Publikumsliebling des Tages: Friedrich Merz
Einmal musste er ja in den hohen Norden, der Merz. Zum Arktisgipfel, wo man ihn noch für einen Teufelskerl hält, einen Macher, kühlen Analytiker mit Herz, verhandlungs- und kommunikationsfähig. Für all das also, was man ihm in Deutschland abspricht. Wenn Friedrich Merz eine Leistung verbuchen kann, die das Attribut »historisch« verdiente, dann wohl die, die Zustimmungswerte in Tiefen gebracht zu haben, die kein amtierender Kanzler vor ihm gesehen hat. Ende August zeigten sich laut ZDF-Politikbarometer nur 20 Prozent zufrieden.
Was an dem Mann, der nicht verstehen kann, warum man ihn nicht einfach bewundert, nagt. Im finnischen Rovaniemi angekommen, warnte er am Montag davor, europäische Sicherheitsfragen durch die Debatte über seine Person überschatten zu lassen. Außenpolitische Fragen seien bedeutender als der Wunsch nach einem anderen Kanzler. »Deshalb versuche ich, meine Freunde, meine politische Partei, die Fraktion davon zu überzeugen, dass das viel wichtiger ist als einige der innenpolitischen Debatten, die wir haben«, sagte Merz ohne Rücksicht auf die eigene Karriere.
Ob er den Kampf um Berlin gewinnen kann, indem er ihn nach Finnland trägt, mag hier offenbleiben. Nachgerade rührend allerdings die Annahme, von seiner Kanzlerschaft hänge irgendwas für die europäische Sicherheitslage Relevantes ab. Zur Massenpsychose eines vom militärisch weit unterlegenen Russland bedrohten Europa tritt also die persönliche Psychose, ein Mann zu sein, der Geschichte macht statt Geschichten. Die Zeit der niedrigen Aufmerksamkeit für den hohen Norden sei vorbei, schob Merz leger hinterher und warnte vor Putins »hybriden Aktivitäten«, vor dem also, was NATO-Staaten seit je unternommen haben, wenn es irgendwo einen Regime Change anzustoßen galt. Der nächste scheint allerdings in Berlin anzustehen.
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