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Pierre-Edouard Stérin

Fragen »höflich« weggelächelt

Frankreich: Extrem rechter Milliardär und Steuerflüchtling Pierre-Édouard Stérin bereitet politischen Umsturz vor

Foto: Abdul Saboor/Reuters
Stérin und seine Kumpane orientieren sich ideologisch an der libertären US-Rechten (Paris, 5.4.2025)

Seine politischen Ziele sind klar: Vereinigung der bürgerlichen mit der extremen Rechten in Frankreich, Sieg bei den nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Frühjahr 2027, Übernahme der Macht und damit Umsetzung eines Projekts, das er gemeinsam mit einer Clique erzkonservativer Intellektueller ausgebrütet hat. Die Rede ist von Pierre-Édouard Stérin – französischer Milliardär, Unternehmer, Kapitalverwalter und Steuerflüchtling. 2023 gründete er den extrem rechten Thinktank »Projet Périclès«. »Périclès« steht für »Patriotes« (Patrioten), »Enracinés« (Verwurzelte), »Résistants« (Widerständige), »Identitaires« (Identitäre), »Chrétiens« (Christen), »Libéraux« (Liberale), »Européens« (Europäer) und »Souverainistes« (Souveränisten).

Am vergangenen Donnerstag wurde Stérin von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu seinen Machenschaften befragt. Sogar den Abgeordneten und Senatoren schwante wohl, dass der erzkatholische Kapitalist nicht nur die christliche Botschaft unter die Leute bringen will. Stérin habe die meisten Fragen nach seiner Gesinnung in der als Videokonferenz gehaltenen Anhörung jedoch abwehren können, schrieb die Pariser Tageszeitung Libération: Er habe »höflich und gelöst« die Sorgen der Politiker einfach »weggelächelt«.

Es ist der linken bis kommunistischen L’Humanité zu verdanken, dass das Projekt vor rund zwei Jahren überhaupt an die Öffentlichkeit geriet – deutlich eher, als Stérin und seine Helfer dies geplant hatten. Mitte 2024 berichtete die Zeitung über das ideologische Framework, an dem der Unternehmer, der sich bis dato in der Öffentlichkeit eher ruhig und unauffällig gegeben hatte, zusammen mit seinem Umfeld – darunter zum Beispiel der bretonische Medienmogul und Multimilliardär Vincent Bolloré, der sich in den vergangenen Jahren ein Blatt und ein Magazin nach dem anderen unter den Nagel gerissen hat – im Stillen arbeitete. Erst nach den Medienberichten ging Stérin mit seinem Projekt an die Öffentlichkeit.

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Der Politikwissenschaftler Arnaud Miranda legte die Pläne der französischen Rechten in einem Aufsatz vom Januar mit dem Titel »Les Lumières sombres« (Die dunkle Aufklärung) dar. »Périclès« enthalte, sozusagen als elementares Glaubensbekenntnis, die Hingabe an »christliche Anthropologie«, Identität und »Verwurzelung« im (französischen) Land. Dies wird kombiniert mit einer Bekämpfung von »Wokismus, Sozialismus, Islamismus, Immigration«. Das Phänomen des »neoreaktionären Denkens« und sein machtpolitisches Potential müssten in der öffentlichen Wahrnehmung endlich begriffen werden. Stérins Ideen für den Umbau des Staates bezeichnete er als »spätfaschistisch«.

150 Millionen Euro will das Projekt nach eigenen Angaben zurückgelegt haben, um Partner zu fördern und die Agenda der Rechten voranzutreiben. Wobei die Libération Ende vergangenen Jahres schrieb, dass es mit den Finanzen keineswegs so rosig aussieht, wie man der Öffentlichkeit glauben machen will: Demnach schwächele Stérins Investmentfirma, und Partnerprojekte würden zugesagte Gelder nicht oder nur sehr verspätet erhalten. »Périclès« meinte hingegen, es sei alles ganz normal; Finanzmittel würden lediglich gekürzt, wenn Partner selbst bei der Erfüllung ihrer Ziele in Verzug gerieten.

Stérin hatte sein Vermögen ursprünglich mit einer Firma für Erlebnisgeschenke aufgebaut. Doch dieses Geschäft hat er längst abgestoßen, inzwischen ist er in die Welt des Finanzkapitalismus eingestiegen. Dort dürfen sich Freunde, Partner und Begünstigte über seine Hinwendung zur Politik freuen – denn neben einem reaktionären Umbau in sozialpolitischen Fragen strebt Stérin auch eine deutliche Liberalisierung der Geschäftswelt an. In seiner Firma Otium versammelt er nicht nur »richtig« gesinnte Investoren, sondern auch ein (angeblich) beträchtliches Vermögen. Doch nach einigen fehlgeschlagenen Geschäften fehle es an Mitteln, den Thinktank auch noch durchzufüttern, so Libération.

Vor dem Ausschuss am Donnerstag machte Stérin aus seinen Ansichten keinen Hehl: Nachfragen der Sozialdemokratin Colombe Broussel nach seinen Einstellungen beantwortete er wie folgt: Er »liebe Familie, Tennis und Videospiele«, nicht aber die »Sozialkommunisten«, die ihn ins Steuerexil nach Belgien getrieben hätten. Er sei »extremer als die extreme Rechte« in Sachen Migration. Was in Frankreich unter »extrem rechts« firmiere, gehe ihm noch nicht weit genug.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.06.2026, Seite 15, Antifaschismus

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