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Kino

Der Kampf um die Bühne

Eva Müllers und Isabel Schneiders Dokumentarfilm »Was haben wir gelacht« über deutsches Unterhaltungsfernsehen und die Rolle der Frauen

Foto: Archiv SWR
Hella von Sinnen (r.) und Maren Kroymann im SWR-Nachtcafé zum Thema »Männerhumor und Weiberwitz – wer lacht über was?« (1995)

Der Mensch ist schlecht. Können wir uns darauf einigen?« fragt Hella von Sinnen die Regisseurinnen des Dokumentarfilms »Was haben wir gelacht«.

Eva Müller und Isabel Schneider haben fünf Frauen interviewt, die in den 90er Jahren regelmäßig im deutschen Fernsehen für Lachsalven gesorgt haben. Drei von ihnen sind lesbisch. Das ist erwähnenswert, weil am Anfang der Geschichte die gewohnheitsmäßige Übergriffigkeit im westdeutschen Fernsehen steht. Wir sehen etliche Ausschnitte aus »Wetten, dass …?«, in denen Thomas Gottschalk Frauen auf den Mund küsst und ihre Knie tätschelt, oder auch Rudi Carrell, der am laufenden Band sexistische Scherze macht.

Wie konnte diese zur Schau gestellte und zugleich erfolgreich zur Show gemachte Macht aufgebrochen werden? – Esther Schweins sagt: »Hella von Sinnen hat den Weg geebnet für ganz viele.«

Helli war nicht nur die erste, die sich aufgemacht hat, sie hat auch die härteste Schule durchlaufen: den Karneval. Es gab Herrensitzungen, die kollektiv den Saal räumten, wenn sie als Putzfrau Schmitz in die Bütt stieg. »Es fehlten die Zoten.« Eine Saison lang (1983/84) hat sie durchgehalten. Dann kam die Rettung: das Privatfernsehen war an den Start gegangen. Ihm wird im Film eine größere Experimentierfreudigkeit attestiert, ohne dass auf die zugrundeliegenden Sachzwänge eingegangen oder gar Details redaktioneller Entscheidungen genannt werden würden.

»Was haben wir gelacht« will nicht tiefgründig analysieren. Der Film zeigt, warum sich Feministinnen zum Kampf auf die Bühne gestellt haben und wann für sie der Punkt kam, mit offenem Visier in die Schlacht zu ziehen.

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Dem Duell zwischen Harald Schmidt und der damaligen WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, das 1995 wegen eines geschmacklosen Scherzes stattfand, geben die Regisseurinnen erstaunlich viel Raum.

»Die Harald-Schmidt-Show« lief damals nur schleppend an. Böttinger riet Schmidt, mal etwas mehr zu riskieren. Das tat er dann auch, freilich auf Böttingers Kosten, die daraufhin zu Schmidt in die Sendung ging, um die Show zu schmeißen.

Interessant an diesem Auftritt, der allen Protagonistinnen von »Was haben wir gelacht« gezeigt wird, ist deren Reaktion. Esther Schweins weint vor Rührung, Maren Kroymann drückt ihren tiefen Respekt aus, während Hella von Sinnen schon ungehalten reagiert, als ihr Dirty Harrys schmutziger Scherz gezeigt wird: »Warum muss ich das angucken? Mach das mal aus, bitte.«

Hella von Sinnen war regelmäßiger Gast bei Harald Schmidt. Auch wenn sie mit dem größten Mist, bei Sendern, die fast niemand empfangen konnte, an den Start ging, konnte sie jederzeit bei ihm Werbung dafür machen. Jetzt einfach zu sagen: Ich will deshalb dazu nichts sagen – den Mumm hat sie nicht. Es reicht nur für ein: »Was hängt ihr da den Apfel denn so hoch?«

Schmidt soll eben abgeschossen werden, das gehört zum Konzept des Films – er wird als die Personifizierung eines Humors dargestellt, der gern nach unten tritt. Gut an diesem Ansatz ist, dass er nur als Mittel zum Zweck dient, als Voraussetzung für eine erstklassige Wendung: den Blick der Protagonistinnen auf ihren Umgang mit Verona Pooth.

Die Regisseurinnen gehen nicht so weit zu fragen, ob es sich hier nicht um einen klassischen Revierkampf handelt: Die fünf Damen haben schließlich mit viel Schweiß und Tränen für Frauen einen Platz auf den gut bezahlten und vor allem auch den beachteten Bühnen erkämpft. Neigten die Feministinnen danach vielleicht doch dazu, dort nur ihresgleichen zu dulden, wie einst die zotenreißenden Kerle? Ist der Mensch wirklich so schlecht?

Der Film gibt darauf keine Antwort. Er erklärt jedoch, warum Comedy im deutschen Fernsehen heute so ist, wie sie ist: dominiert von Männern, die von Hella von Sinnen, Gaby Köster und Maren Kroymann gelernt haben, wie man Frauen zum Lachen bringt, ohne sie zu verletzen.

»Was haben wir gelacht«, Regie: Eva Müller und Isabel Schneider, Deutschland 2026, 98 Min., Kinostart: 16. Juli

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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