Infantino des Tages: Infantino
Irgendwann musste er die infrarote Linie überschreiten. Wie Kleinkinder pflegen, hatte Infantino – der Name ist Programm – Streich an Streich gereiht seit seinem Amtsantritt 2016. Der Plan, Vermarktungsrechte der FIFA im Wert von 4,2 Milliarden US-Dollar an private Investoren zu verkaufen, war den kontinentalen Verbänden, die bis dato alles mitgemacht hatten, dann doch zuviel. Vorwerfen kann man ihm den Vorstoß eigentlich nicht. Einer Strafe sollte wenigstens eine Art Warnung vorausgehen. Nachdem mit UEFA und CONCACAF die zwei mächtigsten Verbände bereits ihren Boykott angekündigt hatten, zog der asiatische AFC am Freitag nach. Damit hat Infantino nun auch numerisch die Mitglieder gegen sich.
Retrospektiv erscheint sein Gewurstel als Abfolge von Testballons. Wie weit kann ich gehen, ohne dass mir wer auf die Füße tritt? Schon 2016 gab es um ihn, der die unter Blatter etablierte Korruptionskultur zu liquidieren versprach, Skandale um Spesen und Bereicherung. Ein Gehalt von 1,9 Millionen Franken nannte er beleidigend, Luxusmatratzen im Wert von 11.000 Franken ließ er sich dennoch bezahlen. Es folgten die Lauber-Affäre und Verstrickungen in die Panama-Papers, Schönreden der Verhältnisse in Katar und der Friedenspreis für Trump. Auch im Lauf des WM-Turniers blieb der FIFA-Chef sich treu. Trump zuliebe wurde eine Rotsperre gegen US-Stürmer Balogun annulliert, mit der Trinkpause die Halbzeitstruktur durch die in Nordamerika übliche Quarterstruktur ersetzt, und auch die Einführung der Halbzeitshow war ein Versuch, das Weltprodukt Fußball dem US-Markt anzupassen. Fußballfans weltweit waren entzückt, anstelle von Halbzeitanalysen Shakira beim Nichtsingenkönnen zuschauen zu dürfen.
Keine Sorge aber, Infantino bleibt am Ball. Erst wenn der letzte Dollar aus dem Turnier gepresst ist, wird er erkennen, dass Geld nicht dribbeln kann.
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