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Täter-Opfer-Umkehr am Golf
USA greifen Ziele in Iran aus »Selbstverteidigung« an. Teherans Vergeltungsschläge werden als Aggression dargestellt
Ein Drohnenangriff auf das Passagierterminal des internationalen Flughafens Kuwait hat am Mittwoch einen Menschen getötet und 63 weitere verletzt. Der Flughafen wurde gesperrt, Kuwait Airways stellte den Betrieb ein. Das Verteidigungsministerium machte Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von »krimineller Aggression«. Bisher zielten iranische Angriffe auf Flughäfen am Golf vor allem auf Betriebsinfrastruktur – Radarsysteme, Treibstofftanks, Sperrungen. Erstmals seit Kriegsbeginn am 28. Februar wurde nun der zivile Passagierbereich eines Flughafens schwer getroffen. Kuwait stellt den USA Militärbasen im aktuellen Krieg zur Verfügung. Teheran verurteilte »die kolonialistische Nutzung des Territoriums und der Infrastruktur der Länder in der Region« durch die Regierung in Washington. Die US-Truppen wehrten nach eigenen Angaben eine »Welle iranischer Drohnen« ab, die Einrichtungen des US-Militärs in Kuwait zum Ziel hatten.
Vorausgegangen war eine neuerliche Aggression der USA gegen die Islamische Republik: US-Streitkräfte feuerten eine »Hellfire«-Rakete auf den unter botswanischer Flagge fahrenden Tanker »Lexie«, der Kurs auf Iran hielt, und setzten dessen Maschinenraum außer Betrieb – das sechste Schiff, das die USA seit Beginn ihrer Seeblockade der Straße von Hormus am 13. April auf diese Weise angegriffen haben. Anschließend attackierte das US-Militär eine Bodensteuerungsstation des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) auf der Insel Keschm, die seit Jahren als unterirdisch ausgebaute Militärbasis für iranische Küstenraketen und Schnellboote am westlichen Eingang der Meerenge dient. Die USA bezeichneten den Angriff als Selbstverteidigung.
Die IRGC reagierten mit Raketen- und Drohnenangriffen auf das Hauptquartier der US-amerikanischen Fünften Flotte in Bahrain sowie auf eine Luftwaffenbasis und einen Hubschrauberstützpunkt in einem nicht namentlich genannten Staat in der Region. Ebenfalls angegriffen wurden das Schiff »Panaya«, das die IRGC als feindliches US-Schiff einstuften, sowie ein MSC-Frachter im irakischen Hafen Umm Kasr. Die USA bestritten, dass iranische Angriffe ihre Ziele erreicht hätten – eine Darstellung, die mit dem belegten Flughafentreffer in Kuwait und dem beschädigten MSC-Schiff schwer in Einklang zu bringen ist.
Der Angriff auf den kuwaitischen Flughafen und die Raketenangriffe auf Bahrain fügen sich in eine iranische Strategie ein, die in der heißen Phase des US-amerikanisch-israelischen Krieges bereits äußerst erfolgreich war: die systematische Degradierung jener regionalen Infrastruktur, die die Aggression erst ermöglicht. Wer US-Streitkräften Basis, Logistik und Territorium zur Verfügung stellt, muss als funktionale Kriegspartei angesehen werden – unabhängig davon, ob eine formelle Kriegserklärung vorliegt.
Vor dem Hintergrund einer militärischen Asymmetrie entfaltet Teherans Strategie – die das Ergebnis von fast vier Jahrzehnten gezielter Doktrinentwicklung ist – ihre Wirkung. Seit dem Ende des ersten Golfkrieges hat Iran seine Kriegsproduktion konsequent dezentralisiert, unterirdisch verlagert und redundant organisiert – explizit, um sie gegen US-Luftangriffe zu schützen. Keschm steht exemplarisch für diese Logik: Küstenraketen und Schnellboote in unterirdischen Tunnelnetzwerken – nahezu unangreifbar aus der Luft. Seit Kriegsbeginn ist die iranische Verteidigungskapazität offenbar fast vollständig erhalten geblieben. Auf der anderen Seite stehen die Golfstaaten: extrem verwundbare Volkswirtschaften, deren Wasserversorgung von Entsalzungsanlagen abhängt, deren Energieinfrastruktur auf wenige Anlagen konzentriert ist und deren Außenanbindung durch einzelne Flughäfen und Häfen läuft. Iran besitzt die Kapazität, diese Infrastruktur zu zerstören.
Parallel wird verhandelt – auf US-Seite erkennbar ohne Bereitschaft, iranische Souveränität anzuerkennen. Teheran meldete, der Nachrichtenaustausch sei seit Tagen eingestellt, Washington behauptete das Gegenteil. Bei seiner ersten öffentlichen Anhörung vor dem Kongress seit Kriegsbeginn erklärte Außenminister Marco Rubio am Dienstag, dass es eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran nur dann geben werde, wenn dieser sich bereit erkläre, seine nuklearen Aktivitäten einzustellen. Zugleich erklärte er den Krieg für beendet.
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