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Denialistin des Tages: Linda Teuteberg

Foto: dts Nachrichtenagentur/imago
Die Welt – eine Konstruktion

Leicht labert sich vom privilegierten Standort. Weiße, die wissen, was es für Schwarze heißt, unter weißer Hegemonie zu leben. Männer, die finden, dass die Gleichberechtigung längst vollendet ist. Wessis, die Ossis erklären, dass sie keinen Grund zu jammern haben. »Check mal deine Privilegien«, lautete ein vor etwa 15 Jahren zirkulierendes Meme.

Die Nomenklatura der Bundesrepublik hat hinzugelernt. Man lässt nicht mehr Westdeutsche Ostdeutschen die Welt erklären, man schickt die selbst vor. Den lustigen Ilko-Sascha Kowalczuk zum Beispiel, der sich seinen Enthusiasmus nicht von ein paar brandenburgischen Jammerlappen kaputtmachen lassen will. Für die FDP geht Linda Teuteberg an den Start, geboren in Königs Wusterhausen. Was keine Entschuldigung sein soll, obwohl es eine sein könnte. »Die Ostidentität wurde nachträglich erfunden«, verriet sie am Freitag der dpa. Alles Kon­struktion, alles Ideologie, alles Text. Die Freien Demokraten können jetzt auch Postmoderne. Vor 1990, weiß Teuteberg, haben die Ostdeutschen sich nicht als Ostdeutsche, sondern als Deutsche eines geteilten Deutschlands empfunden. Woher sie das weiß, weiß sie nicht. Wer kein Material hat, hat immer noch die Anekdote, kennt einen, der einen kennt usf.

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Gewiss ist jede Identität konstruiert, nur lässt sich schwerlich konstruieren, was keine Wurzeln im Wirklichen hat. Das Erlebnis einer quasikolonialen Übernahme, das Gefälle bei den Einkommen, die Verödung ganzer Landstriche, das Dominieren westdeutscher Narrative in einer bloß scheinbar gesamtdeutschen Kultur, das alles ist real geschehen und hat jene Identität, die als Echo der DDR-Erfahrungen bereits vorhanden war, als unbewusste Geste des Widerstands zusätzlich genährt. Was nicht hasst, wird hassend gemacht. Teuteberg wäre nicht die erste, die für unvorhanden erklärt, was sie selbst mit am Laufen hält.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.08.2026, Seite 3, Ansichten

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