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09.06.2026
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Florett und Holzhammer
FAZ zum Fall Hüseyin Doğru
Über ein Jahr brauchte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), um über den Fall des infolge seiner propalästinensischen Berichterstattung auf die Russland-Sanktionsliste der EU gesetzten, mit Kontosperrung, Reise- und Arbeitsverbot belegten deutschen Journalisten Hüseyin Doğru zu berichten. Und dann folgten gleich zwei recht unterschiedliche Beiträge, die sich allerdings im Feindbild Russland einig zeigen:
Dass EU und Bundesregierung bislang keine konkreten Beweise für Doğrus Verbindungen nach Russland vorlegen konnten, »muss nicht bedeuten, dass es keine gibt«, gibt sich Feuilletonredakteur Harald Staun in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorsichtig. Doch sei das Geheimhalten geheimdienstlicher Erkenntnisse »kontraproduktiv«, wenn man es »mit einem Publikum zu tun hat, das ohnehin leicht überall eine Verschwörung wittert«. Man müsse gar nicht in den »Jargon der Dogmatiker« fallen, die vor einem »EU-Wahrheitsregime« warnen, »um fragwürdig zu finden, welche Methoden von den Behörden im Kampf gegen Desinformation zweckentfremdet werden«. Schließlich sei es »zur Zeit kein ganz so theoretisches Szenario mehr (…), dass man damit Waffen schafft, die einmal politischen Kräften zufallen, in deren Hände man sie lieber nicht sehen möchte«.
Auf diesen durchaus differenzierten Beitrag folgte am Montag unter der Überschrift »Das BSW kämpft für Moskaus Propagandisten« ein plump staatskonformer Artikel. Unhinterfragt werden von FAZ-Redakteur Markus Wehner die unbewiesenen Anschuldigungen von EU, Bundesregierung, deutschen Geheimdiensten und dem früheren US-Außenminister Antony Blinken gegen Doğru und die von ihm gegründete Medienplattform Red wiedergekäut. Schließlich sei es Ziel russischer Desinformation, gesellschaftliche Konflikte in den EU-Staaten anzuheizen durch spaltende Themen wie den Nahostkrieg.
Dass der Fall Doğru überhaupt in der FAZ Erwähnung findet, scheint ein Erfolg der im Mai von der BSW-Politikerin Sevim Dagdelen initiierten Onlinesolidaritätskampagne zu sein. Von den Erstunterzeichnern, bei denen es sich um ein »illustres Bündnis notorischer Russland-Freunde und Querdenker« (Staun) bzw. »das Who’s who des europäischen Putin-Versteher-Milieus« (Wehner) handeln soll, werden neben den Musikern Roger Waters und Brian Eno sowie den Politiker Jeremy Corbyn, Yanis Varoufakis, Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht auch »die beiden Chefredakteure des vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften und stabil antizionistischen Zentralorgans junge Welt« genannt. Zumindest scheint die Mauer des Schweigens der Mainstreammedien im Fall Doğru zu bröckeln. (nb)
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