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Ausstellung

Nazismus im Allgäu

Eine Ausstellung in Sonthofen beleuchtet »Butter, Vieh, Vernichtung«

Foto: Anja Köhler für Cultura Kulturveranstaltungen e.V.
Wie eng ländlicher Alltag, Nazipropaganda und Naziverbrechen verknüpft waren, zeigt die Wanderausstellung »Butter, Vieh, Vernichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu«

Satte Weiden, Kuhglocken und Postkartenidylle. An diesem Bild für das Allgäu kratzt die Ausstellung »Butter, Vieh, Vernichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu«. Zu sehen ist sie noch bis zum 1. November im Alpenstadtmuseum in Sonthofen.

Die Sonderausstellung beleuchtet die Verflechtung von Landwirtschaft, Ernährungspolitik und Naziideologie in der Region im Südwesten Bayerns und in Baden-Württemberg. Sie zeigt, wie der Agrarsektor in die Kriegswirtschaft eingebunden wurde, welche Rolle bäuerliche Betriebe spielten und wie die rassistische »Blut-und-Boden«-Propaganda die ländliche Gesellschaft prägte. Bis nach Lindau am Bodensee, Kempten, Memmingen oder in die Voralpenstädte Sonthofen und Oberstdorf reichten Verfolgung und Vertreibung von jüdischen Landwirten und Gewerbetreibenden, ebenso wie KZ-Haft und Zwangsarbeit.

Konzeptionell gliedert sich die Ausstellung in fünf Themen. Sie sind dem Aufbau eines Dorfes nachgezeichnet: eine private Stube, ein Stall, landwirtschaftliche Produktion, ein Dorfplatz und Orte des faschistischen Terrors der Region. Dieser Aufbau zeigt unterschiedliche Facetten des Landlebens im Nazismus. In der Küche kochten die Frauen, in den Ställen waren nicht nur Kühe oder Schweine untergebracht, sondern auch Zwangsarbeiter, oftmals unter menschenunwürdigen Bedingungen. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs, als Millionen Söhne und Väter in der Wehrmacht kämpften, fehlten Arbeitskräfte, die flächendeckend durch Zwangsarbeiter ersetzt wurden. Das war vielleicht eine der persönlichsten Verquickungen mit dem Naziregime, schließlich lebten die Menschen auf den Höfen und wurden von den Landwirten selbst in die Arbeit »eingewiesen«, nicht von NSDAP oder SS.

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Interessant ist bei »Butter, Vieh, Vernichtung« der Perspektivwechsel. Es geht nicht um Berlin, die großen Stätten der Vernichtung im Osten, die großen Schlachten oder Konferenzen. Es ist der Blick von unten in den Alltag des bäuerlichen Teils der deutschen Bevölkerung. Auch nach der Befreiung vom Faschismus wurde der ländliche Raum gern als unpolitisch und fernab der großen Geschichte dargestellt. Diese Erzählung wird in der Ausstellung hinterfragt: Auch das beschauliche Allgäu war Teil des Staates und Ort der Zwangsarbeit, Vertreibung und Außenlager der großen KZ.

Ebenso überspannte ein Netz von kleinen und mittleren KZ das Allgäu. In Kempten gab es das KZ-Außenlager Kottern-Weidach mit bis zu tausend Häftlingen. Weitere Lager gab es unter anderem in Blaichach im Oberallgäu, in Kaufbeuren, in Oberstdorf-Birgsau, in Fischen (»Kommando Kottern«). Als besonders berüchtigt galt das KZ-Außenlager »Riederloh II« in Mauerstetten, wenige Kilometer östlich von Kaufbeuren. Der Arbeitseinsatz für etwa 1.300 Juden aus Ungarn und Polen erfolgte zwischen September 1944 und Anfang Januar 1945 in der Dynamit AG und bei einer Baufirma namens Josef Hebel GmbH & Co. KG. Mindestens 472 Häftlinge kamen zu Tode. Sie starben an Unterernährung und Erschöpfung oder wurden von dem grausamen SS-Lagerpersonal erschlagen, ertränkt, erschossen oder vergiftet.

Die Ausstellung war 2025 schon in Kempten zu sehen, in der Kälberhalle, einer früheren Tierzuchthalle. Dort befand sich während der Zeit des Hitlerfaschismus ebenfalls ein KZ-Außenlager. Mehr als 7.000 Besucher zählte die Ausstellung voriges Jahr, hinzu kamen Dutzende Schulklassen und weitere Gruppen. Nun macht »Butter, Vieh, Vernichtung« Station in Sonthofen. Das ist kein Zufall. Über der Stadt liegt die einstige »Ordensburg Sonthofen«, eine ab 1934 als Nazikaderschmiede errichtete Anlage. Heute beherbergt die Anlage eine Kaserne der Bundeswehr.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.09.2026, Seite 15, Antifaschismus

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