Klimagemachter Menschenwandel
Australische Forscher: Veränderungen in der Atmosphäre wirken sich auf den Bluthaushalt aus
Was im Körper passiert, hängt nicht zuletzt davon ab, was um den Körper herum passiert. Veränderungen der Umwelt verändern den physiologischen Haushalt der Menschen. Wenn etwa ein Flachländer in höhere Regionen zieht, nach Kolumbien zum Beispiel, macht das etwas mit dem Blut in seinen Gefäßen. Der chronische Sauerstoffmangel führt zu einer Höhenadaption, die HIF-1-Alpha-Kaskade wird stabilisiert, indem dieses Protein nicht mehr so schnell abgebaut werden kann, sich anreichert und in den Zellkern wandert. Die Nieren schütten vermehrt das Hormon Erythropoietin aus, wodurch der Anteil der roten Blutkörperchen im Kreislauf steigt, Sauerstoffmangel führt also zur verbesserten Verarbeitung von Sauerstoff.
Vor diesem Hintergrund scheint die Frage nicht falsch, ob auch der im Zuge des Klimawandels steigende CO2-Anteil in der Luft Auswirkungen auf den menschlichen Blutkreislauf hat. Eine Gruppe von Forschern vom Kids Research Institute Australia, der Curtin University und der Australian National University hat nun Gesundheitsdaten der US-Bevölkerung aus einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren untersucht. Alexander Larcombe stellte die Ergebnisse der Studie in der Fachzeitschrift Air Quality, Atmosphere and Health vor. Demnach lassen sich dauerhafte Veränderungen bei mehreren Kennzahlen der Blutchemie feststellen, die mit dem CO2-Gehalt in der Luft korrelieren.
Die verwendeten Daten wurden bei 7.000 Personen zwischen 1999 und 2020 mit zweijährigem Abständen erhoben. Seit 1999 sind die durchschnittlichen Bikarbonatwerte um etwa sieben Prozent gestiegen. Bikarbonat ist ein Blutmarker, der mit dem Kohlendioxidgehalt im Körper zusammenhängt. Die durchschnittlichen Kalzium- und Phosphatwerte sanken im selben Zeitraum. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist in diesem Zeitraum von etwa 369 ppm (2000) auf gegenwärtig mehr als 420 ppm angestiegen. Mit großer Wahrscheinlichkeit, schreibt Larcombe, handle es sich um eine Reaktion auf die veränderten Luftbedingungen.
Bikarbonat ist für die Regulierung des Säure-Basen-Haushalts im Körpers notwendig. Wenn der CO2-Gehalt steigt, kann der Körper zusätzlich Bikarbonat speichern, um den pH-Wert stabil zu halten. Langfristig würde diese Stabilisierung allerdings physiologische Auswirkungen haben. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, dürften die »durchschnittlichen Bikarbonatwerte innerhalb von 50 Jahren die Obergrenze des heute als gesund geltenden Bereichs erreichen«, schreibt Larcombe.
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