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Nahostkonflikt

Noch mehr Öl ins Feuer

Nach erneuten Angriffen droht der Krieg gegen Iran sich bis ins Mittelmeer auszuweiten

Foto: Oleksandr Lisyanskyy/Handout via REUTERS
Ägypten wird nach einen Drohnenangriff auf einen US-Gastanker neuer Schauplatz des Iran-Kriegs (Damietta, 14.11.2025)

Der Iran-Krieg erfasst zunehmend weitere Staaten und strategische Infrastruktur der Region: Zwei Gastanker standen in der Nacht zum Donnerstag in Flammen. Eine Drohne hatte sie im ägyptischen Hafen Damietta getroffen. Erste Ermittlungen zeigten, dass ein unbemanntes Flugobjekt das Feuer auf der »Energos Winter« und der »Gaslog Salem« ausgelöst habe. Wer die Drohne losschickte, blieb offen. Zu dem Angriff bekannte sich bisher niemand.

Damietta liegt nur 55 Kilometer von der Hafenstadt Port Said entfernt, dort, wo der Suezkanal ins Mittelmeer mündet – ein Knotenpunkt für Tanker und Frachter. Die »Energos Winter« hat einen direkten US-Bezug, fährt unter der Flagge der Marshallinseln, gehört einer US-Firma, wird aber von einer norwegisch-singapurischen Reederei betrieben. Bislang war Ägypten von den direkten Kriegsfolgen verschont geblieben – ein Land, das sich selbst als Vermittler in der Region versteht. Genau dieser Status gerät nun ins Wanken. Was sich am Golf seit Monaten abzeichnet – Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur ohne erkennbaren Bekenner –, scheint mit Damietta erstmals auch das östliche Mittelmeer zu erreichen.

In der Nacht zum Donnerstag flog das US-Militär einen zweistündigen Angriff gegen Dutzende Stellungen der Iranischen Revolutionsgarden: Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachung. Es war die erste US-Aggression gegen iranisches Gebiet seit fünf Tagen. Als Reaktion darauf meldete die jordanische Luftwaffe, fünf Raketen der Revolutionsgarden abgefangen zu haben, die auf eine US-Basis im Land gezielt hätten. Opfer gab es nach jordanischen Angaben keine. Auch Kuwait geriet in der Nacht zum Donnerstag ins Visier: Ein iranischer Angriff traf im Norden des Landes ein Gebäude einer chinesischen Firma. Dabei wurde ein Arbeiter getötet, wie das kuwaitische Verteidigungsministerium mitteilte. Um welches Unternehmen es sich handelte, blieb offen.

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Im Roten Meer hält unterdessen die von den jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) ausgerufene Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Sie betrifft die Straße von Bab Al-Mandab, die neben der Straße von Hormus zum zweiten maritimen Engpass des Kriegs geworden ist. Saudi-Arabien bemüht sich um eine internationale Koalition zum Schutz der Schiffahrt im Roten Meer vor der andauernden Blockade der Ansarollah. Die Zusammensetzung stehe noch nicht fest, verhandelt werde aber mit Dutzenden Staaten. Umgekehrt beklagen die Ansarollah die Sperrung ihres Luftraums durch Riad.

Die Straße von Hormus bleibt nach wie vor der zentrale Konfliktpunkt. Nach Angaben der Revolutionsgarden griffen iranische Kräfte drei Tanker an, die auf einer nicht genehmigten Route durch die Meerenge fahren wollten. Nähere Angaben zu den Schiffen, Schäden oder möglichen Opfern lagen zunächst nicht vor. Der Iran hatte zuvor einen Vorschlag Omans abgelehnt, die Durchfahrt durch die Meerenge gemeinsam zu verwalten. Der Plan habe vorgesehen, die Straße in zwei getrennte Routen aufzuteilen, erklärte der iranische Stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi im Staatsfernsehen. Teheran bot statt dessen eine eigene, vorübergehende Regelung an – mit dem erklärten Ziel, dass die Straße von Hormus »nie wieder« in ihren Zustand vor Kriegsbeginn zurückkehren solle.

Die neuerlichen Eskalationen schlugen sich sofort an den Märkten nieder. Die Rohölsorte Brent verteuerte sich am Mittwoch um mehr als sieben Prozent – einer der schärfsten Tagesausschläge seit Kriegsbeginn – und lag am Donnerstag morgen bei rund 91 US-Dollar je Barrel. An den Golfbörsen gaben die Kurse nach, in Katar und Saudi-Arabien ebenso wie in Dubai und Abu Dhabi. Saudi-Arabiens Statistikbehörde meldete zudem am Donnerstag einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent im zweiten Quartal, verursacht vor allem durch ein Minus von fast 25 Prozent im Ölgeschäft.

Auffällig bleibt der von den USA vorgegebene Rhythmus des Krieges: Einer rund fünftägigen Pause folgte in der Nacht zum Donnerstag der erneute Angriff auf Iran. Eine mögliche Erklärung sind materielle Engpässe an Flugabwehr- und Präzisionsmunition. Denkbar ist ebenso, dass die Angriffspausen selbst Teil einer längerfristigen Strategie sind. Die USA könnten darauf zielen, das Golfsystem dauerhaft zu destabilisieren. Wiederkehrende Angriffe provozieren iranische Gegenmaßnahmen, weiten den Krieg aus und halten die zentralen Exportwege unter Druck. Davon profitieren die USA als großer Nettoexporteur von Öl: Europa und Asien tragen höhere Energiepreise, US-amerikanische Produzenten gewinnen Marktanteile. Ob dies geplant ist oder nur in Kauf genommen wird, bleibt offen. Die Entwicklung entspricht jedoch auffällig genau den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen Washingtons.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 7, Ausland

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