Geschröpfte Landarbeiter in Down Under
Australische Behörden stellen zunehmend gravierenderes Ausmaß an Arbeitsrechtsverstößen fest
Landarbeiter gehören auf der ganzen Welt zu den am stärksten ausgebeuteten Arbeitskräften – auch in Australien. Dort haben die australische Steuerbehörde, das Büro des Fair Work Ombudsman und die Grenzkontrollbehörde allein in der letzten Juliwoche 15 Farmen in der Region Griffith im Bundesstaat New South Wales kontrolliert und dabei gravierende Arbeitsrechtsverstöße festgestellt. Dazu gehörten Gehälter unter Mindestlohnniveau, vorenthaltene Beiträge zur Rentenversicherung und Sonderzuschläge, mangelhafte steuerrechtliche Dokumentation, fehlende Lohnzettel sowie die illegale Beschäftigung von Migranten, hieß es in der Ende Juli veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.
Meldungen wie diese gibt es aus Down Under immer wieder. So zum Beispiel im März aus dem südlichen Bundesstaat Victoria: Dort machten Arbeitsrechtsverstöße in der Obstbauregion Yarra Valley Schlagzeilen. Die kriminellen Machenschaften der Betriebe hatten ein derartiges Ausmaß angenommen, dass das Büro des Fair Work Ombudsman, Australiens zentrale Stelle für die Belange von Arbeitern, die Gegend diesbezüglich als »eine der schlimmsten landesweit« charakterisierte. Allein in drei der dokumentierten Fälle beliefen sich die drohenden Strafzahlungen laut einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders ABC auf 19,5 Millionen Australische Dollar (rund 12 Millionen Euro).
Die Landwirtschaft ist einer der Bereiche der australischen Wirtschaft, wo einheimische Arbeitskräfte besonders knapp sind und deshalb, insbesondere in der Erntezeit, stark auf ausländische Beschäftigte zurückgegriffen wird. Während sich junge Menschen mit Work-and-Travel-Visum auf den Obstplantagen bei einem mehrwöchigen Einsatz oft zu passablen Konditionen etwas für ihre nächste Reiseetappe dazuverdienen können, sind die Migranten oft miserablen Verhältnissen ausgesetzt.
Erst im Juni wurde die bisher größte Einzelstrafe wegen solcher Arbeitsbedingungen in Australien verhängt. Eine Vermittlungsagentur wurde zur Zahlung von 830.000 Australischen Dollar (über 500.000 Euro) verdonnert, weil die Firma über zweieinhalb Jahre über 100 Nepalesen ohne Lizenz an Farmen vermittelt hatte. Der Supreme Court von Victoria stufte auch die Jobs als ausbeuterisch ein, weil die Beschäftigten insbesondere um ihre Rentenbeiträge gebracht worden seien. Zudem lag der versprochene Stundenlohn von 17 Australischen Dollar unter dem gesetzlichen Minimum in der Branche.
Das Ausmaß des Problems wird nicht nur von den zuständigen Behörden beklagt. Die Überausbeutung in der Landwirtschaft hat System, schloss auch das Programm »Four Corners« der ABC, als dort Anfang August die Ergebnisse einer achtmonatigen Recherche zu dem Thema präsentiert wurden. Unter anderem berichtete Gershom Isaac, ein aus Papua-Neuguinea stammender Erntehelfer, von Arbeitstagen mit einer Dauer von über zwölf Stunden, wobei er und seine Kollegen gerade sieben Australische Dollar als Stundenlohn erhielten. Die Nächte verbringen die Beschäftigten in überfüllten, stickigen Sammelunterkünften. Er selbst habe angesichts dieser Zustände schon an Selbstmord gedacht, sagte Isaac den Reportern. »Ich habe keine Stimme. Und ich habe keine Macht.«
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