Stadträte schalten Stadtradio ab
Der Kulturausschuss der Stadt Flensburg hat Ende Juni die Kulturförderung von 2027 bis 2030 beschlossen. Dabei winkten die Stadträte einen Entwurf der Verwaltung durch, in dem der übliche Zuschuss für das Freie Radio Fratz nicht mehr vorgesehen ist. Beantragt hatte der Sender 40.000 Euro pro Jahr, »für Miete, Telefon, Strom und Versicherung«, erläutert Chiara Boy vom Vorstand. Personalkosten fallen nicht an, sie und ihre Kollegen arbeiten ehrenamtlich. Über die Gründe für das Förderaus lässt sich nur mutmaßen. CDU-Stadtrat Ralf Loell schrieb auf Nachfrage der jungen Welt, der Förderantrag habe nicht die vorgegebenen Kriterien erfüllt. »Die Verwaltung hat das Radio Fratz mehrfach angesprochen und um Nachbesserung gebeten. Leider ohne Erfolg.« Vorstandsfrau Boy erinnert sich gegenüber jW anders: »Wir haben das Kulturbüro nach den Gründen gefragt. Daraufhin wurde uns mitgeteilt, sie könnten uns keine Auskunft geben.«
Den Verwaltungsentwurf unterstützten die Vertreter von CDU und SSW, was gegen einen Änderungsantrag von Grünen und Linkem Bündnis ausreichte, weil die beiden SPD-Stadträte sich enthielten. Die schweigen nun, eine Bitte um Stellungnahme ließ ihre Stadtratsfraktion bis zum Sonntag unbeantwortet. Vor sieben Jahren sollte Radio Fratz schon einmal die Förderung gestrichen werden. Die FDP hatte der Station einseitige Berichterstattung vorgeworfen, die CDU, dass sie »nicht zugangsoffen« sei. Damals konnte der Angriff noch abgewehrt werden, heute müssen Boy und die anderen Radioaktivisten nach Möglichkeiten suchen, den Ausfall zu kompensieren: »Wenn wir nichts finden, ist es Ende des Jahres vorbei.«
Programmvorschläge für die Radiowoche: Die fängt ja gut an mit dem Soloprogramm des Kabarettisten Jochen Malmsheimer → »Ein Rigorosum sondershausen« (Di. und Mi., 20.03 Uhr, WDR 5). In der Elbphilharmonie traten am 19. Juni der Pianist → »Nikolai Lugansky und Stanislav Kochanovsky« am Pult mit Werken von Dvořák, Janáček und Rachmaninow auf (Do., 20.04 Uhr, NDR Kultur). Im Feature → »Das ist Marseille, Baby!« wird vom Aufwachsen in den Ghettos der Metropole erzählt (Fr., 15.05 Uhr, SWR Kultur). Das »Bayerische Feuilleton« hat wie so oft eine Antwort auf die Fragen der Zeit: → »Wie werde ich Trambahnführer?« (Sa., 8.05 Uhr, Bayern 2).
Hörspielpremiere: Musicbanda Franui und Harald Krewer haben das skandalumtoste Theaterstück → »Reigen« von Arthur Schnitzler bearbeitet (ORF 2026, Sa., 14.03 Uhr, Ö 1). »Kabarettsommer«: WDR 5 leistet sich einen Mitschnitt von der Helge-Schneider-Tour 2025, → »Ein Mann und seine Musik«, aufgezeichnet im August in Köln (Sa., 15.04 Uhr). Opernabend: Der ORF gönnt uns Verdis → »Don Carlo« in der New Yorker Met in einer Aufnahme von 1950 (19.30 Uhr, Ö 1).
Das Stück → »Lebensabend in Übersee« von Hermann Bohlen ist eine Fiktion über ein Land, in dem Rentner wie Müll exportiert werden (WDR 2014, Sa., 20 Uhr, SRF 2 Kultur). Ähnlich unglaubwürdig wie wirklich ist → »Ante oder der Thunfisch«, ein Hörspiel von Joёl László über einen kroatischen Kriegsverbrecher, der heute ehrenüberhäufter Geschäftsmann ist (BR 2019, So., 15.05 Uhr, Bayern 2). Der rätselhafteste Sprayer im deutschen Grauland war ein Mann namens Walter Fischer; sein Porträt zeichnet das Stück → »OZ. Graffitikünstler, Schmierfink, Rebell« (1/2) (NDR, SWR 2025, So., 18.04 Uhr, NDR Kultur). Und der Wiedergänger des dollsten Rundfunks im amerikanischen Sektor sendet ab Sonntag abend den neunteiligen Hörspielklassiker → »Menschen im Hotel« (1–3) von Vicki Braun (RIAS 1988, 18.30 Uhr, DLF Kultur).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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