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US-Midterms und Inflation

Feilschen mit der Inflation

USA: täglicher Bedarf immer unbezahlbarer; Walmart senkt Preise, Trump schmückt sich damit

Foto: Mike Segar/REUTERS
Ohne Preis kein Fleisch – oder so

Der größte US-Lebensmittelhändler Walmart kündigte am Montag Preissenkungen für beliebte Grillprodukte wie Fleisch, Chips und Limonade an. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump via »Truth Social« erklärt, die Maßnahme erfolge auf Wunsch seiner Regierung. Demnach werde Walmart anlässlich des 250. Geburtstags der USA unter anderem den Preis für ein Pfund Rinderhackfleisch um fast 15 Prozent senken. Trump bezeichnete das als große Entlastung für Millionen Walmart-Kunden, lobte das Unternehmen als patriotisch und forderte andere Einzelhändler auf, dem Beispiel zu folgen.

Walmart selbst teilte mit, den Preis für Rinderhackfleisch um 12 Prozent zu senken, Kirschen zum halben Preis anzubieten und eine 24er-Packung Coca-Cola um ein Drittel auf 9,97 US-Dollar zu reduzieren. In der Stellungnahme des Konzerns wurde eine Beteiligung der Regierung an der Entscheidung jedoch nicht erwähnt. Darüber hinaus würden auch Haushaltswaren, Spielzeug, Bekleidung und weitere Produkte günstiger angeboten. Bei der mitgliederbasierten Großmarktkette Sam’s Club, die ebenfalls zu Walmart gehört, sinken die Preise für mehr als 250 Artikel.

Die Preissenkungen markieren eine bemerkenswerte Kehrtwende gegenüber dem Vorjahr, als Walmart vor zollbedingten Preissteigerungen gewarnt hatte. Trump kritisierte den Konzern damals und forderte ihn auf, die Mehrkosten selbst zu tragen, statt sie an die Kunden weiterzugeben. Aufgrund seiner Größe und seines breiten Kundenstamms gilt Walmart als wichtiger Gradmesser für die Konsumkonjunktur in den USA. Zuletzt gewann der Konzern verstärkt Käufer aus der mittleren und oberen Einkommensschicht, die angesichts der anhaltend hohen Inflation und Lebensmittelpreise gezielt nach günstigen Angeboten suchen. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics lag die Verbraucherpreisinflation zuletzt bei 4,2 Prozent und damit deutlich über den drei Prozent, die Trump bei seinem Amtsantritt vorgefunden und zu senken versprochen hatte.

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Wesentlichen Anteil daran hatten die Rekordpreise für Rindfleisch, das seit Dezember 2020 um rund 75 Prozent teurer geworden ist. Ursachen sind eine anhaltende Dürre, die Weideland zerstört und die Futtermittelkosten erhöht hat, sowie der dadurch bedingte Rückgang der US-Rinderbestände auf den niedrigsten Stand seit 75 Jahren. Der Wiederaufbau der Herden und eine Ausweitung des heimischen Angebots dürften Jahre in Anspruch nehmen. Um die Preise zu senken, förderte Trump die Einfuhr argentinischen Rindfleischs zu niedrigen Zöllen, was bei US-Viehzüchtern auf Kritik stieß.

Zudem beauftragte der Präsident das Justizministerium mit der Prüfung möglicher Preisabsprachen von US-Fleischverarbeitern. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte Washington die Einfuhr mexikanischer Rinder gestoppt, nachdem sich dort der fleischfressende Parasit »New World Screwworm« ausgebreitet hatte. Da das von Elon Musk geleitete Ministerium für Regierungseffizienz die Mittel für ein Projekt zur Überwachung und Eindämmung des Parasiten in Mittelamerika gekürzt hatte, breitet er sich inzwischen auch in den USA aus.

Die dauerhaft hohen Lebensmittelpreise und die Folgen der jahrelang hohen Inflation sind für viele Amerikaner deutlich spürbar. Laut einer von The Guardian in Auftrag gegebenen Umfrage glauben inzwischen 57 Prozent der US-Amerikaner, dass sich die allgemeine Wirtschaftslage verschlechtert, nach 46 Prozent im Februar, als die Erhebung vor dem US-amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran zuletzt stattfand. Die Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten, machen dabei nicht vor Parteigrenzen halt: Rund die Hälfte der Demokraten, Republikaner und Unabhängigen gibt an, Probleme zu haben, sich Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Benzin zu leisten.

Dadurch geraten Präsident Trump und sein Regime auch mit Blick auf die im November anstehenden Zwischenwahlen zunehmend unter Druck. Trump versucht darum weiterhin, seinen Vorgänger Joe Biden für die anhaltend hohe Inflation verantwortlich zu machen. Jüngst weigerte er sich noch, eine parteiübergreifende Initiative zur Senkung der Wohnkosten zu unterzeichnen; nun bemüht er sich, seine Wähler durch Vereinbarungen mit Monopolisten zu besänftigen. Ob dieses Taktieren die erwünschte Wirkung erzielt, bleibt abzuwarten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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