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Mehr als Wetter

Foto: Reichwein/IMAGO
Die Flutkatastrophe riss Löcher in ganze Wohngebiete wie hier in NRW (Erftstadt-Blessem, 16.7.2021)

Wer sich schon mal mit der Konstruktion möglichst zukunftsfester Städte befasst hat, und sei es nur am Modell oder in einer Simulation, der dürfte angesichts der »Lehre« nach fünf Jahren Ahrtalflutkatastrophe nur noch Kopfschütteln übrig haben. Wenn etwas laut danach schreit, umgehend Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, damit sich so etwas wie in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 nicht wiederholen kann, dann sind es die für immer verstummten 135 toten Bewohner des Ahrtals.

Aber was so ein richtig reaktionärer Hofberichterstatter ist, der findet auch hier noch den Spin, um den »grünen Alarmisten« einen mitzugeben. So befindet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom Mittwoch: »Es hat etwas Zynisches, wenn nach Naturkatastrophen wie dieser, um Schuldgefühle zu wecken, dazu aufgerufen wird, nun aber noch rigoroser dafür zu kämpfen, dass in zwanzig Jahren in Deutschland klimaneutrale Zustände herrschen.« Schließlich wäre »den Leuten im Ahrtal« – also vermutlich den noch lebenden – »oder irgendwo sonst, wo sich die Natur im Zeichen des Klimawandels gegen den Menschen wendet«, laut FAZ gar nicht damit geholfen, als BRD den nationalen Beitrag zur Dämpfung der industriell beschleunigten Erdaufheizung zu leisten. Nationale Klimaziele, geschweige denn deren Erreichen, könnten »im besten Fall Schlimmeres verhüten«, aber eine weitere Flut nicht. So weit noch ein Argument. Nur will die FAZ strategische Klimapolitik gegen kurzfristige Infrastrukturmaßnahmen ausspielen: »Eine von Alarmismus getriebene Klimapolitik, die glaubt, weit in die Zukunft planen und dirigieren zu können, raubt der Gegenwart die Mittel, den Mut und die Möglichkeiten, um vernünftige Vorsorge zu treffen«, empört sich das Blatt künstlich darüber, dass noch keine Rückhaltebecken für künftige Hochwasser gebaut wurden. Von denen brauche es »mindestens 17«, um das Ahrtal vor einer Flut wie 2021 zu schützen, erklärte die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch. »Gebaut ist davon bisher keines.« Allerdings nicht aus ideologischen Gründen, sondern »weil das Geld fehlt«. Richtiger: weil der Staat das lieber der Rüstungsindustrie in den Rachen wirft.

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»Es war eben nicht nur Wetter«, erklärte die HR-Klimaredaktion in den ARD-»Tagesthemen« am Mittwoch abend kindgerecht, was sich vor fünf Jahren am Himmel zusammengebraut hatte. »Das Recht auf ein Dach über dem Kopf, auf Leben, auf Gesundheit: Der Klimawandel setzt Menschenrechte außer Kraft.« Es sei notwendig, Menschen schneller zu warnen, aber das reiche nicht. »Konsequenter Klimaschutz« hieße, Privathaushalte eben nicht dazu zu ermutigen, »Gas, Öl und Kohle zu verbrennen«, also »Selbstmord« zu begehen. (mb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.07.2026, Seite 2, Ansichten

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