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Rudolstadt-Festival

Einfach mal die Klappe halten

So war es auf dem 34. Rudolstadt-Festival

USA
Foto: Jens Schulze
Das kann einen schon rühren: Dota Kehr erhält den deutschen Weltmusikpreis »Ruth« (Rudolstadt, 5.7.2026)

Das 34. Rudolstadt-Festival war in die 1.250-Jahr-Feier der kleinen Stadt im Thüringer Wald eingebettet. Zwischen dem 2. und dem 5. Juli musizierten Künstlerinnen und Künstler aus Bulgarien, Tschechien, Finnland, Lettland, Polen, Schottland, der Schweiz, Schweden, den USA, Wales und natürlich Deutschland im Heinepark, auf vielen Bühnen in der Innenstadt, am Saaleufer, im Theater, im Kino, in der Kirche und in allen möglichen Höfen. Bereits am Donnerstag spielten The Congos & Culture auf der großen Bühne im Heinepark. Alt und Jung konnten mit dem Rootsreggae der Jamaikaner eine Rastafarimesse in süßlich riechendem Rauch genießen. Das Trio präsentierte Songs unter anderem aus seinem legendären, von Lee »Scratch« Perry produzierten Debütalbum »Heart ff the Congos« (1977) – für nicht wenige eine der besten Platten aller Zeiten. Dem folgten die Vandoliers aus Texas, die die Regeln der klassischen Countrymusik immer wieder sprengten. Sängerin Jenni Rose, die sich als trans Frau outete, singt dabei über innere Befreiung, über Schmerzen und über die ewige Waffengewalt in den USA.

Auf allen Bühnen, ob nun auf dem Theaterplatz, im Schillergarten oder auf dem Neumarkt, gab es Musik aus dem Schwerpunktland Österreich. Darunter die im Wiener Dialekt singende Gruppe A Schwoazzes Gebiss, deren Lieder voll mit lustvoll abgrundtiefen Geschichten sind. In Richtung Alternativ Pop geht Der Nino aus Wien mit seiner Band. Nino gilt als Erneuerer des Austropop und wird immer wieder für den »Amadeus Austrian Music Award« nominiert. Herrlich sind auch die Volksmusikanten AltBadSeer Musi aus dem Salzkammergut.

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Am Sonntag wollte ich nur noch durch die Innenstadt stromern, mich den Klängen von Gitarren, Geigen oder Rasseln hingeben. Ah verdammt, da war ja noch das Thüringer Folkloretanzensemble, das ein neues Programm mit alten und neuen Tänzen aufführte. Danach schnell an den Saalestrand, wo das Quartett Friendsbranntwein mit Bluegrass, irischem Folk, Rock ’n’ Roll und Country für gute Laune sorgte. Mit einfachen Mitteln wollten die Musiker gegen die immer größer werdenden Lautsprecherboxen bekannter Bands auf dem Festival vorgehen und rein akustische Musik präsentieren. Der Sänger und Banjospieler Florian Bader brachte es auf den Punkt: »Wer uns hören will, muss einfach mal die Klappe halten.« Kaum die Zugabe gehört, ging es schon weiter zu Lüü-Türr aus Estand, die auf dem Marktplatz traditionelle Volkslieder ihrer Heimat brachten. Bei genauerem Hinhören merkte der Zuhörer, dass es Lieder aus Deutschland waren, die im Lauf der Jahrhunderte den Weg nach Estland fanden.

Am Ende ging es auf den Theaterplatz, wo die siebenköpfige Crew Klar & Herrlich das Abschlusskonzert gab. Allerdings ist der Platz etwas weg vom großen Treiben, und so war die Zuschauerzahl übersichtlich. Doch niemand brauchte sein Kommen bereuen, denn die Nürnberger waren einfach cool und führten kompetent durch die Welt des HipHop, durch Dancehall. Übrigens überreichte man am Sonntag der Berliner Liedermacherin Dota Kehr den deutschen Weltmusikpreis »Ruth« für ihr Programm mit Vertonungen von Gedichten der Lyrikerin Mascha Kalèko, das sie im Anschluss auch aufführte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.07.2026, Seite 11, Feuilleton

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