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Theater

Volksbad

Zum Auftakt der Intendanz von Matthias Lilienthal sind das angekündigte temporäre Schwimmbecken und die dazugehörige Pommesbude vor der Berliner Volksbühne am Freitag mittag eröffnet worden. Das Theater überbrückt mit dem 25 Meter langen Becken vor dem Gebäude am Rosa-Luxemburg-Platz die Sommerpause, die in diesem Jahr wegen Reparaturarbeiten bis zum 1. Oktober dauert. Mit dem folglich eingesparten Budget sollen die Kosten für das Projekt in Höhe von rund 300.000 Euro finanziert werden. Rund 90.000 Euro entfallen auf das Schwimmbecken, etwa 210.000 Euro auf Personal, Projektplanung und Sicherheit. Nach Angaben des Theaters entsprechen die Kosten denen einer großen Theaterproduktion im Haus.

Das Becken hat eine Wassertiefe von 1,30 Meter. Nichtschwimmer müssen mindestens 1,60 Meter groß sein. Minderjährige Nichtschwimmer dürfen das Volksbad nur in Begleitung einer geeigneten, schwimmkundigen Person ab 16 Jahren besuchen. Der Besuch des Freibads ist kostenlos, Voraussetzung ist die Onlinebuchung eines Zeitfenstertickets. Geöffnet ist das Bad dienstags, mittwochs, freitags und sonnabends von zwölf bis 20 Uhr, donnerstags von 13 bis 21 Uhr. An Sonntagen und Montagen bleibt das Bad geschlossen.

Lilienthal übernimmt die Volksbühne, nachdem der bisherige Intendant René Pollesch vor zwei Jahren überraschend gestorben war. Lilienthal hatte schon früher als Dramaturg und stellvertretender Intendant an der Volksbühne gearbeitet, leitete in Berlin dann das HAU und später die Münchner Kammerspiele. Nun kehrt er an die Volksbühne zurück. Mit dem Projekt möchte Lilienthal zeigen, dass Theater auch entsteht, »wenn zwei Leute sich nassspritzen«. Für ihn ist die Aktion allerdings auch ein Protest gegen die zunehmend verfallende Infrastruktur Berlins. »Uns freut es sehr, dass wir den Freibadmangel für zwei Monate ein klein bisschen relativieren«, sagte Lilienthal im Frühsommer. Die Volksbühne will mit dem Projekt auch Menschen anziehen, die sonst vielleicht nicht ins Theater gehen. Für ihn sei es auch das Anprangern eines sozialen Missstandes, meinte Lilienthal im Interview mit dem RBB. Infrastruktur wie Bäder, S-Bahnen und Schulen funktioniere nur noch unzureichend.

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Die SPD-Abgeordnete Dunja Wolff aus dem Berliner Abgeordnetenhaus wiederum sieht die Aktion kritisch: »Ich hätte mir das Geld für die kleinen Spielstätten, speziell Jugendtheater, gewünscht«, erklärte sie, vielleicht ohne zu bedenken, dass die Volksbühne das Volksbad zumindest der Planung nach aus ihrem eigenen, bereits bewilligten Budget finanziert.

Eine Sprecherin des Theaters entgegnete, auch die Volksbühne finde die Lage der freien Theaterszene problematisch und wolle diese in ihren Interessen unterstützen. »Das Projekt hilft hoffentlich auch, die Wichtigkeit der Kultur in der Stadt Berlin zu zeigen und diese damit zu stärken.« (aha)

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.08.2026, Seite 10, Feuilleton

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