Aufmarsch im Stadion
Innenministerkonferenz in Hamburg
Sie ist mehr als nur eine Randnotiz: die Militarisierung der Innenpolitik. An den in der Regel halbjährlich stattfindenden Innenministerkonferenzen (IMK) nehmen nun auch Kriegsministerium und Bundeswehr teil. Beginnend mit der IMK, die am Mittwoch abend in Hamburg begann. Innere Sicherheit sei in Deutschland eine Gemeinschaftsaufgabe und die Konferenz die Plattform, »in der wir als Innenressorts und Sicherheitsbehörden unsere Kräfte bündeln und gemeinsame Entscheidungen treffen«, so Andy Grote (SPD), Innensenator der Hansestadt. Auf der Topliste steht auch Punkt 15: »Fußball ohne Gewalt«. Das passt zur Stadt, die das Tor zur Welt sein will – sprachbildlich jedenfalls.
Der Spiegel kennt die Beschlussvorlage vorab – und spielt die boulevardeske Karte aus. Headline: »Feuer unterm Dach«. Dazu Reizwörter: »Krawalle, Pyrotechnik, Hassplakate«. Kurz, um »die hässliche Seite des Fußballs« gehe es. Gemeint sind Zehntausende aktive Fans in den Kurven der Arenen. Jene, die Woche für Woche ihren Klub frenetisch supporten – und längst als innerstaatlicher Feind markiert sind.
Einer der ministeriellen Scharfmacher ist Herbert Reul (CDU). Der Hardliner des Inneren in NRW schwadroniert im »Nachrichtenmagazin« von der Wasserkante über »rechtsfreie Räume in Stadien« und über »die Macht der Ultras«, vor der Vereine und DFB »kapitulieren« würden. Kraftausdrücke, die Interventionen erfordern. Zwei Steckenpferde hat der »schwarze Sheriff«: Stadionverbot und Pyroverbot.
Die IMK scheint sich einig: Eine Sonderkommission soll kommen und Zutrittsverbote für Arenen verhängen können – einheitlich, bundesweit, bisweilen lebenslang. Besonders dann, wenn Vereine untätig blieben. Ja, und dann stinken Reul die Pyrochoreos, die Erlebniskultur aus dem Block der Fanaktivisten. Sein Offensivprinzip: Vorkontrolle, Kontrolle, Nachkontrolle – alles strikt verschärfen, um die Leuchtfeuer zu verhindern. Reuls Ressortkollegen ahnen: Das klappt nicht. Und es hat noch nie geklappt. Denn die juvenile Massenbewegung im weiten Rund ist bestens organisiert, findet Lücken in der Abwehrkette – und nutzt sie zum pyronalen Punktsieg.
Und sowieso: Stadien sind sichere Orte. Das ist x-fach belegt. Auch das: Gefährder tragen Uniform. Und haben Reizgas im Anschlag. Und den Schlagstock im Einsatz. Obacht also! Die Spielzerstörer der IMK pressen hoch – und wollen das Stadion zum Aufmarschgebiet machen. Fortan mit neuem Sturmpartner – in Flecktarn.
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