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USA importiert Phosphat aus Marokko

Doppelt giftiger Dünger

Krieg gegen Iran zwingt USA, Phosphat aus Marokko zu kaufen, das Besatzung und Krebs verheißt

Foto: Youssef Boudlal/File Photo/REUTERS
Mit der Besetzung der Westsahara wurde Marokkos Phosphatgesellschaft zum weltgrößten Produzenten des Minerals (Boucraa, 18.2.2026)

Die US-Regierung hat vergangenen Montag abermals einen nationalen Notstand ausgerufen. Die »Verfügbarkeit von Düngemitteln zur Deckung des landwirtschaftlichen Bedarfs« sei »nicht mehr sichergestellt«, erklärte das Weiße Haus. Im selben Atemzug präsentierte Präsident Donald Trump eine Bewältigungsstrategie: eine temporäre Aussetzung bestimmter Zölle auf Importe aus Marokko. Ziel dieser Ausnahme sei, »eine ausreichende Versorgung amerikanischer Landwirte mit Phosphatdünger« und somit eine »stabile inländische Lebensmittelversorgung zu gewährleisten«. Gelten soll die Regel zunächst für acht Monate. Washington behält sich jedoch vor, sie zu verlängern.

Bislang galt für marokkanischen Phosphatdünger, der vor allem vom staatlichen Konzern Office Chérifien des Phosphates (OCP) produziert und vertrieben wird, in den USA ein vom Handelsministerium verhängter Ausgleichszoll. Dieser betrug seit 2024 knapp 16 Prozent. Laut Agri Pulse war das Ministerium zu dem Schluss gelangt, der Konzern verschaffe sich durch staatliche Subventionen erhebliche Wettbewerbsvorteile. OCP hatte hingegen stets betont, dass es »keine Rechtfertigung für Ausgleichszölle« gebe, und den Beschluss derselben als »äußerst fehlerhafte Entscheidung« gerügt, dürfte nun also vorübergehend feiern.

Hintergrund des akuten Mangels sind laut dem Weißen Haus »Konflikte in düngerproduzierenden Regionen und handelspolitische Maßnahmen bedeutender düngerproduzierender Länder«. Unbenannt bleibt bei dieser schwammigen Formulierung freilich der Konflikt, der für die Misere verantwortlich ist: der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran. Aufgrund der vom Iran daraufhin durchgesetzten Schließung der Straße von Hormus können zahlreiche Lieferanten aus der Region ihre Ware nicht mehr ohne weiteres auf internationalen Märkten anbieten.

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Schon seit Monaten wird vor den Folgen für die Landwirtschaft gewarnt. Die Wasserstraße ist das Nadelöhr für rund ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels. Außerdem müssen in der Düngemittelproduktion unverzichtbare Vorprodukte die Meerenge passieren: Rund ein Fünftel des globalen Phosphathandels und fast die Hälfte des weltweiten Schwefelhandels laufen über den persischen Golf, berichtete etwa das Handelsblatt im Mai.

Für Dünger aus Marokko spielt die Straße von Hormus keine Rolle. Dafür ist seine Produktion in einen anderen Konflikt verstrickt: Ein Teil der Phosphatvorkommen, über die OCP verfügt, liegt nicht im Kernland Marokkos, sondern in der vom Königreich besetzten Westsahara. Dazu zählt die Phosphatmine Bou Craa, von wo aus das Phosphatgestein über ein Förderband – mit rund 100 Kilometern das längste der Welt – zum Hafen von Laâyoune transportiert und anschließend exportiert wird.

Die Nichtregierungsorganisation »Western Sahara Resource Watch« hielt im Mai fest: »In den letzten Jahren beliefen sich die Phosphatgesteinsexporte aus Bou Craa auf etwa zehn Prozent des gesamten marokkanischen Gesteinsexports«, wobei die Phosphatproduktion »wesentlich zur Finanzierung der Besetzung des Territoriums und der Ausbeutung der Mine« beigetragen habe. Für Marokko dürfte die Zollfreiheit somit von doppeltem Nutzen sein. Einerseits kann das Königreich seinen Düngemittelexport unter den günstigeren Bedingungen steigern. Andererseits trägt der Ausbau der Handelsbeziehungen mit Rohstoffen aus der Westsahara dazu bei, die wirtschaftliche Ausbeutung der Region weiter zu normalisieren und damit de facto die marokkanische Besatzung zu legitimieren.

Völlig unabhängig davon war der Dünger von OCP zuletzt aus einem anderen Grund in Verruf geraten. In der französischen Nationalversammlung entbrannte laut dem Nachrichtenportal Afrik eine kontroverse Debatte über dessen zulässigen Cadmiumgrenzwert. Das Schwermetall gilt als nierenschädigend und potentiell krebserregend. Ein Gesetzentwurf zur schnelleren Absenkung der Grenzwerte habe Anfang Juni die Unterstützung nahezu des gesamten linken Lagers sowie großer Teile der Liberalen bekommen, während der extrem rechte Rassemblement National geschlossen dagegen stimmte. OCP sieht sich dadurch in Frankreich zunehmend Druck ausgesetzt, die strengeren Vorgaben künftig einzuhalten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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