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WM-Kolumne

Love

Foto: IMAGO/Depositphotos
Fast so schön wie Argentinien: Mitteleschenbach

»Wenn man sich mal Zeit gewinnen lassen will« (Mats Hummels), also für sich mal Zeit gewinnen lassen möchte für Free-time-Spending (Freizeitverbringung), lässt man sich am Nachmittag vor dem Finale von Brigitte und Lerd abholen und nach Mitteleschenbach chauffieren, da Mitteleschenbach einen extraordinären Ruf genießt.

Regelmäßig unterrichten sie mich am Stammtisch über Mitteleschenbach und warnen eindringlich vor einem Besuch des höllischen Ortes. In Mitteleschenbach hausten ausnahmslos finstere Gesellen, Barbaren, Inzest, der die Brutalität ins Unermessliche gesteigert habe, werde inbrünstig tradiert.

Die Mitteleschenbacher seien uralte Hunnen, die Napoleon oder wer in Mittelfranken abgeladen habe. Seither herrschten in Mitteleschenbach die ungeheuersten Sitten. Sage man als Auswärtiger in der Gastwirtschaft ein unpassendes Wort oder mache einer Mitteleschenbacherin ein schickliches Kompliment, sehe man sich unverzüglich zusammengehauen und auf die Straße geworfen.

Bei Fußballspielen sei es üblich, dass die »Schebberer«, wie man sie bei uns ängstlich nennt, im Falle einer Niederlage zuerst den Schiedsrichter und dann die Anhänger des Gegners nach Strich und Faden kaputtprügeln. Ich solle mich mithin hüten, einen Fuß auf Mitteleschenbacher Pflaster zu setzen.

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Brigitte, die schöne Frau und Lerd wollten das jedoch überprüfen. Die Kneipe war zu, und es fand ein winziges »Gänswosnfest« statt. Ruhe, Abgeschlafftheit.

Wir cruisten nach Sauernheim und stärkten uns im Gasthaus zur Eiche. Das von André versprochene »Endspielbuffet« im Seven Bistro würde eh ins Wasser fallen.

Ich bin nie für Spanien gewesen. Egon Friedells »Kulturgeschichte der Neuzeit« (1927–1931) hat mich in der Spanien-Sache imprägniert. Das war jetzt allerdings nebensächlich. Die ritterlichen, beherrschten »Iberer« (Oliver Schmidt, Gaucho-Fanboy) wehrten sich geschickt und beherzt gegen die verbrecherischen Argentinier, diese kriegerischen Straßenschläger, diese rattenlinienhafte Sautruppe, gegen den ästhetisch-moralischen Unflat, gegen die Mitteleschenbacher aus Südamerika.

Die WM? Spielerisch gut. Die Schiedsrichter? Eine Zumutung. Der VAR? Absurd. Hinfort mit ihm.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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