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Vertrauen in die Revolution
Fiesta de Solidaridad: Solidarisch feiern trotz dramatischer Lage in Kuba. Ehrliche Worte der Botschafterin
Schon von weitem schallen kubanische Rhythmen durch die Parkaue Lichtenberg in Berlin. Kinder hopsen kreischend auf einer Hüpfburg. Mit Mojitos und Bier wird angestoßen. Laut Veranstaltern tummelten sich am Sonnabend mehr als 3.000 Besucher auf der Fiesta de Solidaridad, dem größten Solidaritätsfest für Kuba in Europa. Dieses Jahr feiert der Bundesarbeitskreis Cuba Sí sein 35jähriges Bestehen und den 100. Geburtstag Fidel Castros im August.
Bekannte umarmen einander freudig, doch im Gespräch werden die Mienen ernst. Die Lage in Kuba ist dramatisch. Applaus wallt dann auf, wenn von Kubas Erfolgen, der Verteidigung der Revolution und Errungenschaften der solidarischen Bewegung die Rede ist.
Das Podium mit der kubanischen Botschafterin in der Bundesrepublik, Juana Martínez González, und der Parteivorsitzenden von Die Linke, Ines Schwerdtner, ist gut besucht, die Bierbänke vor der Bühne sind brechend voll. Martínez González erklärt zunächst die schwierige Lage auf Kuba. Sie sei extrem, so komplex und gefährlich wie nie zuvor für das kubanische Volk. Jeden Tag trotzten die Kubaner den imperialistischen Angriffen, allen voran denen der USA, doch erlebe sie den Mut und den Willen der Menschen, eine sichere und soziale Zukunft für die Karibikinsel zu schaffen. »Diese kleine Insel hat es geschafft, die Errungenschaften der Revolution, unsere Souveränität und unsere Unabhängigkeit über 67 Jahre hinaus zu erhalten.« Viele Menschen auf der ganzen Welt, hätten Vertrauen in das soziale Projekt Kubas, »und es ist unsere Verantwortung, dieses Vertrauen nicht zu zerstören«, sagt sie kämpferisch. Die Zuhörer klatschen.
»Wie nie zuvor« habe sich mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump die Lage in Kuba verändert. »Zuerst haben sie uns in eine Liste von Terrorunterstützern aufgenommen, nun blockieren sie jegliche Lieferung von Kraftstoffen auf die Insel, selbst als humanitäre Hilfe wird verhindert.« Die USA hätten faktisch eine Seeblockade gegen Kuba verhängt – eine als kriegerischer Akt einzuschätzende Aktion. »Sie haben uns nicht offiziell den Krieg erklärt, aber sie führen ihn praktisch schon längst gegen uns«, so die Botschafterin. »Dieser Krieg verursacht unbeschreibliche Zerstörungen, die sozialer und wirtschaftlicher Natur sind.«
Um der Erdrosselung der USA zu begegnen, hat die sozialistische Inselrepublik weitreichende Reformen beschlossen, die nun auch den Finanzmärkten ermöglichen sollen, in Kuba zu investieren. Ob dadurch nicht auch etwas Souveränität des Landes auf dem Spiel stehe, fragt Jörg Brückmann von Cuba Sí. Es seien freilich weitreichende und »auch schmerzhafte Maßnahmen«, räumte Martínez González ein. »Doch sie sind notwendig, um unsere Nation, unsere Souveränität zu schützen.« Die Schritte seien bei den landesweiten Debatten zur neuen kubanischen Verfassung 2019 diskutiert und entwickelt worden, jetzt sei es nötig geworden, sie umzusetzen.
»Der Sozialismus ist ein Projekt, das sich täglich anpassen und weiterentwickeln muss. Sein Prinzip ist die Dialektik. Nun zwingen uns die aktuellen Umstände, Maßnahmen zu ergreifen, die ihn in Frage stellen, damit wir seine Errungenschaften und dieses soziale, souveräne Projekt erhalten können.« Ehrliche Worte der Botschafterin.
Die Linke stehe »bedingungslos« an der Seite Kubas, sagt Parteivorsitzende Ines Schwerdtner. Die Parteispitze habe sich im Januar und im Juni entschieden, den Protest auch auf die Straße zu tragen, man werde der Bundesregierung »auch im Parlament weiter Druck machen«, damit diese anerkenne, »dass es ein stummer Krieg ist, dass es ein Bruch des Völkerrechts ist«. Die Regierung müsse sofort humanitäre Hilfe nach Kuba schicken, so Schwerdtner.
Kulturprogramm: Die Sängerin und Musikpädagogin Mariela Santana aus Havanna übernimmt die Bühne. Auch der berühmte kubanische Musiker Tony Ávila erfreut die Fiesta-Besucher mit seinem Gesang. Auf Deutsch singt der in der DDR geborene Künstler Tino Eisbrenner.
An 44 Ständen finden die Besucher Informationen zu Kuba, Bücher, Essen und Getränke, Spiele und Spendenmöglichkeiten. Neben dem Stand der jungen Welt strahlt der stellvertretende Botschafter, Miguel Torres Tesoro. »Ich bin schon zum dritten Mal hier auf dem Fest, und es ist immer wieder eine Überraschung, so viele Menschen zu sehen, die sich für ein kleines karibisches Land interessieren«, sagte Torres Tesoro gegenüber jW. Allein durch ihre Anwesenheit setzten die Menschen ein politisches Zeichen für eine bessere Welt und unterstützten natürlich auch »das Projekt Kubas«.
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