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Der Switch. Jürgen Klopp und alle anderen
Freund Stefan Gärtner, dem Jürgen Klopps zwanghaftes Zähnefletschen früh als Signum eines speziellen Sozialcharakters aus der »Duz- und Badelatschenwelt« aufgefallen war, hat’s an dieser Stelle am Sonnabend erwähnt. Ja, ich halte den Mann für eine Art Sektenführer, der wie ein Kind redet. Dafür habe ich vor sechs Jahren – nach dem jW-Gespräch zwischen Stefan und mir – von Klopps linken Fans einen übergebraten gekriegt, und so gehört sich das. Ich bin alleweil dafür, in Diskussionen oder meinethalben Debatten »Dampf aufzumachen« (Heino Jaeger). Speaker’s Corner, unbedingte Meinungsfreiheit à l’américaine, das behagt mir.
Während der schon heute hochvermutlich historischen Pressekonferenz mit oder von Jürgen Klopp, am Freitag im Bunker des DFB-Behemoth, unternahm der neue Nationalcoach folgerichtig die von ihm bekannten modisch-flapsigen rhetorischen Anstrengungen, seine Ideen als Konzept- oder Pakettrainer, der in »langen Wellen« (Ernest Mandel) denkt, darzulegen. Er möchte, »dass wir alles aufs nächste Level stellen«. – »Wir müssen den Spagat schaffen zwischen Entwicklung und Performen, was auch immer das bedeutet«, vielleicht, Liechtenstein demnächst 1:0 zu schlagen. »Jeder Mensch muss von Zeit zu Zeit gechallenged werden.« Oder – gar nicht so übel: »Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung.«
Der Kicker nannte Klopps »Performance« »energetisch und ungefiltert«. Im Podcast »Kicker Daily« quallte es: »Er ist jetzt der Go-to-Guy«, der »den Switch vom Vereinstrainer zum Verbandstrainer« packen muss. Heiliger Strohsack.
Klopp wirkte grimmig, überdreht, angespannt, fahrig, seine Sätze brachen pausenlos ab (unter uns: die Figur des Anakoluths), und über seinen Ausführungen schwirrten die Wörter »alle« und »wir«. Im schnoddrigen und zugleich naturgemäß salbungsvollen Ton des Priesters und Volkspsychiaters forderte er die Sportknalljournaille dazu auf, sich »auf einen gemeinsamen Weg einzuschwören« und einen »Auftrag zu erfüllen«, um zugleich – Klopp gleich Trump? – den Gerüchtegeiern, »die dann in den Krümeln auch ein bisschen wühlen«, »giftelnd« (Tages-Anzeiger) zu drohen: Benehmten sie sich daneben, sei er weg, »ums klarzumachen«, und zwar »ohne Abfindung«.
Ein freiheitsorientierter Mensch enthält sich dergleichen Einschüchterungsgesten (»Das ist eure Aufgabe, dass ihr nicht ständig missversteht«) strikt. Andererseits gefiel es mir, dass Klopp in seiner schelmischen Wurschteligkeit den Presseseln einen vor den Latz knallte.
Ich muss mich also ein wenig korrigieren. Ambiguitätstoleranz steht einem nicht schlecht zu Gesicht. Sosehr er zur Gemeindebildung aufrief, so gewinnend dünkt mir sein Realismus und seine Begabung zur Ironie (»Ich hab’ jetzt nicht achthundert Trainingseinheiten vorbereitet und stelle fest, dass die letzte kann ich erst 2078 machen«), und sowieso ist er mein Frankfurter Quartiersgenosse. Jürgen Klopp lebte im Gallusviertel und bolzte für Rot-Weiss Frankfurt.
Einigen wir uns mit Stephanie Müller-Spirra (ARD) darauf: »Die Augen werden auf ihn schauen.«
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Herbert Gerusch 28. Juli 2026 um 21:18 UhrHallo, hierzu erst ’mal nur dieses Zitat von Herrn Klopp (nach https://www.t-online.de/sport/fussball/nationalmannschaft-deutschland/id_101355188/dfb-juergen-klopp-wird-bei-erster-pk-deutlich-dann-bin-ich-weg-.html): »Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle: Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister – dann fühlt sich das zum einen richtig gut an, weil ich bei solchen Sachen eine gute Vorstellungskraft habe. Und wenn wir das alle so machen würden, dann bin ich mir sicher: Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arsch, oder das Wetter wäre nicht so schlecht, oder Friedrich Merz würde nicht alles falsch machen, obwohl er versucht, alles richtig zu machen. Das ist das, was Fußball verändern kann.« Nun denn, auf geht's! Wobei Merz in vier Jahren sicher kein Kanzler mehr sein wird, aber Watzke aus dem Hintergrund vielleicht ein wenig Rheinmetall ins deutsche Spiel gebracht haben wird … Mit sportlichem Gruß Herbert Gerusch
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