Mit reichen Freunden
Rechtsruck in Australien: Die One Nation Party avanciert im ländlichen Raum binnen eines Jahres zur stärksten Kraft
Bei der letzten Parlamentswahl in Australien im Mai 2025 holte die ultrarechte One Nation Party (ON bzw. ONP) mit ihrer »Vorsitzenden auf Lebenszeit« Pauline Hanson 6,4 Prozent der Stimmen. Das war bereits ein Achtungszeichen der 1994 gegründeten Partei, die nach frühen Anfangserfolgen jahrzehntelang ein Schattendasein gefristet hatte. Seit Monaten verzeichnet die ONP nun einen gleichsam kometenhaften Aufstieg in den Umfragen. Die einstige Nischenpartei erscheint immer mehr Menschen als wählbar. Die Partei, die rassistische Polemik gegen Einwanderer und »den Islam« sowie die Frontstellung gegen das angeblich »linke« Establishment zu ihrem Markenzeichen gemacht hat, ist demnach inzwischen stärkster Herausforderer der regierenden Sozialdemokraten. Neuere Umfragen sehen sie fast gleichauf mit der Labor Party von Premier Anthony Albanese.
Laut Demoskopen ist der Zuspruch für One Nation bei den Älteren ab 55 Jahren am höchsten, analysierte das Umfrageinstitut DemosAU schon im Dezember 2025 – damals lag er bei rund 22 Prozent. 16 Prozent der Wähler zwischen 34 und 55 Jahren erwärmen sich für die Partei. Unterschiede gibt es auch beim formellen Bildungsstand: Nur auf neun Prozent kam ONP bei Menschen mit Hochschulabschluss, bei jenen ohne Hochschulreife waren es mit 24 Prozent fast dreimal so viel. Ähnlich auffällig ist die Schere zwischen Großstädten (10 Prozent) und ländlichem Raum (24 Prozent). Unter ärmeren Wählern punktet die ONP besonders stark – und auch bei denen, die über 200.000 Australische Dollar im Jahr verdienen, also bei der Oberschicht der Einkommen.
Schon bei der Gründung vor knapp drei Jahrzehnten war der Rückhalt für die Partei im ländlichen Hinterland von Queensland am größten. Die einstigen Zustimmungswerte von dort erzielt sie nun allerdings landesweit: Laut DemosAU würden 35 Prozent der Menschen im ländlichen Raum über 55 mit geringer formaler Bildung, die noch zur Wahl 2025 für die (in Australien traditionell weit rechts stehenden) Konservativen stimmten, ihr Kreuz jetzt bei der ONP machen. Der Sender ABC schaute sich für eine Reportage am 23. Juli in Regionen um, wo die Rechtsaußen-Partei zur stärksten Kraft geworden ist. Zu Wort kam dabei etwa Cheryl Dowlan, die sich in Queensland gegen Obdachlosigkeit engagiert – ein zentrales Thema in Australien. Die frühere Labor-Anhängerin ist zur ONP umgeschwenkt, weil diese die Einwanderung zu minimieren verspricht, was nach Ansicht von Dowlan auch den Wohnungsmarkt entlasten würde.
Während One Nation so gezielt die Abstiegs- und Verarmungserfahrungen der australischen Bevölkerung adressiert, ist ausgerechnet die reichste Australierin, Gina Rinehart, nicht nur stille Förderin der ONP, sondern auch enge Freundin Pauline Hansons. Rinehart reist mit der Parteichefin (dieser Tage trafen sich beide in Italien), schenkte ihr ein Privatflugzeug – zum besseren Erreichen ländlicher Gegenden selbstverständlich – und nimmt, wie Hanson einräumte, auch aktiv Einfluss auf die Parteilinie.
Der Bergbau, wirtschaftliches Rückgrat des Landes, machte Rinehart zur Multimilliardärin. One Nation bestreitet den menschengemachten Klimawandel und will an der Kohleförderung festhalten. Das bringt Zuspruch im Landesinnern, wo die Schließung einer Kohlemine das »Sterben« einer ganzen Kleinstadt bedeuten kann. Das bringt Stimmen bei jenen, deren Job am Bergbau hängt. Dass Regierungen über Jahrzehnte den ländlichen Raum vernachlässigt haben, treibt die bitter Enttäuschten scharenweise zu den Rechten. In mehreren solchen Wahlkreisen könnte One Nation beim nächsten Mal sogar über 50 Prozent der Erststimmen holen, sagte Kos Samaras, Exstratege der Labor Party und nun Wahlforscher der Redbridge Group, am 18. Mai gegenüber dem öffentlich-rechtlichen SBS. Halten aktuelle Trends an, »dominiert One Nation bald den ländlichen Raum, Labor die Metropolen«, so seine Prognose.
Hanson war gerade in Großbritannien, traf sich bei der rechten CPAC-Konferenz mit Nigel Farage, dem Chef der britischen Schwesterpartei Reform UK, tauschte sich mit Rupert Lowe von der neuen Rechtspartei Restore Britain über Massendeportationen aus und gab dem Faschisten Tommy Robinson ein Interview. Darin bezog sie sich positiv auf die White-Australia-Politik, die bis in die 1970er nicht-weiße Einwanderung diskriminierte, gegen Asiaten hetzte und Indigene nicht als Bürger ansah. Ihr Vize Barnaby Joyce und ihr Sohn sind seither bemüht, das Statement als »Missverständnis« darzustellen, da es kleinere Umfrageeinbußen auslöste. Derweil demonstrierten Anfang Juli in Brisbane mehr als 1.000 Menschen gegen die ONP, wie Red Flag, die Zeitung der Socialist Alliance, berichtete. Der Protest in der Regionalhauptstadt Queenslands vereinte linke Aktivisten, Schüler und viele andere, um der rechten Hetze gegen Minderheiten ein sichtbares Zeichen entgegenzusetzen.
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