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Fußball

Ein verlorenes Fest

Die ostdeutschen Viertligisten präsentierten sich in der ersten DFB-Pokalrunde

Foto: Picture Point/IMAGO
Einer liegt, einer fliegt: Emilio Munser von FC Carl Zeiss Jena (oben) und der Darmstädter Kai Klefisch (Jena, 23.8.2026)

Auslosung und Ansetzung lassen gleich zwei spannende DFB-Pokalbegegnungen an aufeinanderfolgenden Tagen in den Saalestädten Jena und Halle stattfinden: gegen SV Darmstadt 98 und FC Schalke 04. Das malerisch am Fuße der Kernberge im Jenaer Paradies gelegene Ernst-Abbe-Sportfeld ist aus der Nähe von Leipzig am Sonntag in nur einer Autostunde zu erreichen. Am 24. August 1924 errichtet, trägt das Stadion den Namen des berühmten Optikers und Physikers und bietet einen traumhaften Panoramablick auf das Bergmassiv. 13.296 Zuschauer bilden eine phantastische Kulisse im ehrwürdigen Rund, wo am 1. Oktober 1980 der AS Rom nach 0:3 im Hinspiel mit 4:0 aus dem Europapokal geworfen wurde. Bei schönem Fußballwetter ist alles hervorragend organisiert, die Ehrenamtlichen bereiten einen freundlichen Empfang.

Der gastgebende Europapokalfinalist von 1981 legt los wie die Feuerwehr und verzeichnet in den ersten zehn Spielminuten vier veritable Chancen. Die hochkarätigste bietet sich dem 18jährigen Emilio Munser in der sechsten Minute, als er aus zehn Metern Entfernung nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbeischießt. Weiter geht es im Minutentakt: Kevin Lankford scheitert aus zwölf Metern an Marcel Schuhen (7.). Manassé Eshele vergibt unkonzentriert (8.). Elias Löder trifft das Leder aus aussichtsreicher Position von der Strafraumgrenze nicht richtig (9.).

Wie so oft rächt sich das Auslassen bester Chancen, wofür die niederländischen Neuzugänge der Gäste sorgen. Aus dem Nichts fällt das 0:1. Nach elf Minuten passt Lance Duijvestijn auf Milan Smit, der aus 25 Metern ins linke untere Eck trifft. Damit ist der Spielverlauf auf den Kopf gestellt, und die Angangsoffensive der Jenenser erhält einen Dämpfer. Der FCC hat den Schock noch nicht verdaut, als Manolo Merx nach Vorlage von Carlo Sickinger das 2:0 auf dem Fuß hat. Doch er hebt das Leder aus 14 Metern über Liesegang und das Gehäuse hinweg (14.). Die Hessen bleiben am Drücker. Liesegang rettet in letzter Sekunde wagemutig vor dem durchgebrochenen Smit (25.). Dann pariert der Jenaer Keeper in höchster Not bravourös gegen Lance Dujvestijn (35.). Noch in derselben Minute ist er gegen Patric Pfeiffers Schuss erneut zur Stelle. In der 36. Minute klärt Nils Butzen einen Kopfball von Aleksander Vukotic erst auf der Linie.

Mitten in die Drangperiode der Gäste trifft Elias Löder in der 39. Minute überraschend mit einer herrlichen Bogenlampe aus 35 Metern zum 1:1. Doch nur 37 Sekunden nach dem Anstoß bewahrheitet sich ein weiteres Mal, dass man unmittelbar nach einem eigenen Tor am verwundbarsten ist: Duijvestijn schießt aus fünf Metern aus halblinker Position ein (41.). Nach Wiederanpfiff kommen nur wenige Strafraumszenen zustande. Einen Kopfball von Lankford aus 15 Metern hält Schuhen sicher (61.). Die Riesenchance auf den Ausgleich vergibt Tristan Teuber nach Eingabe von Timon Burmeister von rechts – aus fünf Metern streicht das Spielgerät knapp links vorbei (80.). Der Zweitligist verbucht in der zweiten Halbzeit keine Torchance und zieht mit dem schmeichelhaften 2:1 in die zweite Runde ein.

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Am Montag abend geht es in das nur 30 Autominuten entfernte Leuna-Chemie-Stadion in Halle, wo der HFC dem Bundesligaaufsteiger FC Schalke 04 einen packenden Kampf liefert. Die Flutlichtbegegnung ist mit 14.000 Zuschauern ausverkauft und wird live in der ARD übertragen. Ironie des Schicksals: Vor einem Jahr hatte S04 beim 1. FC Lokomotive Leipzig, Bruderklub des HFC, äußerst mühevoll mit 1:0 nach Verlängerung gewonnen. Viele Lok-Fans skandieren heute »Chemie Halle« und hoffen auf Revanche.

Schon nach 14 Minuten erklingt tatsächlich die Tormusik, doch der Freistoß von Fabrice Hartmann hat nur das Außennetz getroffen. Der tief stehende HFC übersteht das Schalke-Powerplay mit enormem Kampfgeist und dem Können seines Schlussmannes Luca Bendel. Nur eine Großchance wird zugelassen: Nach einer Eingabe von Soufiane El-Faouzi pariert Bendel gegen den freistehenden Moussa Sylla (36.). Kurz vor Ende des ersten Spielabschnitts schocken die Hallenser die Gäste: Einen hohen Eckball leitet Niclas Stierlin per Kopf weiter, der halbrechts vor dem Fünfmeterraum postierte Verteidiger Vin Kastull befördert die Kugel zum 1:0 ins linke Eck – grenzenloser Jubel im früheren Kurt-Wabbel-Stadion.

In die zweite Halbzeit startet Schalke mit wütenden Attacken. In der 59. Minute bietet sich wiederum Sylla die Chance zum Treffer, doch Bendel hält den Schuss aus elf Metern. In der 62. Minute passiert das Unheil doch: Nach einer Eingabe von Adil Aouchiche rutscht der starke Burim Halili aus und legt unglücklich für Dejan Ljubičić auf, der den Ball aus sechs Metern ins Tor befördert. Schalke-Coach Miron Muslic bringt schon in der 64. Minute seinen 40jährigen Star Edin Dzeko und wechselt damit den Sieg ein. In der 80. Minute gibt es einen 50:50-Strafstoß für die Gelsenkirchener, als Kastull im Laufduell mit Sylla am linken Strafraumrand Ball und Gegner trifft. Dzeko hebt das Spielgerät hoch und zentral ins Netz. Mit dem eingewechselten Joker Osman Atilgan versucht der HFC alles. In der 90. Minute kann Schalke-Keeper Loris Karius gegen Atilgans Schuss von halblinks noch retten. Nach dem anschließenden Eckball von der rechten Seite kommt Stierlin halblinks in Ballbesitz und zieht sofort nach der Ballannahme ab. Die Kugel wird abgefälscht und landet im linken Eck – 2:2 (90. + 1.)!

Der Regionalligist zwingt Schalke in die Verlängerung – wie Lok ein Jahr zuvor. S04 reagiert mit einer Kombination: El-Faouzi passt auf Dzeko, der für ­Sylla auflegt, welcher direkt ins rechte untere Eck trifft (98.). Als die erste Hälfte der Verlängerung fast vorbei ist, spielt wiederum Dzeko Sylla an, der ins Zentrum flankt, wo Chukwubuike Adamu an den Innenpfosten des linken Ecks köpft – 2:4. (105. +1.). Die nahezu permanent mit Pyro marodierenden Schalke-Ultras sind nun siegesgewiss und stimmen wie vor Jahresfrist in Leipzig lauthals ihr feindseliges »Wir hassen Ostdeutschland!« an.

Aber noch gibt sich der HFC nicht geschlagen: Atilgan vergibt die Chance zum 3:4, als er aus fünf Metern an Karius scheitert (109.). Danach macht Schalke alles klar: Der eingewechselte Robin Gosens flankt auf Matchwinner Dzeko, der zum zweiten Mal trifft – 2:5 (117.). Ein Fußballfest endet bitter für den HFC und insbesondere für Kastull, der eine Achterbahnfahrt durchlebt: Nach seinem Führungstreffer verursacht er unglücklich den Elfmeter und muss fünf Minuten vor Ende der Verlängerung benommen ausscheiden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.08.2026, Seite 16, Sport

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