Überlastete Studierende
Wohnkosten verschärfen soziale Ungleichheit
Wer studieren will und keine reichen Eltern hat, braucht entweder ein auskömmliches Stipendium oder muss nebenher arbeiten. BAföG allein reicht heutzutage nicht mehr aus. Das Problem: Je mehr die Lebenshaltungskosten steigen, um so mehr muss man arbeiten und desto weniger Zeit hat man zum lernen. Ein WG-Zimmer für 150 Euro im Monat wie noch vor 20 Jahren ist heutzutage nirgends mehr zu bekommen. Staatlich geförderte Studierendenwohnheime eingeschlossen.
Im Gegenteil: Im Durchschnitt wenden Studenten inzwischen 54 Prozent ihres Haushaltseinkommens fürs Wohnen auf. In der Gesamtbevölkerung liegt der Schnitt statistisch gesehen bei 24 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch meldete. Und noch etwas ist auffällig in der Statistik aus Wiesbaden. Quasi alle Studenten mit eigener Haushaltsführung arbeiten nebenher, aber keiner bestreitet seinen Unterhalt allein aus der Lohnarbeit. 29 Prozent ihrer Einkünfte im letzten Jahr machten private Unterstützung aus, zum Beispiel von Angehörigen. Aber nur 14 Prozent waren BAföG-Leistungen oder Stipendien.
Die Zahlen bestätigen einerseits die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich an den Universitäten. Wer in Deutschland einen Hochschulabschluss bekommt, hängt vom Geldbeutel der Eltern ab. Das war in der BRD immer schon so und verschärft sich gerade wieder. Insbesondere auch wegen der Wohnkosten. Die Zahlen helfen aber andererseits – und damit zusammenhängend – einen weiteren Befund zu erklären: Die Studierendenzahlen bleiben ungefähr konstant bei 2,9 Millionen, aber nur deshalb, weil die Zahl der Gaststudenten und Studienanfänger aus dem Ausland steigt. Das heißt im Umkehrschluss, die Zahl der Studierenden hierzulande geht zurück. Demographie ist ein beliebter Erklärungsfaktor. Aber eine Debatte darum bleibt diesmal aus. Die Frage ist nun: Warum? Zum einen vermutlich, weil die Nachfrage ja weiterhin da ist. Zur Antwort dürfte aber auch gehören, dass der Kreis der Studierenden exklusiver wird. Und das finden die meisten im Hochschulsystem vermutlich sogar ganz gut.
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