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Sportpolitik

Wenn das Rückgrat bricht

Den beiden Spitzensportinstituten FES und IAT droht heftiger Personalabbau

Foto: Christian Heilwagen/IMAGO
Ohne die neuesten Geräte sind die Medaillenaussichten für Rennrodler düster (Oberhof, 7.7.2026)

Mit einem gemeinsamen Hilferuf haben sich das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig und das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin kürzlich an die politischen Entscheidungsträger im Bund gewandt. Die beiden Einrichtungen des Spitzensports, die als Trägerverein IAT/FES e. V. über einen gemeinsamen Haushaltstitel im Bundeshalt verfügen, fordern für das Haushaltsjahr 2027 eine Aufstockung ihres Gesamtetats um 2,59 Millionen Euro auf rund 25,8 Millionen Euro. Ohne diesen Ausgleich für Kosten- und Tarifsteigerungen drohten den beiden Instituten, deren Wurzeln im ostdeutschen Leistungssport liegen und die nach 1990 erst nach zähem Ringen weiterexistieren durften, ein heftiger Personalabbau. »Das wiederum hätte ganz direkte negative Folgen für die wissenschaftliche Betreuung und Ausrüstung von Athleten, die Forschung und die internationalen Medaillenchancen. Die erfolgten oder geplanten strukturellen Maßnahmen wie Plazierung des Spitzensports mit einer Staatsministerin im Kanzleramt, Erarbeitung eines Sportgesetzes und Schaffung einer Agentur würden bezüglich der Erhöhung der Medaillenzahl damit ins Leere laufen«, erklärte FES-Direktor Michael Nitsch gegenüber junge Welt.

Beide Institute genießen internationales Renommee und sind wichtige Bestandteile des bundesdeutschen Leistungssports. An fast 90 Prozent der 26 Medaillen, die »Team Germany« bei den Winterspielen dieses Jahr in Mailand und Cortina d’Ampezzo gewonnen hat, waren die »siamesischen Zwillinge« direkt beteiligt. Das gilt insbesondere für die Erfolge der Athleten im Bobsport und im Skeleton, denen die Ingenieure des FES in Berlin-Oberschöneweide schon seit Jahrzehnten erstklassiges Material zur Verfügung stellen. Gefährdet seien nun etwa zwei Dutzend Stellen und damit insgesamt rund zehn Prozent des gesamten Personalbestandes bei FES und IAT.

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Der drohende Stellenabbau wäre »ein Aderlass, den wir uns unmöglich leisten können. Denn es besteht die Gefahr, dass darunter auch ein Teil der Besten und Fähigsten sind«, so Nitsch im jW-Gespräch. Verärgert zeigt er sich vor allem darüber, dass »wir schon mehrfach in derselben Situation waren und ich Jahr für Jahr den Politikern immer wieder ins Gewissen reden muss«. Vor diesem Hintergrund könne es für FES und IAT »keine Planungssicherheit« geben. Wegen der zu geringen finanziellen Ausstattung mussten Tarifsteigerungen durch Sachmittelkürzungen kompensiert werden, »im Hightechbereich ein Unding«.

»Inzwischen ist allerdings auch bei den Sachmitteln das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir werden nicht umhinkommen, Personal zu reduzieren, wenn es bei diesem Haushaltsansatz für das kommende Jahr bleibt«, warnte Nitsch. Dabei sieht der Gesamtetat des Bundes für den Leistungssport im kommenden Jahr sogar eine leichte Erhöhung auf 361,7 Millionen Euro vor. Den finanziellen Rückstau und die Ausgabenseite bei IAT und FES würden damit laut dem Finanzplan jedoch nicht aufgefangen, berichtete Nitsch. Seine Hoffnungen ruhen nun auf einer Sitzung des Bundestagssportausschusses im September, wo die Situation der beiden Institute thematisiert werden soll. Die letzte Chance für IAT und FES wäre die sogenannte Bereinigungssitzung des Bundestags für den Haushalt 2027, die voraussichtlich Mitte November stattfindet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.08.2026, Seite 16, Sport

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