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Aus: Ausgabe vom 11.02.2026, Seite 10 / Feuilleton

Biewer, Bergmann, Neumann, Herbst

Von Jegor Jublimov
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Anfangs an der Berliner Volksbühne noch mit großen Rollen: Gerd Biewer

Am Montag wird die jetzt in Québec lebende ehemalige RTL-Wetterfee Maxi Biewer an Berlin gedacht haben, denn es war der Geburtstag ihres Vaters Gerd Biewer, der vor 100 Jahren in Saarlouis geboren wurde. Seit er 1956 neben der mexikanischen Schauspielerin Rosaura Revueltas in Adlershof erstmals vor der Kamera stand, blieb er bis Ende der 70er Jahre (in einer ­Leonhard-Frank-Adaption) in der DDR mit weit über 50 Produktionen ein gern gesehener Schauspieler. Er hatte das Glück, dass ihn Brecht und Weigel 1953 zum Berliner Ensemble holten, und wechselte 1961 an die Volksbühne. Nach großen Rollen hatte er Pech, als Benno Besson das Haus übernahm und mit Biewer nichts anzufangen wusste. Das nagte am Selbstwertgefühl des Schauspielers, der sich nach und nach aufgab und 1981 aus dem Leben schied.

Eine große komödiantische Rolle in einem internationalen Ensemble spielte Biewer 1960 in dem bunten Defa-Film »Italienisches Capriccio« um ­Carlo Goldoni. Hier stand der in Dresden aufgewachsene Helmut Bergmann hinter der Kamera, der nach zahlreichen Kurzdokumentarfilmen 1956 gemeinsam mit seinem älteren Bruder Werner »Der Hauptmann von Köln« als ersten Spielfilm realisiert hatte. Während Werner Bergmann Stammkameramann von Konrad Wolf wurde, fotografierte Helmut einige der schönsten Filme von Slatan Dudow (»Verwirrung der Liebe«, 1959) und Helmut Dziuba, (­u. a. »Sabine Kleist, 7 Jahre«, 1982), der sich über dessen »Bilder von poetischer Einfachheit« freute. Aber auch im Abenteuergenre, so in »Apachen« und »Ulzana« (1973/74), bewies Bergmann sein Können. Er starb 1998 und wäre am Sonntag 100 geworden.

Glück in Potsdam 1973! Der bis dato noch wenig bekannte Schauspieler Thomas Neumann spielte am Hans-Otto-Theater den Edgar W. in Plenzdorfs Bühnenstück »Die neuen Leiden des jungen W.«. Mit Edgars Großspurigkeit, Bauernschläue und Verletzlichkeit traf er die Figur genau. Das blieben Eigenschaften, die er auch in den folgenden Jahren am Berliner Ensemble, wo er neben dem großen Wolfgang Heinz in »Leben des Galilei« spielte, und im Deutschen Theater, wo er unter anderem die Titelrolle in Kipphardts »Bruder Eichmann« übernahm, zur Geltung brachte, oft auch in Nebenrollen. Neumann, der am 9. Februar vor 80 Jahren in Vorpommern zur Welt kam, stand seit 1967 vor der Kamera, so in Hauptrollen der Defa-Komödien »Nachtspiele« (1979) und »Wie wär’s mit uns beiden?« (1980). Nach 1990 blieb er häufiger Gast bei Fernsehen und Film. Man erinnert sich an seinen sympathischen Kleinkriminellen Hansen Hansen in »Soko Wismar« (­2009­–­15) oder den Professor Bonhoeffer in der Charité-Serie. 2024 war er in der internationalen Produktion »The Zone of Interest« über den Kommandanten von Auschwitz dabei.

An Neumanns 20. Geburtstag kam in Wuppertal Christoph Maria Herbst zur Welt, der gerade in aller Munde ist, denn nach dem zweiten Kinofilm mit seiner Paraderolle, dem eigenwilligen Angestellten »Stromberg« aus der beliebten Pro sieben-Serie, ist gerade die Culture-Clash-Komödie »Extrawurst« in den Kinos angelaufen. Herbst auf neuen Höhenflügen!

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