Frieg und Krieden
Am Persischen Golf dröhnen die Waffen wieder. Abermals fordert der gegenseitige Beschuss Leben und setzt vermittels Ölverknappung der Weltwirtschaft zu. Während alle Beteiligten ihre Bemühungen um eine diplomatische Lösung beteuern, rätseln weltweit Journalisten, ob eine solche überhaupt wünschenswert ist.
»Im Wesentlichen« gab Dagens Nyheter dem US-Präsidenten Donald Trump »recht«, dass es »keinen Sinn« habe, mit den »schrecklichen Menschen« in Teheran zu verhandeln. Fraglich ist also, »warum sich der Mann im Weißen Haus in eine so miserable Verhandlungsposition begeben hat«. Der Iran sei »wirtschaftlich und militärisch geschwächt«, halte aber »nach wie vor die Straße von Hormus und seine Bevölkerung im Würgegriff«, brachte man in Schweden, wo besagte Ölblockade weitaus seichter zu Buche schlägt als anderswo, vorsichtig Zustimmung für weitere Waffengänge zum Ausdruck.
Selbiges ordnete Le Figaro hingegen in eine Reihe ähnlich aussichtsloser US-Eskalationen ein: »Nach den Ländern Afghanistan und Irak hat sich die Straße von Hormus für die Vereinigten Staaten zu einer strategischen Sackgasse entwickelt.« Trump »hatte versprochen, Amerika nicht mehr in endlose Kriege zu verwickeln«, habe sich aber in »einen Konflikt ohne Ausweg verstrickt« und lerne nun »auf die harte Tour« das Einmaleins der Geopolitik: »Man kann keinen Frieden erzwingen, wenn man den Krieg nicht gewonnen hat!« Für Verhandlungen sind auch die Konservativen Frankreichs nicht.
Nur herrscht auf dem Schlachtfeld ein Patt: »Trump weiß, dass Teheran sich nicht einfach durch eine Intensivierung der Bombardierungen ergeben wird. Und Teheran weiß, dass der Einsatz von Raketen und Drohnen gegen seine arabischen Nachbarn Trumps Luftangriffe nicht stoppen wird«, notiert Asharq Al-Awsat. Krieg stärke einzig die Hardliner und offenbare die »Unfähigkeit beider Seiten, einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden«. Die USA brauche, urteilt die panarabische Zeitung mit Sitz in London, »einen ganz anderen Ansatz, der stärker als bislang die komplexen Machtverhältnisse in Teheran berücksichtigt«. Immerhin: eine Absage ans Schlachten.
Ähnlich hält es NRC: Weder der Iran noch die USA seien an langen Kämpfen interessiert, weshalb es »wieder zu Verhandlungen kommen wird« – »allerdings mit weniger Vertrauen als zuvor«. Für Trump »schwer zu bewältigen« seien »beide Extreme des Spektrums zwischen Krieg und Diplomatie«, wirft man dem Kriegsherrn in den Niederlanden zurecht Inkompetenz vor. »Deshalb wird sich das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran eher dauerhaft in der Mitte einpendeln.« Frei nach Tolstoi: Frieg und Krieden. (nu)
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