Ecuador weist Kubas Botschafter aus
Von Volker Hermsdorf
Ecuadors Präsident Daniel Noboa richtet seine Außenpolitik zunehmend an Washington aus. Drei Tage vor einem von Donald Trump für den Sonnabend in Miami einberufenen Treffen rechter Staats- und Regierungschefs einiger lateinamerikanischer Länder brach Noboas Regierung faktisch die Beziehungen zu Havanna ab. Der Bananenunternehmer ließ am Mittwoch Kubas Botschafter sowie das gesamte diplomatische Personal ausweisen und gab ihnen 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. Soldaten zogen vor der kubanischen Botschaft in Quito auf. Zeitgleich wurde der eigene Vertreter aus Havanna abberufen.
Die linke Oppositionspartei Revolución Ciudadana des Expräsidenten Rafael Correa bezeichnete den Schritt als »beschämende und unterwürfige Anbiederung an Trump«. Auch die indigene Dachorganisation Conaie sprach von einem »ungerechtfertigten Akt diplomatischer Konfrontation«, der die Unterordnung unter die geopolitische Agenda Washingtons offenbare. Correa selbst nannte Noboa einen »Taugenichts«, der nicht nur Ecuador, sondern auch dem Projekt der lateinamerikanischen Integration schade.
Die Ausweisungen fallen mit einer weiteren militärischen Annäherung an die USA zusammen. Am Dienstag hatten Washington und Quito »gemeinsame Operationen gegen die organisierte Kriminalität« auf ecuadorianischem Boden gestartet. Laut US-Militär »ein starkes Zeichen der Partnerschaft«. Kritiker warnen dagegen vor einer Rückkehr zu historischen Abhängigkeiten nach dem Muster des »Plan Colombia« und einer zunehmenden Militarisierung des öffentlichen Lebens. Tatsächlich hat das Regime parallel die innenpolitische Repression verschärft und verhängte am Montag in mehreren Küstenprovinzen eine neue Ausgangssperre.
Noboas Kurs isoliert Ecuador zunehmend in der Region. Nach dem Sturm auf die mexikanische Botschaft und der Verschleppung von Exvizepräsident Jorge Glas, dem dort Asyl gewährt worden war, sind nun auch die Beziehungen zu Kuba auf den Nullpunkt abgesunken. Havannas Außenminister Bruno Rodríguez verurteilte die Entscheidung als »einen beispiellosen Akt, der die historische Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern erheblich beschädigt«. Es sei »kein Zufall«, dass der Affront mit der Ölblockade Washingtons gegen die Insel zusammenfalle.
Während Trumps rechter Minigipfel in Miami den Druck auf Havanna nochmals verschärfen soll, leidet Kuba unter den Folgen der US-Aggression. Ein erneuter Zusammenbruch des Stromnetzes brachte am Mittwoch Dunkelheit über weite Teile des Landes. Sechs Millionen Menschen waren stundenlang ohne Strom. Die Ursache: eine Panne im wichtigsten Kraftwerk des Landes, verschärft durch die anhaltende US-Treibstoffblockade.
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