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WM-Kolumne

Hölle

Gras

Foto: REUTERS/Marian Carrasquero
Alles so schön bunt hier: Mexiko-Fans verfolgen das Eröffnungsspiel (11.6.2026)

Was ist nur mit vielen Linken los, meinen Denkverwandten, die auf eine stolze Tradition der intellektuellen Freiheit, des Ausdruckswagemuts und der Staatsferne zurückblicken können? Sie kleben an ihres Kontextes entkleideten Wörtern, als seien sie Totems, und würden am liebsten täglich neunzig Meldestellen aus der Taufe hieven. Schreibe ich, belegt und begründet, eine bestimmte Medienkohorte sei »stets zackig woke«, regen sie sich reflexartig auf, da ihr Weltbild durchkreuzt wird. Finde ich weiße texanische Anarchos zum Kotzen, ernte ich Beifall. Geht mir die Blödheit einer Fernsehfrau auf den Wecker, bin ich misogyn (notabene ein Premiumwitz).

Die Öffentlichkeit mutierte zur Belehrungsanstalt, in der sie rund um die Uhr Kirchentagsgedöns abfackeln. Man wird verdächtigt, zurechtgewiesen, instruiert, schlimmstenfalls exkludiert, und die hohe Kunst der Polemik, in der sich Formgeist und Feingefühl vermählen, hat die Linke beinahe gänzlich liquidiert. Es ist ein Horror. Zum Glück gibt’s noch andere Linke. Zum Eröffnungsspiel, das der reine Schwachsinn und augenscheinlich verschoben (Christoph Kramer: »Das war ’n Benefizspiel«, »ein Spiel, das ich nicht gedacht hätte, dass es wird«) und gemäß dem ZDF-Kommentator Oliver Schmidt ein »Transitionsspiel« war, in dem »im Mittelfeld drei defensiv deckende Menschen« agierten, schreibt mir der eine: »Christian Streich«, der Neuzugang unter den Experten, »war immer schon ein Arschloch. Jetzt ist er widerlich«, im Grunde fehle ihm bloß das Suffix -er.

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Der andere übermittelt mir aus Würzburg: »Niemand kann hier mehr Trinkwasser trinken, es muss abgekocht werden, es wird seit gestern auf allen Kanälen gewarnt. Zugleich fahren alle Straßenbahnen mit Regenbogenbeflaggung, und in der Altstadt sind Gassen mit Regenbogenlampions behängt. Zugleich wagen Wirtschaften, Schwarz-Rot-Gold rauszuhängen, aus Kommerzgründen wegen Fußball.« Soll ich die beiden dreckigen Lumpen anzeigen? Oder die unterfränkischen Kneipiers?

Ach nee. »Well, now it’s all going to pot / Whether we like it or not / The best I can tell / The world’s gone to hell.« (Willie Nelson)

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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