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Hat keine Eile
Kanzler Merz berief seine Staatsministerin für Sport und Ehrenamt ab, ohne die Nachfolge zu regeln
Wie sich Kanzler Friedrich Merz das Verhältnis von organisiertem Sport und Politik vorstellt, hat er dieser Tage eindrucksvoll vorexerziert. Ohne den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorzuwarnen und schon gar nicht in Absprache mit dem Dachverband hatte er seine CDU-Parteikollegin Christiane Schenderlein am 27. Juli als »Staatsministerin für Sport und Ehrenamt« im Kanzleramt abberufen und kurzerhand als parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium beordert. Und – wenn schon schlechter Stil, dann richtig – bis heute die Nachfolge auf dieser wichtigen Position im bundesdeutschen Sport nicht geklärt. Warum auch? Aus seiner Sicht reiche es locker, wenn er diese Personalie erst nach seinem Urlaub regelt. Es betrifft ja nur den Sport, der somit zu einem »Fußnotenressort« degradiert wird.
Zur Stilfrage kommen inhaltliche Bedenken, etwa von Michael Kretschmer. Er könne die Schenderlein-Ablösung nach gut einem Jahr in dieser erstmals geschaffenen Topposition überhaupt nicht nachvollziehen, monierte der sächsische Ministerpräsident. Schließlich sei die 44jährige aus Weißenfels, in ihrer politischen Laufbahn zuvor kaum durch Sportnähe aufgefallen, »unglaublich erfolgreich« gewesen. Der CDU-Landeschef spielte damit zum Beispiel auf die vor Monatsfrist erfolgte Gründung eines nationalen »Zentrums für Safe Sport« mit Hauptsitz in Kassel an sowie auf die kürzliche Verabschiedung eines sogenannten Sportfördergesetzes im Bundeskabinett. Projekte, die allerdings lange vor Schenderleins Zeit als Staatsministerin begonnen wurden und deren »letzter Schliff« jetzt in ihr – inzwischen ehemaliges – Ressort fiel.
In seinen Augen sei Schenderlein sogar »das erfolgreichste Kabinettsmitglied überhaupt in der Regierung Merz« gewesen, trug Kretschmer in seiner Kanzlerkritik besonders dick auf, weil Sachsen nun um seinen Standortvorteil bangt. Die inzwischen abberufene Staatsministerin plädierte für Leipzig als Zentrale für die bevorstehende Gründung einer nationalen Spitzensportagentur. Was wieder in Frage gestellt werden könnte, je nachdem, wer der Frau nachfolgt. Es könnte eine frühere Profifußballerin werden, die noch in Diensten der UEFA steht. Eine Empfehlung von Fußballschwergewicht Hans-Joachim Watzke an seinen sauerländischen Duzfreund im Kanzleramt, so wird gemunkelt. Bitte nicht, regte sich gegen diese Lösung bereits Widerstand. Setzt lieber jemanden auf diesen Stuhl im Kabinett, die oder der etwas von Sport und Ehrenamt versteht. Vielleicht dauert’s ja deshalb so lange mit der Nachfolge. Vielleicht grübelt Kanzler Merz im Urlaub über die Andersartigkeit von millionenschwerem Profifußball und olympischen oder gar nichtolympischen Disziplinen.
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