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Kriegsvorbereitung

Merz ordert »Tomahawks«

Der Bundeskanzler kündigt den Kauf von US-Raketen an, bejubelt das U-Boot-Geschäft mit Kanada und lobt das Kürzungspaket seiner Regierung

Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Marschflugkörper vom Typ »Tomahawk« könnten von der BRD aus Ziele tief im russischen Hinterland treffen

Vom NATO-Gipfel in Ankara zurückgekehrt, nutzte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Regierungserklärung am Donnerstag, um die Ergebnisse des Treffens zu bejubeln und – ganz nebenbei – die Stationierung von Mittelstreckenwaffen anzukündigen. Am Rande des Treffens habe er sich mit der US-Regierung auf den Kauf von Marschflugkörpern des Typs »Tomahawk« geeinigt, erklärte Merz. »Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung«, sagte er.

Dass die Raketen mit einer Reichweite von etwa 2.000 Kilometern auf Russland gerichtet sein werden, erwähnte der Kanzler nicht. Dafür redete Unionsfraktionschef Jens Spahn Klartext. Die Bundeswehr werde mit allem aus- und aufgerüstet, »was sie braucht, um Deutschland und Europa gegen Aggressoren wie Putin zu verteidigen«, sagte er mit Blick auf den russischen Präsidenten.

Bei einem NATO-Gipfel 2024 hatte der damalige US-Präsident Joseph Biden angekündigt, die USA würden 2026 »Tomahawks« sowie weitere Raketen in Deutschland stationieren. Bidens Nachfolger Donald Trump zog die Zusage im Mai 2026 zurück. Der Kauf von »Tomahawks« für die Bundeswehr ist die Alternative zur Stationierung durch die USA. Die Marschflugkörper können für Angriffe auf stark befestigte Ziele wie Kommandozentralen und Bunker genutzt werden.

Merz erklärte weiter, der Gipfel in Ankara habe »alle meine Erwartungen« übertroffen. Die NATO sei »geschlossen, sie ist stark und sie ist selbstbewusst«. Der Kanzler pries zudem noch einmal Kanadas Entscheidung, zwölf deutsche U-Boote zu kaufen, als den »größten internationalen Rüstungsauftrag« in der Geschichte der BRD. Die allgemeine Kriegsvorbereitung rechtfertigte Merz mit den Worten, das beste soziale Sicherungssystem nütze nichts, »wenn wir nicht in Freiheit und in Frieden leben«.

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Ansonsten lobte der Bundeskanzler erwartungsgemäß das 34-Punkte-Reformpaket, auf das sich die Koalition vor einer Woche geeinigt hatte. Die Reformen zielten vor allem auf »mehr Beweglichkeit für unsere Unternehmen«, auf den »Erhalt unseres Sozialstaats« und steuerliche Entlastung der »Arbeitnehmer«. Merz verteidigte auch die umstrittene Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das Bundesverfassungsgericht lehnte am Donnerstag Eilanträge von Abgeordneten der Grünen und der Linken ab, die Abstimmung zu stoppen. Damit kann an diesem Freitag sowohl über die GKV-Reform wie über das neue Heizungsgesetz abgestimmt werden.

In der Aussprache kritisierte die Opposition vor allem die soziale Schieflage des Reformpakets. »Das Gesundheitssystem rasiert, die Mietenexplosion ignoriert, Arbeitsrechte ausgehöhlt – die Regierung macht das Leben der Mehrheit unbezahlbar und unerträglich«, erklärte Heidi Reichinnek, Fraktionschefin der Linkspartei. Die Regierungszeit von Merz habe bisher daraus bestanden, »den Menschen immer wieder vorzuwerfen, dass sie nicht hart und lang genug arbeiten, zuzusehen, wie die Preise explodieren, und die Axt an den Sozialstaat zu legen«.

Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen, warf der Regierung vor, sich »in diesem Haushalt für Kürzungen« entschieden zu haben, etwa beim Eltern- und Wohngeld. Damit würden Familien weiter in die Armut getrieben. Sie kritisierte, die Regierung versuche, die GKV-Reform »durch den Deutschen Bundestag zu prügeln, in einem Eilverfahren mit 300 Seiten Änderungsanträgen, die fehlerhaft sind«. Das sei nichts als »handwerklich grottenschlechte Politik«, die dazu führen werde, »dass 50 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland von der Insolvenz bedroht sein werden«.

Dass die Kürzungen letztlich die Folge des Aufrüstungskurses sind, erwähnte Dröge nicht. Dafür kritisierte AfD-Chef Tino Chrupalla, die Regierung investiere »lieber in Panzer statt in Kinder«, und fügte hinzu: »Sie zelebrieren regelrecht ihren Rüstungsrausch.« Die beschlossenen Reformen gingen dem AfD-Mann allerdings nicht weit genug. Reichinnek monierte, bis 2030 werde jeder dritte Euro in Rüstung investiert. »Sozialkahlschlag, Aufrüstung und autoritärer Staatsumbau« seien die »unheilige Dreifaltigkeit« der Regierungspolitik.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.07.2026, Seite 4, Inland

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→ Leserbriefe
  • Wilfried Schubert aus Güstrow 13. Juli 2026 um 14:06 Uhr
    Waffen töten: Kanzler Merz freut sich wie ein kleines Kind, vom NATO-Gipfel in Ankara bringt er voller Freude die Zusage mit, Trump verkauft Deutschland »Tomahawks«-Raketen. Um die Rüstung bezahlen zu können, soll u.a. der 25 Euro Zuschlag für arme Kinder gestrichen werden. Auch für die 13.2 Millionen Deutschen, die an der Armutsgrenze leben, kann ich keine Verbesserung erkennen. Die »Tomahawks« haben eine Reichweite bis 2.500 Kilometer, können also Ziele weit in Russland erreichen. Die politische Führung Russlands verfolgt selbstredend aufmerksam die militärischen Aktivitäten Deutschlands und trifft eigene Maßnahmen der Reaktion. Dazu gehören die nuklearen Waffen, insgesamt 5.889 Stück, in Position zu bringen, um vorbereitet zu sein. Die Russen haben nicht vergessen: Zweimal hat Deutschland unter dem Kaiser und Hitler Russland bzw. die Sowjetunion überfallen.
  • A.G. 10. Juli 2026 um 01:05 Uhr
    Kurze Einordnung TOMAHAWK (TLAM): Das System ist 40 Jahre alt, sehr langsam, hat einen kleinen Sprengkopf (aber: nuklear bestückbar) mit 450 kg und ist sehr anfällig für moderne elektr. Kriegsführung. In der Praxis: 2018: Beim NATO-Angriff auf Syrien versagten von ca. 100 TLAMs 70. Das Resultat war so beschämend, dass das US-Militär diese miese Performance verschleierte. https://archive.is/28His 2025: Beim Angriff auf Nigeria versagten ca. 20%. Laut SRI LANKA GUARDIAN: »(...)investigators estimate that at least three of the 12 to 16 missiles launched did not detonate, implying a failure rate of between 18% and 25%.(...)« https://archive.is/StxGs Desweiteren: »(...)real-world performance reportedly lagged behind official claims. A 1997 report by the U.S. General Accounting Office found that the Pentagon’s assertion of a 98% success rate did not accurately reflect the missile’s effectiveness, and that contractors’ claims of «one-target, one-bomb» precision were misleading.(...)« Militärblogger Mike Mihajlovic von Black Mountain Analysis Blog 2026: »(…)Russians possess both the means to intercept these missiles and the capability to locate and destroy any potential launcher. In reality, the Tomahawk is about 80% marketing and only 20% actual value(…)« Was die Zerstörungkraft angeht siehts nicht viel besser aus. Nach einem Bsp. von CEPA bräuchte es zur Zerstörung von nur 50% nur einer russ. Drohnenfabrik 150 TLAMs. Vorausgesetzt 50% kämen durch (laut russ. Vert.Minist. ist indes eine Abfangrate von 90% möglich). 1 TLAM hat einen Zerstörungsradius von 13m. https://cepa.org/article/tomahawk-for-ukraine-nice-but-not-necessary/ Wie beim ARROW-3 System oder der kampfuntauglichen F-35 verbrennt die Bundesregierung unfassliche Mengen Geld für Schrott. Nun könnte man als Anarchist argumentieren, recht so. Geht der faschistische deutsche Staat wenigstens ordentlich pleite. Mehr Kindergärten oder Krankenhäuser werden davon trotzdem nicht gebaut werden.
    • Onlineabonnent*in Christel H. aus A. 10. Juli 2026 um 13:31 Uhr
      Wird jetzt erwartet, daß wir alle Englisch beherrschen müssen, um Leserbriefe lesen zu können?
      • Tomazwy 11. Juli 2026 um 08:13 Uhr
        Nein. Es gibt Übersetzertools (Werkzeuge)! Diese Bemerkung lenkt vom Inhalt und von der Militarisierung ab, die Herr Merz vollzieht, von der Sie auch betroffen sind. MfG
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