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Niederlande

Brandanschlag aufs Auto einer syrischen Familie

Rassistische Attacken in den Niederlanden: Schon vor dem Einzug werden Steine durch die Fenster geworfen

Foto: Jeroen Jumelet/ANP/IMAGO
»Asylsuchende willkommen, Faschisten, dreht um!« Demonstranten positionieren sich gegen die rassistische Gewalt (Loosdrecht, 21.5.2026)

Das Familienauto brennt, und Steine fliegen durchs Fenster. Vier Jahre hat der Syrer Osman Al-Arab mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern in einer niederländischen Flüchtlingsunterkunft gelebt. Vor drei Monaten hat die Familie ein Reihenhäuschen in Geesteren bezogen, einem 4.300-Seelen-Dorf zwischen Almelo und Enschede. Das Haus hat die Stadt bereitgestellt. Dennoch überlegt die Familie jetzt wegzuziehen. Der Grund: Am Sonnabend vor einer Woche stand mitten in der Nacht ihr vor dem Haus geparktes Auto in Flammen. Brandstiftung, ergab die forensische Untersuchung der Polizei.

Es kommt in der Region Twente durchaus vor, dass Unbekannte Autos abfackeln. Erst am vergangenen Montag brannte auch in Almelo ein Wagen aus. Anfang Juni waren es zwei Pkw in Enschede. War der Fiat Punto der Al-Arabs also nur ein zufälliges Ziel? Eher nicht, denn der Terror begann, als bekanntwurde, dass bald eine syrische Familie in das Haus einziehen würde.

Im März wurde ein großer Stein mit der Aufschrift »Rot op« durchs Wohnzimmerfenster geworfen, übersetzt »Verpisst euch«. Nur eine Woche später wurde die Scheibe der Haustür zerschlagen. Mitte April gab es einen weiteren Steinwurf durchs Fenster – einen Tag, bevor die Familie aus Kamischli in Syrien endgültig die Schlüssel bekommen hatte. Sie zog trotzdem ein. Die Nachbarn schenkten den Kindern Spielsachen, und die Al-Arabs fühlten sich willkommen. Aber nach dem mutmaßlich rassistischen Anschlag auf das Auto ist die Angst zurück.

Die Attacke hat auch die Politik in Den Haag aufgeschreckt. »Ich verurteile jede Form von Gewalt oder Zerstörung gegen irgend jemanden oder irgend etwas in den Niederlanden«, sagte Justizminister David van Weel am Donnerstag gegenüber dem Regionalsender RTV Oost. Mehr Empathie ist von dem Minister der rechtsliberalen VVD wohl nicht zu erwarten, einer Partei, die in der Asylpolitik eine harte Linie verfolgt.

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Vermutlich hatten die Täter die Umgebung genau beobachtet. Nach den Steinwürfen im Frühjahr hatte die Gemeinde vorübergehend Kameras rund um das Haus installieren lassen. Nachdem die Kameras wieder abgebaut worden waren, erfolgte der Brandanschlag. Die Polizei tappt im dunkeln. »Wir bemerken, dass in der Nachbarschaft Angst herrscht«, sagte Chantal Westerhoff von der Polizei Ostniederlande Anfang der Woche laut der Rundfunkanstalt NOS. Die syrische Familie habe jedenfalls »absolut nichts falsch gemacht«, versicherte Westerhoff.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Täter bei denen zu suchen sind, die schon vor vier Jahren beim gewalttätigen Protest gegen ein Zentrum für Asylsuchende im benachbarten Albergen für landesweite Schlagzeilen sorgten. Jeden Abend protestierten mehr als hundert Menschen vor einem leerstehenden Hotel, in das 150 Flüchtlinge einziehen sollten. Das Gebäude, das rund einen Kilometer außerhalb des Dorfes liegt, wurde beschossen, und es kam auch zu einem Brandanschlag. Bürgermeister und Stadtrat der Gemeinde Tubbergen, zu der Geesteren und Albergen gehören, wurden massiv bedroht. Unter dem Auto des Bürgermeisters entdeckte die Polizei einen GPS-Tracker.

Der Stadtrat blieb auf Anweisung der Regierung in Den Haag standhaft. Im September 2024 zogen die Flüchtlinge in das Hotel ein. Auch die Al-Arabs wohnten dort zuletzt, weiß die Tageszeitung Tubantia. Nach der Eröffnung des Asylzentrums schwelt die von Ultrarechten angeheizte Wut in Teilen der Bevölkerung anscheinend weiter. Es hagelte Klagen gegen die Unterkunft, weil zum Beispiel beim Umbau des Hotels angeblich die Asbestverordnung nicht eingehalten worden sei oder die Fledermäuse in der Umgebung vertrieben würden. Das Gericht wies alle Klagen zurück. Das Asylbewerberzentrum bleibt. Zunächst bis 2032.

Seit der erste Schock nach dem Anschlag verdaut ist, sammeln die Menschen in Geesteren Geld, damit die syrische Familie einen neuen Gebrauchtwagen kaufen kann, berichtete RTV Oost. Osman Al-Arab benötigt es nämlich dringend, damit er zu seiner Arbeit ins 22 Kilometer entfernte Hengelo kommt, wo er in einem Restaurant arbeitet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 7, Ausland

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