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Klimakollaps in Europa

Warme Wasser sind flach

Europa: Infernos und Hitzetote zeigen Klimakrise an, die greift aber noch viel tiefer

Foto: Umit Bektas/Reuters
Waldbrände sind erst der Anfang der Katastrophe, die verharmlosend Klimawandel genannt wird (Zamora, 29.7.2026)

Griechenland brennt. Spanien brennt. Frankreich brennt. Laut UNO loderten seit Jahresbeginn europaweit auf etwa 250.000 Hektar Flammen – das entspricht der Fläche des Saarlands. In Deutschland schlug Bild am Donnerstag »Smogalarm« und warnte vor »hoher Waldbrandgefahr« aufgrund einer weiteren Hitzewelle. Das Robert-Koch-Institut teilte mit, dass 2026 bis Mitte Juli fast 10.000 Menschen den extremen Temperaturen erlegen seien. Solche Schreckensmeldungen häufen sich und lassen vermuten: Die Klimakatastrophe ist da. Auf deren reales Ausmaß verstellen sie mitunter den Blick. Mit Feuerwehrleuten und Wassersprinklern allein kann nur ein Bruchteil der Klimafolgen abgemindert werden.

»Faktisch« seien der Oberrhein und der Main vom Handelszentrum Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen (ARA) »abgeschnitten«, teilte der Informationsdienst Argus Media am Mittwoch mit. Die Wassertiefe an der Engstelle Kaub habe »die kritische Marke von 0,3 Meter« unterschritten. Ein »Großteil der Binnenschiffe« könne nicht mehr passieren. Mit einem »historischen Tief«, das auch die Raffinerie Gelsenkirchen abzuschneiden drohe, rechne man in Duisburg. Die Frachtraten für Transporte von ARA in die entsprechenden Regionen lägen »auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Argus-Notierungen 2012«. In der Rheinischen Post bezeichnete die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 80/Die Grünen) den Fluss treffend als »Lebensader« und warnte, »jede und jeder« müsse sich »leider auf die Folgen des Klimawandels einstellen«.

Mit derlei Mehrkosten, die zu Lieferengpässen führen könnten, hat indes nicht nur das rheinische Kapital zu kämpfen. Eine Übersicht lieferte gleichentags Euronews. Demnach habe das ungarische Bau- und Verkehrsministerium diese Woche die meisten Frachtschiffe auf dem dortigen Donauabschnitt gestoppt. Nur 20 Prozent der üblichen Fracht könnten verschifft werden. Ferner habe das Atomkraftwerk Paks mangels Kühlwasser erstmals einen gesamten Block stilllegen müssen und arbeite nunmehr mit 60 Prozent seiner Kapazität auf Sparflamme. Mit dem »sehr niedrigen, beispiellosen« Pegel der Donau begründete auch der rumänische Atomstromerzeuger Nuclearelectrica seine Entscheidung, den Betrieb des Reaktors Cernavodă einzustellen.

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Dieser Angebotsminderung steht eine erhöhte Nachfrage gegenüber. Da Haushalte und Betriebe zwecks Abkühlung verstärkt auf Klimaanlagen zurückgriffen, prognostizierte Bloomberg schon am Dienstag Preise von bis zu 500 Euro pro Megawattstunde, etwa in Frankreich, das viel Strom aus Atomkraft zieht. Gegenwärtig werden dafür zwischen 100 und 120 Euro fällig. Um horrenden Preissprüngen vorzubeugen, setzen die betroffenen Staaten auf umgekehrte Energiesubstitution. Dass die Allokation der fossilen Brennstoffe ohne Weiteres gelingt, darf angesichts des dürftigen Wasserstands vieler europäischer Flüsse allerdings bezweifelt werden.

Sinnfällig brenzlig sind die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. Am Dienstag korrigierte die EU-Kommission in ihrem jüngsten MARS-Bericht (Monitoring Agricultural Resources) nach unten. Die Winterkulturerträge 2026 dürften demnach vier Prozent kleiner ausfallen als erwartet und die Getreideernte somit ein Prozent unter dem Fünfjahresschnitt liegen. Bei den Sommerkulturen sei wegen der »Erschöpfung der Bodenfeuchtigkeit« mit Rückgängen von bis zu sieben Prozent zu rechnen. Die Kommission erwartet, »dass die heißen sowie trockenen Bedingungen in Westeuropa anhalten und die Wahrscheinlichkeit weiterer Ertragseinbußen steigt«.

An das absehbare Resultat dieser Entwicklungen erinnerte CNBC am Donnerstag: Vergangenen Sommer hätten Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen die EU-Wirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft. Schon 2029 könnten sich die Produktivitätsverluste aufgrund von Störungen in den Lieferketten und Einbußen bei den Tourismuseinnahmen auf 0,8 Prozent belaufen. Auch wer weit und breit nichts Brennbares erblicken kann, zu keiner der Risikogruppen zählt und einen klimatisierten Arbeitsplatz hat, muss sich auf Klimaschäden einstellen – vielleicht sogar auf einen Klimakollaps.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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