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Welthungerindex 2026

Hunger nach Waffen

Welthungerindex 2026: Rückschritte bei weltweiter Ernährungskrise. BRD kürzt Entwicklungshilfe und rüstet auf

Foto: Mahmoud Issa/REUTERS
Schreiende Ungerechtigkeit: Hungernde Kinder in Gaza (25.8.2025)

Die Nahrungsmittelnot in der Welt nimmt wieder zu. Nach fast zwei Dekaden der Entspannung stehen die Zeichen auf Rückschritt. Das ist die bittere Bilanz des Welthungerindex 2026 (WHI), den die Welthungerhilfe und zwei Partnerorganisationen am Mittwoch veröffentlicht haben. Immer mehr Kriege, die sich verschärfende Klimakrise und mit all dem verbundene Preissteigerungen haben dazu geführt, dass der globale WHI-Wert mit 18,1 Punkten über die Marke von 2018 geklettert ist. Die lag damals bei 17,6. Damit bleibe das Hungerniveau zwar in der Kategorie »mäßig«, »doch der langfristige Trend zu einer Verbesserung der Ernährungssituation ist unterbrochen«, erklärten die Initiatoren in einer Mitteilung.

Und was macht die Bundesregierung? Sie kürzt die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit drastisch. Standen dafür vor drei Jahren noch über zwölf Milliarden Euro zur Verfügung, sind es im laufenden Jahr noch knapp über zehn Milliarden Euro. 2027 sollen es noch einmal 600 Millionen Euro weniger sein. Überdies drängt Deutschland in Brüssel darauf, den entsprechenden Etat der Europäischen Union (EU) zu schleifen. Zugleich wachsen die Rüstungsausgaben in astronomische Höhen. Das treibt die globale Gewaltspirale weiter an und droht das Elend auf der Erde noch zu verschärfen. Laut Studie zählen bewaffnete Konflikte zu den Hauptursachen von Hunger.

Dabei können laut WHI schon heute 645 Millionen nicht satt werden, für fast 2,7 Milliarden Menschen ist gesunde Ernährung unerschwinglich. Laut Erhebung hat sich die Lage in 32 Ländern mit mäßigen, ernsten oder sehr ernsten Hungerindexwerten seit 2018 zugespitzt. 20 weitere haben kaum Fortschritte verzeichnet, und bei anhaltender Tendenz würden 57 Staaten bis 2030 das Ziel eines niedrigen Hungerniveaus verfehlen. Am schwersten betroffen ist der afrikanische Kontinent südlich der Sahara mit einem Wert von 27,5 Punkten. Hier gibt es gleich vier der sechs schwersten von Waffengängen befeuerten Ernährungskrisen: in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und im Südsudan. Ganz oben auf der WHI-Skala mit 47 Punkten rangiert Somalia, das gilt als sehr ernst. Ähnlich ernst steht es um den Tschad und Madagaskar. Sehr kritisch sind die Bedingungen mancherorts in Asien, in Afghanistan und Pakistan haben sie sich weiter verschlechtert, ebenso in Syrien und im Libanon. Im von Israels Armee verwüsteten Gazastreifen hat sich die Ernährungslage von Kindern in einem städtischen Umfeld so sehr verschlimmert wie nirgendwo sonst auf der Welt.

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Das seit 2006 alljährlich vorgelegte Zahlenwerk stuft die Lage der untersuchten Länder (diesmal 136) anhand von vier Indikatoren in die Kategorien »niedrig«, »mäßig«, »ernst«, »sehr ernst« und »gravierend« ein. Bei den Faktoren »Unterernährung«, »Wachstumsverzögerung« und »Auszehrung bei Kindern« zeigt der Daumen in der weltweiten Perspektive nach unten. Einzig in puncto »Kindersterblichkeit« zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend. Das Ziel »Zero Hunger 2030« rücke weiter in die Ferne, befinden die Autoren. Laut Agenda der Vereinten Nationen (UN) soll bis Ende des Jahrzehnts kein Mensch mehr an Hunger leiden. Es werden aber aller Voraussicht nach mehr sein als heute.

Der Report weist darauf hin, dass die Zahl staatlicher bewaffneter Konflikte heute so hoch ist wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Parallel dazu seien die Ausgaben zur Verbesserung der Ernährungssicherheit auf das Niveau von vor zehn Jahren gesunken. Im Ergebnis seien Hilfsprogramme »teilweise heruntergefahren und Notrationen gekürzt« worden. Abstriche gebe es zudem beim Monitoring. Wo aber keine Daten mehr erhoben würden, »bleiben Notlagen zu lange unbemerkt«.

Herausgeber des Berichts sind neben der Welthungerhilfe das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum sowie die Entwicklungshilfeorganisation Helvetas. Melchior Lengsfeld, Geschäftsführer der Schweizer Helvetas-Sektion, äußerte gestern: »Ernährungssicherheit ist eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität. Wer über Sicherheit spricht, sollte nicht nur an Waffen und Verteidigung denken.« Doch die Realität sieht anders aus: Während in der BRD rund drei Millionen Bürger als unterernährt gelten, hungert ihre politische Führung eifrig nach Waffen. Wohl bekomm’s!

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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