viele bäuerliche Betriebe schon vor dem auslaufenden Extremsommer existenzbedrohend. Nach Ministeriumsangaben hat aktuell bundesweit jeder dritte Produzent handfeste Liquiditätsprobleme. Zu der mageren Ernte kommen noch allerhand mehr Herausforderungen und Risiken. Der Ukraine- und der Iran-Krieg haben zu weltweiten Verwerfungen auf den Energie- und Düngemittelmärkten geführt, Lieferketten sind eingeschränkt oder blockiert, die Preise für Diesel sind auf Rekordkurs, die für Dünger ebenfalls. Gleichzeitig befinden sich die Erzeugerpreise für Nahrungsmittel wegen der Dominanz der führenden Lebensmittelketten auf Talfahrt. »Jede dieser Belastungen wäre für sich genommen schon eine Herausforderung«, befand Rainer. »In ihrer Summe und Gleichzeitigkeit setzen sie die Betriebe aber massiv unter Druck.«
Von einem »Schadensereignis von nationalem Ausmaß« wie bei der Dürre 2018 oder dem Hochwasser 2021 will die Regierung trotzdem nicht sprechen. Täte sie das, träten automatisch gesetzlich geregelte Entschädigungsmechanismen des Staates in Kraft. Nach Prüfung hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) die entsprechende Einstufung abgelehnt. Die Ausfälle allein reichten rechtlich nicht aus, um diesen harten gesetzlichen Status zu begründen, hieß es. Zudem zeigten sich starke regionale Unterschiede beim Ausmaß der Schäden. Während einige Regionen glimpflich davongekommen seien, hätte es andere »katastrophal« getroffen.
In Bayern etwa lagen die Getreideerträge laut Regierungsbericht noch deutlich unter dem Bundesmittel. Im Süden und Südwesten Deutschlands wäre Mais »vielerorts kaum gewachsen«, teilweise hätten die Pflanzen nicht einmal Kolben ausgebildet. In Mecklenburg-Vorpommern, dem größten Rapsanbauland, werde die Ernte speziell durch Insektenbefall »voraussichtlich rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen«. Rainer stellte den betroffenen Landwirten Hilfen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro in Aussicht.
Das Geld soll unter anderem im Rahmen zweier »Liquiditätsprogramme« fließen, wobei das zweite erst noch aufgesetzt werden muss. Ferner versprach Rainer steuerliche Erleichterungen, EU-Düngemittelhilfen und weitere Dreingaben – etwa die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen, das Aufschieben von Pachtraten und die Aussetzung der Tilgung von laufenden Darlehen. Der Deutsche Bauernverband zeigte sich unzufrieden: »Die Betriebe brauchen kurzfristig liquide Mittel im Herbst, um die nächste Ernte zu finanzieren«, erklärte am Donnerstag Generalsekretärin Stefanie Sabet.
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