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Zurück zur Monarchie

Religiöse Gewalt in Nepal

Hinduistisch-muslimischer Konflikt erschüttert Himalajarepublik – drei Tote durch Polizei

Foto: REUTERS/Stringer
Im Osten Nepals eskalieren religiöse Konflikte. Polizei und sogar die Armee greifen ein – mit tödlichen Folgen (Siraha, 30.7.2026)

Brennende Häuser, eine schießwütige Polizei, als vorläufige Bilanz drei Tote und mindestens 25 Verletzte: Die Himalajarepublik Nepal wird gerade von den schwersten religiösen Auseinandersetzungen seit Jahren erschüttert. Was am 26. Juli mit einem lokalen Disput zwischen Hindus und Muslimen begann, hat sich binnen anderthalb Wochen zu einer ernsten Krise entwickelt. Die noch junge Regierung des 36jährigen Premier Balendra Shah und der 2022 gegründeten zentristischen Rastriya Swatantra Party (RSP) – Siegerin der in Folge der sogenannten Gen-Z-Proteste von September 2025 ausgesprochenen Neuwahlen vom März – wird vor ihre bisher stärkste Belastungsprobe gestellt.

Erst ging es in einer Kleinstadt im Terai, der schmalen südlichen Tieflandebene an der Grenze zu Indien, um muslimische Fahnen, die durch hinduistische ersetzt worden waren. Dann zog eine Hinduprozession mit lauter religiöser Musik durch ein muslimisches Viertel und führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen. Von wem die Gewalt zuerst ausging, die auch auf Nachbargebiete übergeschwappt ist, ist unklar. Auch eine Recherche der Kathmandu Post vor Ort stellte widersprüchliche Aussagen fest.

Noch am Abend des 26. Juli wurde auch die Polizei eingeschaltet. Da sie die Unruhen nicht stoppen konnten, wurden die primär zur Grenzsicherung und Aufstandsbekämpfung vorgesehene Eliteeinheit Armed Police Force (APF) und schließlich sogar Soldaten der Armee zu Hilfe geholt. Offenbar setzten die Polizeikräfte unmittelbar scharfe Munition ein, dabei wurde ein Mensch schwer verletzt und starb auf dem Weg ins Krankenhaus, ein weiterer erlag später seinen Verletzungen. Am vorigen Donnerstag wurde dann in Golbazar im Osten des Terai der 15jährige Ganesh Yadav von Polizeikugeln tödlich getroffen. Die Behörden haben mittlerweile in mehreren Orten Ausgangssperren und Versammlungsverbote erlassen.

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Religiöse Gewalt ist in Nepal ein seltenes Phänomen. Zwar gibt es vielerlei Konfliktlinien innerhalb des hinduistischen Kastensystems, Ausschreitungen gegenüber indigenen Gruppen oder Auseinandersetzungen in der Spätfolge des Bürgerkrieges, in dem ab 1996 für zehn Jahre die maoistische KP Nepals einen Guerillakampf gegen die königliche Armee führte. Das Zusammenleben der mit 81 Prozent dominierenden Hindus, deren Glaube unter der Monarchie bis zu deren Ende 2008 Staatsreligion war, mit den diversen religiösen Minderheiten ist aber weitgehend friedlich. Auch seit 2015, als Nepal endgültig zur säkularen Republik erklärt wurde. Zuletzt zeichnet sich jedoch eine immer lautere Minderheit ab, die sich nicht nur den König, sondern auch die führende Rolle des Hinduismus zurückwünscht. Schon im Frühjahr 2025 waren promonarchistische Proteste in der Hauptstadt gewaltsam eskaliert. Im Süden sind solche Stimmen zum Teil am stärksten. Unklar ist, welche Einflussnahme aus dem nahen Indien kommt, wohin es viele enge Beziehungen zu rechten Hindunationalisten gibt.

Premier Shah wird von mehreren Seiten schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Einst hatte der Rapper und ehemalige Bauingenieur als »Anti-Establishment«-Kandidat zu Beginn seiner politischen Karriere als Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu an Popularität gewonnen. Nun dauerte es Tage, bis er sich in einer Rede an die Bevölkerung wandte und zu Beruhigung und Harmonie mahnte. Diesen Appell teilte er jedoch nur über Social Media, statt damit im Parlament oder vor Fernsehkameras aufzutreten. Zudem blieb er einem Allparteienkrisentreffen fern, das sein eigener RSP-Parteichef Rabi Lamichhane einberufen hatte. Unterdessen gab es nicht nur in Hetauda, Regionalhauptstadt der zentral-östlichen Provinz Bagmati, eine überparteiliche »Friedensdemo« für Harmonie und Zusammenhalt, sondern auch an anderen Orten kleinere Aktionen, wie die Himalayan Times berichtete.

Landesweit machen Muslime in Nepal laut dem Zensus von 2021 fünf Prozent der Bevölkerung aus. In der Konfliktregion liegt ihr Anteil aber bei 13 bis 14 Prozent. Es sei positiv, dass der Premier jedes Infragestellen der säkularen Grundfesten des Staates vorerst in aller Deutlichkeit unterbunden habe, lobte die Kathmandu Post in einer Kolumne. Dennoch, mahnt eines der nepalesischen Leitmedien, müssten nicht nur Madrassas (Koranschulen), sondern in gleicher Weise auch Hindutempel auf etwaiges Schüren von Konflikten kritisch überwacht werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 6, Ausland

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