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Pfeife
Gras
Seit mindestens fünfundzwanzig Jahren mühe ich mich ziemlich intensiv mit der Sportmoderatoren- und -kommentatorensprache ab, und seit einer Woche registriere ich bei wachsendem Überdruss, dass diesbezüglich nichts mehr zu holen ist. Sie werkeln sturheil wie eh und je vor sich hin, hauen jeden zweiten Satz zu Klump, verstümmeln die Flexion und die Wortarten, und einen wenigstens einigermaßen kuriosen Neuerungswert hat nichts davon. Die coolen Vollpfostenanglizismen, die nichts anderes als ein Zeichen von Sprachlosigkeit und Zerebralschrumpfung sind, versalzen nahezu jede hingewürgte Äußerung. Alright, der hirnrissige »Box-to-box-Spieler« wurde aussortiert, doch die »Absoluts« und »Definitivs« hauen sie einem nach wie vor ununterbrochen um die Ohren. Man wird müde und nimmt den Stift kaum noch zur Hand. Was spuckt etwa die ZDF-Expertin Fritzy »Offensiveinwurf« Kromp aus? »Matchday minus drei.« Klar.
Oder: »Ihm fehlt kolossal das Selbstvertrauen«, entfleuchte Oliver Schmidt vom ZDF. Ach je, dachte ich, ach je, das ist ja der, der die Nationalhymne vor zwei Jahren in strammer Gutgeistgesinnung umgedichtet hatte (»Einigkeit und Recht und Freiheit und vor allem Vielfalt«). Muss das alles ein? Welches Weltgesetz verfügte einst, die Menschen mit Anbiederungssucht zu schlagen?
Dann allerdings sagte Schmidt: »Die Pfeife ist ständig in Betrieb.« Öha. Das erfreute mich, denn es erinnerte mich an einen längeren Satz von Erwin Dittberner vom Hessischen Rundfunk, den Ror Wolf in eines seiner seraphischen Fußballhörspiele hineingeflickt hatte. Dittberner hatte da sehr schön gelangweilt darüber schwadroniert, dass der Schiedsrichter die Pfeife ihrer Bestimmung zuführen und also, Herrgott noch mal, die Begegnung mit einem Pfiff beenden solle.
Dittberner war der Mentor meines nachmaligen Förderers beim Deutschlandfunk, des großen Herbert Fischer-Solms, gewesen. Herbert erzählte in seinen letzten Jahren des öfteren sagenhafte Geschichten über Ausflüge mit dem stark trinkbedürftigen Dittberner. Außerdem rauchten damals alle hochgradig hingebungsvoll.
Oliver Schmidt griff das Pfeifenmotiv noch einmal auf: »Der« – der brasilianische Referee Sampaio – »liebt ja seine Pfeife und das Geräusch, das er damit machen kann.« Das war tatsächlich: gut, beinahe eine Perle im endlosen Schlammstrom des Geschwätzes, und siehe, ich wähnte mich plötzlich einwandfrei gelaunt.
So einfach kann man mich milde stimmen.
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