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Deutsch-mongolischer Handel

Bodenschätze im Gepäck

Der Staatsbesuch des mongolischen Präsidenten in Berlin soll die »strategische Partnerschaft« von 2024 festigen

Foto: Anadolu Agency/IMAGO
Empfang mit militärischen Ehren für den »deutschlandaffinen« Präsidenten der Mongolei in Berlin (20.10.2026)

Nur wenige Wochen nach dem Besuch des kasachischen Präsidenten wird in Berlin der nächste Staatschef eines rohstoffreichen zentralasiatischen Landes empfangen. Seit Montag ist der Präsident der Mongolei, Uchnaagiin Chürelsüch, in der BRD zu Gast. Am Dienstag vormittag wurde ihm von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Empfang mit militärischen Ehren in der Villa Borsig bereitet. Ein »Arbeitsmittagessen« mit Bundeskanzler Friedrich Merz ist für diesen Mittwoch geplant. Zuvor eröffneten beide Staatsoberhäupter am Dienstag nachmittag gemeinsam die Ausstellung »Dschingis Khan und die Welt der Mongolen« in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel – eine wohlkalkulierte Verknüpfung von Geschichte, Kultur und brandaktueller Geopolitik.

Welche Interessen verfolgt das deutsche Kapital, verfolgen deutsche Außenpolitikstrategen in der Mongolei? Zur Beantwortung dieser Fragen reicht ein Blick auf den enormen Rohstoffreichtum des Landes und ein weiterer Blick auf die Weltkarte. Mit einem geschätzten Gesamtwert von bis zu drei Billionen US-Dollar ist die Mongolei eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, hat aber – obwohl flächenmäßig viermal größer als Deutschland – nur etwa 3,6 Millionen Einwohner, von denen fast die Hälfte in der Hauptstadt Ulan Bator lebt.

Die gewaltigen Mengen an verwertbaren Ressourcen umfassen einige der weltweit größten Lagerstätten von Gold und vor allem Kupfer, unverzichtbar für Stromnetze, elektronische Komponenten und hochtrabende Pläne für die sogenannte E‑Mobilität. Gleiches gilt für seltene Erden, von denen die Mongolei das weltweit zweitgrößte derzeit bekannte Vorkommen beherbergt. Auch Lithium wurde Berichten zufolge in verwertbaren Mengen gefunden. Zudem verfügt das Land über rund zwei Prozent der globalen Uranreserven und über riesige Vorräte an hochwertiger Stein- und Kokskohle. Auch auf signifikante Vorkommen an Eisenerz, Silber, Flussspat, Wolfram, Molybdän und weiteren Bodenschätzen haben ausländische Konzerne ein Auge geworfen.

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Die geographische Lage stellt westliche Firmen vor Probleme. Der Binnenstaat ist vollständig von den beiden Supermächten China und Russland eingeschlossen. Während die mongolische Kohle sowieso fast vollständig in die Volksrepublik verkauft wird, wird der Großteil des für Europa bestimmten Kupferkonzentrats nach wie vor über die Transsibirische Eisenbahn durch Russland oder über chinesische Häfen transportiert. Genau diese beiden Routen, die durch das Territorium der Konkurrenz verlaufen, versucht das deutsche Kapital so gut es geht zu umgehen. Seltene Erden werden schon jetzt meist per Luftfracht vom internationalen Flughafen in Ulan Bator – benannt nach dem grausamen Schlächter Dschingis Khan – nach Leipzig oder Frankfurt am Main geliefert. Auch der sogenannte transkaspische Korridor über Kasachstan, Aserbaidschan und die Türkei hat seit Beginn des NATO-Stellvertreterkriegs gegen Russland an Bedeutung gewonnen. Bevor es bereit ist, im großen Stil in der Mongolei aktiv zu werden, erwartet das deutsche Kapital nun von der Bundesregierung, dass sie diesen logistischen Rahmen absichert.

Schon 2024 hatte Steinmeier bei seinem Besuch in der Mongolei eine »strategische Partnerschaft« samt diversen Logistik- und Rohstoffabkommen mit seinem Amtskollegen geschlossen. Der aktuelle Gegenbesuch Chürelsüchs dient vor allem der Konkretisierung dieser bisher kaum umgesetzten Vereinbarungen. Der Auftritt des von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) als »deutschlandaffin« beschriebenen mongolischen Präsidenten in Berlin soll deutschen Firmen mehr staatliche Unterstützung und somit mehr Sicherheit für ihre Geschäfte signalisieren. Bei dem für Mittwoch geplanten Treffen mit Merz soll es zudem um Fragen der internationalen Politik gehen. Bis heute unvergessen dürfte in Berlin der Besuch des russischen Präsidenten in Ulan Bator nur wenige Monate nach Steinmeiers Reise sein. Obwohl die Mongolei ein Vertragsstaat des Internationalen Strafgerichtshofes ist, führten die mongolischen Behörden den Haftbefehl des Gerichts gegen Wladimir Putin nicht aus. Die anschließende Verstimmung in den westlichen Hauptstädten dürfte ein Hauptgrund dafür sein, dass es mehr als zwei Jahre dauerte, bis der Gegenbesuch zustande kam, vermutet die KAS.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 4, Inland

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