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Bolivien

»Er wollte mich ganz offensichtlich loswerden«

Bolivien: Berater des rechten Präsidenten soll Mord an Partnerin angestiftet haben. Sie wusste offenbar zu viel – und hat überlebt

Foto: Christian Calderon/Bolivia Presidency/Handout via Reuters
Bolivien bezweifelt Führungsrolle: Präsident Paz bei seiner ersten Rede zur Lage der Nation (Sucre, 6.8.2026)

Sein Name dürfte nur wenigen geläufig sein, jedoch verfügt er in der lateinamerikanischen Ultrarechten über großes Gewicht. Der Argentinier Fernando Cerimedo ist am Dienstag am Flughafen der bolivianischen Tieflandmetropole Santa Cruz festgenommen worden. Er wird verdächtigt, einen Mordanschlag auf seine Partnerin Nadia Beller angeordnet zu haben, den sie am Abend zuvor überlebt hatte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf politische Machenschaften der Rechten in mehreren Ländern der Region.

Medienberichten zufolge kam Cerimedo zum Zeitpunkt der Festnahme gerade aus Boliviens Hauptstadt La Paz und wollte in ein Flugzeug nach Buenos Aires steigen. Der 42jährige arbeitet als Berater für den bolivianischen Rechtspräsidenten Rodrigo Paz, dessen Regierung allerdings betont, dass er dort keine offizielle Anstellung habe. Mit der Anwältin und Aktivistin Beller führte er laut lokalen Medien seit Ende des vergangenen Jahres eine Beziehung; gleichzeitig ist Cerimedo mit der argentinischen Chemieingenieurin Natalia Basil verheiratet.

Montag abend war Beller vor einem Hotel in Santa Cruz von zwei als Lieferanten verkleideten Männern mit drei Kugeln niedergeschossen worden. Sie wurde notoperiert und überlebte. Der Polizei erklärte sie, man habe ihr anonym Beweise für die Anklage gegen Boliviens Expräsidenten Evo Morales wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen versprochen. Mittlerweile sei sie jedoch überzeugt, dass Cerimedo sie in den Hinterhalt gelockt habe, um sie aus dem Weg zu räumen: »Er wollte mich ganz offensichtlich loswerden.«

Für ihren Verdacht führt das Opfer mehrere Gründe an. Noch vom Krankenhausbett aus erklärte Beller gegenüber dem lokalen Fernsehsender DTV, sie sei von Cerimedo in der vierten Woche schwanger. Zudem habe sie Kenntnis von mutmaßlichen Korruptionsvergehen in der bolivianischen Regierung im Zusammenhang mit »Geschäften mit Benzin, Diesel und Gold«, wie das argentinische Onlinemedium Urgente24 berichtete. Cerimedo selbst besitze demnach »Kartons voller Geldscheine, die aus den korrupten Praktiken stammen«. Zudem warf Beller dem Argentinier vor, bereits in der Vergangenheit versucht zu haben, sie umzubringen. Das »größte Interesse daran, mich zum Schweigen zu bringen«, habe jedoch die bolivianische Regierung. Deshalb bat sie am Dienstag die Interamerikanische Menschenrechtskommission um Schutz.

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Cerimedo berät nicht nur den bolivianischen Präsidenten, der Argentinier gilt als einer der Architekten des lateinamerikanischen Rechtsrucks der vergangenen Jahre. Bereits Ende 2025 bezeichnete ihn der britische Economist in Anspielung an das Motto der US-Republikaner »Make America Great Again« als »MAGAs Mann in Lateinamerika«. Der Geschäftsmann gewinne zunehmend an Bedeutung im Netzwerk aus Strategen und Vermittlern, das Präsident Donald Trump umgibt.

Cerimedo ist Gründer und CEO des Marketing- und Kommunikationsunternehmens Numen Publicidad. Außerdem hält er die Hälfte der Anteile am ultrarechten Medienprojekt La Derecha Diario. 2022 arbeitete er nachweislich für die Kampagne des »Rechazo«, die im Vorfeld des Referendums in Chile Stimmung gegen den progressiven Verfassungsentwurf machte. Im Jahr darauf setzte er sein Unternehmen für den Wahlkampf des heutigen argentinischen Präsidenten Javier Milei in den Dienst und fungierte später kurzzeitig als dessen Berater. Auch für den brasilianischen Expräsidenten Jair Bolsonaro war er tätig gewesen; ein brasilianisches Gericht belastete ihn sogar im Zusammenhang mit dem Putschversuch gegen Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva vom Januar 2023. Zuletzt hatte Cerimedo für die Wahlkampagne von Nasry Asfura in Honduras gearbeitet. Seine Mittel der Wahl sind dabei vor allem Bots und Fake-Profile in sozialen Netzwerken sowie Falschnachrichten.

Am Dienstag bezeichnete der bolivianische Vizepräsident Edman Lara den Vorfall als »Angriff auf Leben, Demokratie und Meinungsfreiheit«. Bolivien brauche nun »Wahrheit und Gerechtigkeit, denn Gewalt ist kein Mittel, um Stimmen zum Schweigen zu bringen«. Beobachter sehen darin einen Versuch Laras, sich von Rodrigo Paz abzugrenzen. Dessen Präsidentschaft seit dem Amtsantritt am 8. November 2025 ist durch andauernde Proteste und Streiks geprägt. Die Turbulenzen dürften mit der Festnahme von Cerimedo noch zunehmen.

Auch in Argentinien könnte die Episode ein Nachspiel haben. Am Dienstag behauptete Beller, es sei Cerimedos Ehefrau Basil gewesen, die im September 2025 Audioaufnahmen zu mutmaßlichen Korruptionsvergehen bei der staatlichen Behindertenagentur Andis (wo Basil 2024 als Beamtin angestellt war) an die Presse durchgesteckt habe. Im Zentrum der Vorwürfe stand Karina Milei, Schwester und Generalsekretärin des Staatschefs.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.08.2026, Seite 7, Ausland

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