- → Sport
Erbaulich
Gras
Ich hatte geplant, diesen Glossenschamott nur mit zwei, drei Fanfaren abzurunden. Der Koch Günther hatte mir über die Wochen mehrere Päckchen mit Artikeln aus der SZ geschickt, und mit jeder Lieferung wuchs meine Wut auf diese wahrnehmungsgestörte Bagage, auf das publizierende Pack, das den Planeten verpestet und alles in den Dreck der heruntergereichten Konformität hineinformuliert. Wie halten die Münchner Schnösel das aus, jeden Tag im immer gleichen pseudosouveränen Sound den immer gleichen Bescheidwisserriemen aufzuspannen?
Zornig machte mich auch, dass die Chefetage des bei aller sprachlichen Verluderung partiell noch schätzenswerten Deutschlandfunks beschlossen hat, ebendiesen ab Dezember durch die Abschaffung von Kultur- und Wissenschaftssendungen und das gar zu neue Konzept der »Durchhörbarkeit« zu versenken. »Mit an Sicherheit grenzender Höchstwahrscheinlichkeit« (SZ) ist damit das öffentlich-rechtliche System, das »sich immer zur Mitte tendiert« (Philipp Sohmer), komplett am Arsch.
Ebensowenig »kreative Freude« (Oliver Schmidt) hatten mir die selbstgefälligen Klamaukbrüder Thomas Müller und Jürgen Klopp bereitet (»Ergebnis machen«, »wenn sie den Körper setzen«, um »die Räume zu finden mit ’ner Beschleunigung«). Und ununterbrochen die »Schnittstellen«, die »Abschlusshandlungen«, die »Statik«, das »Durchverteidigen«, die »abwartenden Blöcke«! O Last, o Missmut.
Am Samstag entfaltete sich dann aber im Seven Bistro eine erbauliche Unterhaltung über Tattoos, »die aus dem letzten bedeckten Körperteil hervorkriechen« (Peter Dausend, Die Zeit). Die Haut wurde zur Leinwand. Der Italo-Pole, der verlässlich Wodka-Cola trinkt, servierte die Kadenz: »Es reicht, dass du ein Mensch bist. Als Mensch bist du genug.«
Und die anschließende Auseinandersetzung um den dritten Platz war bekanntlich und »keineszweifels« (Christina Graf) ein Riesenvergnügen – Kirmesfußball, Scheibenschießen, Büchsenwerfen, Freikegeln, ein Comic in bewegten Bildern, genaugenommen: Eishockey.
Der Ungar sagte, das sei wie Aserbaidschan gegen San Marino. Der schlimme Kommentator Straßburger verkündete: »Frankreich in den blauen Trikots.« Thomas, der Taxifahrer: »Des woar vorher auch scho’ so.«
Straßburger detektierte ein »Mentalitätstempo«, denn »in jedem dieser Pässe steht geschrieben: Wir machen das vierte Tor«. Lerd: »Mit mei’m Mendalidädsdembo schaut’s ganz schlecht aus. Aber entscheidend is’ amol der Ertrag, wo’s do is’«, und sei es Spalter Spitzenpils.
Heißt: »In der Endkonsequenz« (Tabea Kemme) »ist es am Ende immer ein Ergebnisspiel« (Lea Wagner). Das merken!
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
