Kindergarten des Tages: UN-Sicherheitsrat
Eigentlich sollte es vergangene Woche bei der UN-Generalversammlung nur darum gehen, das Mandat des UN-Menschenrechtskommissars Volker Türk um vier Jahre zu verlängern. Eigentlich. Denn was eine reine Formalität hätte sein können, entwickelte sich schnell zu einer mittelschweren diplomatischen Krise im UN-Sicherheitsrat zwischen den zwei permanenten Mitgliedern Frankreich und USA.
Die Vereinigten Staaten hatten am Freitag zusammen mit neun anderen Staaten gegen eine Verlängerung von Türks Amtszeit gestimmt. Alles so weit, so unspektakulär, wären unter jenen neun Staaten nicht die nationgewordenen Antithesen zur westlichen Hegemonie, Russland und die Demokratische Volksrepublik Korea. Donald Trump hätte die gemeinsame Abstimmung mit Pjöngjang wahrscheinlich als Schulterschluss mit dem Kommunismus bezeichnet, hätte ein anderes Land so votiert wie Washington. Statt dessen hat Frankreich sich auf X eingemischt: »Die USA waren einst ein Leuchtfeuer der Menschenrechte. Aber nicht mehr. Heute stehen sie isoliert an der Seite von Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland.«
Wann genau die Franzosen jemals das »Leuchtfeuer der Menschenrechte« in den USA entdeckt haben, ist schleierhaft. Die US-Delegierten jedenfalls waren ziemlich pikiert und haben am Montag im Sicherheitsrat zurückgeschossen. Die Franzosen würden moralische Empörung heucheln und »verlogene Effekthascherei« betreiben. Bei der anschließenden Rede des französischen Botschafters Jérôme Bonnafont verließen die US-Amerikaner selbst »effekthaschend« die Sitzung. Sie würden das nun immer tun, sollte Frankreich nicht von »respektloser Rhetorik« absehen.
Türk darf übrigens UN-Menschenrechtskommissar bleiben und wird in diesem Amt weiterhin den USA und Israel auf die Füße treten. Davon hat das Drama erfolgreich abgelenkt.
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