Zum Inhalt der Seite

Doppelte Standards

Nukleardeal zwischen USA und Saudi-Arabien

Von Jörg Kronauer
Foto: Jonathan Ernst/File Photo/REUTERS
Das alte Bündnis zwischen USA und Saudi-Arabien ermöglicht immer wieder verblüffende Wendungen (Riad, 21.5.2026)

Ein ziviles Nuklearprogramm im Mittleren Osten, Urananreicherung inklusive, und das alles ohne adäquate Kontrollen durch die Internationale Atomenergieorganisation? Ja, bitte! Nein, die Rede ist nicht von Iran; das Land soll, so verlangt es die Trump-Administration nach wie vor, auf all dies, zumindest jedoch auf die Anreicherung, dauerhaft verzichten. Es geht hier um Saudi-Arabien. US-Präsident Donald Trump hat dem Land einen Nukleardeal zugesagt, der all dies umfasst. Am Mittwoch sollte er unterzeichnet werden. Zwar muss das Abkommen noch vom Kongress genehmigt werden, doch sollte sich eine Mehrheit der Abgeordneten weigern, kann ein präsidiales Veto bloß mit einer Zweidrittelmehrheit überstimmt werden. Und die ist nicht in Sicht.

Wozu das Ganze? Zum einen sichert der Deal der US-Atomindustrie immense Geschäfte; US-Medien gehen von einem Volumen von Dutzenden Milliarden US-Dollar aus. Das lässt bei Westinghouse & Co. die Kassen fleißig klingeln und sperrt die saudische Branche für die russische und die chinesische Konkurrenz. Zum anderen hilft das Nukleargeschäft, die sich vertiefenden Risse in den Beziehungen zwischen Washington und Riad ein wenig zu kitten. In Saudi-Arabien wächst schon seit Monaten der Unmut darüber, dass die USA mit dem und im Iran-Krieg saudische Interessen mit Füßen treten. Riad beginnt, eigene Wege zu gehen– so etwa mit dem Versuch, sich erneut auf einen Ausgleich mit Teheran zu orientieren. Das Nuklearprogramm, das Trump dem saudischen Herrscherclan nun mit allem Drum und Dran versprochen hat, bindet Saudi-Arabien wieder ein wenig enger an die USA.

Anzeige

Der Preis ist hoch. Denn der Deal droht im Nahen und Mittleren Osten einen Nuklearwettlauf zu entfesseln: Werden Regionalmächte wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Ägypten zusehen, wie der Rivale Saudi-Arabien sich auf den Anreicherungspfad begibt? Wohl kaum. Dass Trump Riad zudem sogar zugesagt hat, Atominspekteure von relevanten Anlagen fernhalten zu dürfen, nimmt den USA im Nuklearkonflikt mit Iran jeglichen Rest an Glaubwürdigkeit. Ja, es stimmt: Letzten Endes zählt bloß die blanke Macht. Doch ebenso richtig ist: Wenn die Macht schwindet, senkt fehlende Glaubwürdigkeit die Schwelle für offene Rebellion. Trumps Herrengebrabbel und sein Willkürhandeln schüren Verachtung; auf lange Sicht höhlen sie die US-Dominanz noch weiter aus. Auch in Mittelost.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 23.07.2026, Seite 1, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Heute liegt der jungen Welt das achtseitige Extra »Spanischer Krieg, 90. Jahrestag« kostenlos bei. Die Ausgabe erhalten Sie im gut sortierten Pressehandel für 2,50 Euro.