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Punchingball des Tages: Julian Nagelsmann

Foto: Tom Weller/dpa en
Auf der Suche nach seinem Mojo: Julian Nagelsmann

Das Verhältnis des Bundestrainers zu seinen 80 Millionen Kollegen hatte sich vor der WM schon abgekühlt. Mit dem Ausscheiden gegen Paraguay wurde es regelrecht frostig. Beim Volk nicht mehr haltbar, in Umfragen sprachen sich 90 Prozent contra Nagelsmann aus. Nun ist der erratische Spielleiter zurückgetreten, wie der DFB am Freitag um High Noon rum mitteilte. König Simba überrannt von einer Büffelherde, im Startloch steht Skar mit seinen Hyänen. Man sei mit Jürgen Klopp bereits im Gespräch, teilte der Verband mit.

In der Tat hatte Klopp sich gut positioniert, direkt am Spielfeldrand. Bewaffnet mit Magenta­mikro und weißen Zähnen warf er Nagelsmann so viele Zahnstocher in die Speichen, wie in den Taschen seines sommerlichen Beinkleids Platz hatten. Die Hyänen machten den Rest, in den asozialen Netzwerken schob man ab Abpfiff Extraschichten, die Jagd war eröffnet. Sieben Millionen ist es dem DFB wert, Nagelsmann nicht länger trainieren zu sehen. Pacta sunt servanda, doch selbst darüber wird derzeit getobt.

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Sportlich ist die Entlassung vertretbar. Zuletzt kamen die Fehler bei Nagelsmann dichter als die verbalen Aussetzer bei Matthäus. Dünnhäutig und arrogant im Auftritt, Menschenführung in der Mannschaft vernachlässigt, taktische Entscheidungen, die einfach nicht mehr nachvollziehbar waren, stur bei personellen Anpassungen. Die Spielidee schien wichtiger als ihre Entwicklung. Wenn ein Trainer offensichtlich ein bestimmtes System spielen lässt und die Abläufe auf dem Platz ebenso offensichtlich nicht zu diesem System passen, muss er reagieren. Nagelsmann flüchtete sich, wie hierzulande üblich, in die Dolchstoßlegende. Einmal mehr trug der Schiedsrichter schuld. Das nicht gegebene 2:1 sei kein Skandal gewesen, sondern »Vollskandal«. Wenigstens als Entwickler der deutschen Sprache wird der Mann in Erinnerung bleiben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.07.2026, Seite 3, Ansichten

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