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Situation von Druckereien

Aus für ehemalige Volksdruckerei

Westermann schließt Druckerei in Zwickau. 170 Beschäftigte sind betroffen

Foto: picture alliance/dpa
Bekannt für den Diercke-Weltlas und jetzt auch für die Abwicklung der Druckerei in Ostdeutschland: Westermann

Rasch und offenkundig weitgehend unbemerkt soll ein kompletter Standort der Verlagsgruppe Westermann bis Ende August dichtgemacht werden: Betroffen ist eine im sächsischen Zwickau ansässige Druckerei mit rund 170 Beschäftigten.

Als Gründe für die Schließung führte der kaufmännische Geschäftsführer der Westermann-Gruppe, Timo Blümer, laut dpa vom Dienstag die üblich gewordene Mischung aus »hohen Personal- und Energiekosten in Deutschland« an, denn die habe »dazu geführt, dass die Produktion im Vergleich zum Beispiel zu osteuropäischen Anbietern nicht mehr konkurrenzfähig war, trotz erheblicher Investitionen in neue Maschinen«. Generell hätten Druckereien mit Überkapazitäten angesichts einer sinkenden Nachfrage zu tun. Tags zuvor hatte die Freie Presse zuerst über die Pläne berichtet, den Traditionsstandort in Zwickau aufzugeben, und mit Verweis auf eine Unternehmenssprecherin »anhaltend schwierige Marktbedingungen« als Schließungsgrund angegeben, in deren Folge die Aufträge stark zurückgegangen seien.

Der Betrieb wurde in den 1950er Jahren als Volksdruckerei gegründet, in der unter anderem Bildbände für den Export produziert wurden. Aufträge führte die Druckerei in der Vergangenheit für alle größeren Verlage in der DDR aus. 1990 übernahm die Westermann-Gruppe den Betrieb und modernisierte ihn in der Folge. So entstehen in Zwickau seitdem hochwertige Bücher im Vierfarbdruck, schwerpunktmäßig Schul-, Fach-, Medizin-, Kinder- und Jugendbücher sowie Reiseführer und Ratgeber. Auf der Webseite der Verlagsgruppe, die seit 1986 ihrerseits der Medien-Union gehört, wird der Standort Zwickau noch vollmundig angepriesen. So sei der Betrieb technisch und organisatorisch »umfassend weiterentwickelt, um den sich verändernden Kundenbedürfnissen zu entsprechen«. Das Ergebnis seien »vernetzte und transparente Prozesse jedes einzelnen Produktionsschrittes«, die es wiederum ermöglichten, »bei großer Fertigungstiefe und hoher Produktvielfalt die Wünsche unserer Kunden in optimaler Qualität termingerecht zu erfüllen«. Das alles werde mit mehreren hochmodernen Druckmaschinen sowie einer ebenfalls hochmodernen Weiterverarbeitung umgesetzt. Jährlich entstünden mehr als 13 Millionen Produkte. Nicht zuletzt sei Westermann-Druck Zwickau »zertifiziert, Produkte mit dem Label ›Blauer Engel‹ zu drucken, und erfüllt damit hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltschutz«.

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Das alles spielt nun offenkundig keine Rolle mehr. Am Montag dieser Woche sollen laut Radio Zwickau die Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung über die Schließung der Druckerei informiert worden sein. Bei dieser Gelegenheit wurde auf die sinkende Nachfrage nach Druckerzeugnissen bei gleichzeitig stark gestiegenen Produktionskosten verwiesen, die den Standort unwirtschaftlich gemacht hätten. Trotz erheblicher Investitionen in neue Maschinen sei die Produktion gegenüber Druckereien in osteuropäischen Ländern nicht konkurrenzfähig. Den Beschäftigten wurde dem Vernehmen nach nicht einmal ein Sozialplan offeriert. Vielmehr hieß es in den Berichten, dass sie »die Möglichkeit erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich für den weiteren Arbeitsmarkt zu qualifizieren«, so Radio Zwickau. Die Westermann-Gruppe ist damit fein raus, denn in Transfergesellschaften beziehen die dort für maximal zwölf Monate beschäftigten Menschen Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 bzw. mit mindestens einem im Haushalt lebenden Kind 67 Prozent ihres bisherigen pauschalierten Nettoentgelts von der Bundesagentur für Arbeit. Ob sich die Jobchancen durch die angebotenen Qualifizierungen in der Region wirklich verbessern, ist dabei fraglich – zumal auch der dortige wichtige Standort des Autobauers Volkswagen zur Disposition steht.

Offen soll bisher sein, was mit dem Betriebsgelände der Druckerei an der Crimmitschauer Straße geschehen wird. Radio Zwickau berichtete, dass die Westermann-Gruppe verschiedene Optionen prüfe, wohl auch den möglichen Verkauf dieses Grundstücks.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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