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Besuch bei der Oma
Vom 23. bis 26. Juli werden in Hannover die »Finals« ausgetragen. Ein Kommentar
Mit Superlativen regelrecht überschüttet wurden voriges Jahr die »Finals« in Dresden. Mehr als 250.000 begeisterte Zuschauer an teils weltberühmten Schauplätzen vor der Semperoper und der Frauenkirche, in, neben, über der Elbe. Mehr als 3.400 Athleten rangen in 20 Sportarten um 133 nationale Meistertitel. »Klein Olympia« in Elbflorenz. Welch großartiges Ereignis, das 2019 in Berlin seine Premiere feierte und auf eine Initiative von ARD und ZDF zurückgeht. Hagen Boßdorf, ehedem Chefredakteur beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg, hat aus Versäumnissen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine Geschäftsidee gewonnen. Vom 23. bis 26. Juni sind in Hannover nun bereits die sechsten »Finals« zu besichtigen.
Was war die Idee? Da der Fußball medial so dominiert, brauchte es ein TV-Format, das im Sommer auch mal andere Sportarten auf den Bildschirm bringt. Wobei die Frage naheliegt, warum das so zu sein hat. Was jetzt als Erfolgsmodell gefeiert wird – auch von Athleten, die sich freuen, einmal abseits der Olympischen Spiele etwas Rampenlicht abzubekommen –, markiert vor allem ein Versagen. Die öffentlich-rechtlichen Sender tun sich chronisch schwer damit, olympische und sogenannte Randsportarten des Sommers dem Publikum näherzubringen. Warum eigentlich? Wenn die Fußballbundesliga pausiert, verordnet das ZDF selbst seinem »Sportstudio« am Samstag abend eine Auszeit. Damit der Sendeauftrag gegenüber Kanuten, Turnern, Schwimmern oder Sportkletterern doch irgendwie erfüllt wird, musste die Bündelung her: die »Finals« eben.
Atmosphärisch ist das alles fein, und auch der Aufwand an Produktion und Einsatz in allen Ehren. Das Grundübel ist damit aber nicht aus der Sportwelt. Das Mulisportevent nimmt sich aus wie eine große Beruhigungspille gegen das schlechte Gewissen. Die »Finals« haben, seitdem es sie gibt, etwas von einem seltenen Besuch bei der kranken Oma oder der buckligen Verwandtschaft. Eine Visite pro Jahr muss genügen. Anschließend kann man sich ruhigen Gewissens wieder auf den Fußball konzentrieren.
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