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»Zukunftspaket« von Porsche

Bei Porsche stinkt's

Sportwagenbauer vernichtet mittels »Zukunftspaket« weitere 5.000 Stellen in Region Stuttgart. IG Metall begrüßt »Standortsicherung« und pfeift aufs Klima

Foto: Marijan Murat/dpa
Misere deutscher Autobauer: Geringe Absatzzahlen bei E-Modellen, schwaches China-Geschäft, Trumps US-Zollpolitik

Die Zukunft bei Porsche stinkt nach Benzin. Ein echter Sportwagen muss röhren, nicht schnurren und hat gefälligst die Luft zu verpesten. Das jedenfalls findet die überwiegend männliche und wohlhabende Kundschaft des deutschen Autobauers und straft dessen Versuche, auf den Zug der Elektromobilität aufzuspringen, mit abnehmender Kauflust. Die Chefetage hat auf den sinkenden Absatz hierzulande, aber vor allem auch in China, wo Luxus-E-Autos inzwischen günstiger hergestellt werden, reagiert. Wie zuletzt der Spiegel berichtete, fährt das Unternehmen einen Strategiewechsel: Man wolle beim Bau von Stromern auf die Bremse treten und dafür wieder verstärkt »exklusive Flitzer mit Verbrennungsmotor« fertigen. Das Magazin zitierte einen »frustrierten« Entwickler: »Alles fühlt sich an, als hätten wir die Zeit zehn Jahre zurückgespult.«

Die Vergangenheit steht offenbar auch bei den Beschäftigtenvertretern hoch im Kurs. Am Montag stellte die VW-Tochter bei einer Betriebsversammlung im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen ein »Zukunftspaket« vor, das den Kurs der Marke bis ins Jahr 2035 abstecken soll. Nach den Plänen fallen weitere 5.000 Stellen in der Region dem Rotstift zum Opfer. Neben dem Hauptstandort ist auch das Entwicklungszentrum im nahegelegenen Weissach betroffen. Der personelle Aderlass soll »sozial verträglich« vonstatten gehen, mittels natürlicher Fluktuation, demographischer Effekte, Altersteilzeit und freiwilliger Aufhebungsverträge, wie es in einer Porsche-Mitteilung heißt. Die verbleibenden Mitarbeiter müssen auf Teile der aktuellen und künftiger Lohnerhöhungen verzichten, beim Weihnachtsgeld und bei Sonderzahlungen Abstriche hinnehmen und können künftig nur noch an acht statt bisher zwölf Tagen im Homeoffice arbeiten.

An den Verhandlungen waren neben Management und Betriebsräten auch die Industriegewerkschaft Metall (IGM) sowie der Unternehmerverband Südwestmetall beteiligt. Die Vereinbarung habe »Signalwirkung«, ließ sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Ibrahim Aslan, wiedergeben. »Keiner hätte es uns im Vorfeld zugetraut, dass wir ein Zukunftspaket bis Ende 2035 abschließen.« Kern der Vereinbarung sind die Verlängerung der Standortsicherung für die kommenden neun Jahre und Investitionen von rund 2,1 Milliarden Euro in die beiden Produktionsanlagen im Südwesten Deutschlands. Während in Zuffenhausen auch künftig die zweitürigen ­Sportboliden vom Band laufen sollen, soll Weissach Hauptentwicklungsstandort des Unternehmens bleiben.

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Das Bündel an Maßnahmen sei »gut für Porsche«, erklärte der neue Porsche-Boss Michael Leiters. Man lege damit das Fundament »unserer Strategie Sportwagenschmiede 35«. Jetzt gelte es, gemeinsam zu liefern: »Nur wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind, können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die nötige Sicherheit geben.« Um die ist es seit längerem schlecht bestellt. Schon zu Jahresanfang 2025 hatte das Unternehmen eine Kürzungsrunde auf den Weg gebracht, mit der 1.900 feste Stellen und 2.000 befristete Arbeitsverhältnisse bis 2029 aus der Region verschwinden werden. Dazu fallen Hunderte weitere Jobs im Leipziger Werk und bei Tochterfirmen weg. Insgesamt vernichtet der Autohersteller in den kommenden Jahren mehr als jede dritte Stelle in seinem Heimathafen im Stuttgarter Raum. 2024 gab es dort 22.200 Beschäftigte, weltweit waren es Ende 2025 knapp 42.000.

Die anhaltende deutsche Wirtschaftskrise, speziell die Misere der Autobauer – gezeichnet durch geringe Absatzzahlen bei E-Modellen, schwaches Chinageschäft, Donald Trumps erratische US-Zollpolitik – macht die Gewerkschaften hochgradig erpressbar. Ein sogenanntes Sparpaket folgt auf das nächste, »Standortsicherungen« haben kaum noch Verbindlichkeit, und ständig werden den Beschäftigten neue Opfer abverlangt. Bei der Porsche-Mutter Volkswagen sollen konzernübergreifend bis zu 100.000 Jobs abgebaut und mehrere Werke im Inland geschlossen werden. Ferner gibt es Überlegungen, ins boomende Rüstungsgeschäft einzusteigen.

Im Falle Porsches wird dann selbst eine in Sachen Klimaschutz verheerende Weichenstellung seitens der IG Metall als Zukunftsprojekt verklärt. »Die Vereinbarung schafft Perspektiven für die Beschäftigten und ist ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland«, äußerte sich Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte der IGM Stuttgart. Und Carsten Schumacher, Betriebsratschef in Weissach, betonte die Wichtigkeit, dass der Standort »auch in Zukunft Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung unserer emotionalen Sportwagen ist«.

Porsche-Frontmann Leiters feuchter Traum ist ein Upgrade des 911ers namens »S1« mit einem Achtzylinder-Boxermotor zu Kosten von 500.000 Euro. Das Protzgefährt soll frühestens 2031 zum Verkaufsschlager werden, zu Kosten von einer halben Million Euro. Der einfache Porsche-Arbeiter kann schon mal zu sparen anfangen. Tarifbeschäftigte sollen laut Vereinbarung eine einmalige »Transformationsprämie« über 1.500 Euro erhalten. Denen von der IG Metall winken sogar 1.911 Euro. Das überzeugt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.07.2026, Seite 5, Inland

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