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Klima

Indien ächzt unter Extremhitze

Landesweit über Tage Temperaturen über 40 Grad Celsius. Auswirkungen auf Wirtschaft enorm

Foto: Channi Anand/AP/dpa
Landwirte und andere Arbeiter können sich vor der sengenden Gluthitze kaum schützen (Jammu, 24.4.2026)

Weite Teile des indischen Nordens leiden unter einer Extremhitzewelle bisher kaum gekannten Ausmaßes. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat ­Uttar Pradesh kletterten die Temperaturen in der vergangenen Woche auf sage und schreibe 48 Grad Celsius; vielerorts zeigen die Thermometer bereits seit April zwischen 32 und 45 Grad. Zwar gilt der Mai gemeinhin als der heißeste Monat des Jahres auf dem Subkontinent, bevor im Juni der Monsun einsetzt. Doch aufgrund des Klimawandels dehnt sich die Hitzephase immer weiter aus.

An tageweise Temperaturen über der 40-Grad-Marke haben sich die Menschen in den letzten Jahren beinahe schon gewöhnt. Doch es geht immer weiter aufwärts: Neben den 48,2 Grad Celsius, die in der Stadt Banda in Uttar Pradesh gemessen wurden, waren beispielsweise auch in Sirpur in diesem Jahr Werte von 46,5 Grad zu verzeichnen. Dabei war das Kratzen an der 50-Grad-Marke in Banda nicht einmal eine einzelne, extreme Momentaufnahme, sondern hielt über Tage an. Die beiden Orte liegen 850 Kilometer auseinander, das Problem ist großflächig. Allein in den beiden benachbarten Bundesstaaten Telangana und Andhra Pradesh, meldete die Zeitung The New Indian Express, gab es binnen nur zwei Tagen 40 durch die Extremtemperaturen verursachte Todesfälle. Landesweit liegt die Zahl der Todesopfer im hohen zweistelligen Bereich.

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Auch im üblicherweise geschäftigen Delhi stöhnen die Menschen unter der Megahitze. Wer kann, bleibt im Haus, doch längst nicht jeder vermag sich einen gut funktionierenden Ventilator oder gar eine Klimaanlage zu leisten. Beispielsweise sind die Fahrradrikschafahrer gezwungen, in dieser Gluthölle trotzdem mit nur kleinen Pausen in die Pedale zu treten. Es ist ein Knochenjob, der nur wenig abwirft – wer nicht auf genügend Touren am Tag kommt, muss womöglich hungrig schlafen gehen. Nicht einmal nachts gibt es in der Stadt Abkühlung: Am Wochenende wurde mit 32,4 Grad Celsius die wärmste Nacht seit Mai 2012 gemessen, meldete NDTV unter Berufung auf den staatlichen Wetterdienst.

Die Extremsommer stellen für das bevölkerungsreichste Land der Erde auch immer mehr ein ökonomisches Risiko dar, schrieb der Business Standard und zitierte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit der Prognose, dass die jährlich wiederkehrenden Hitzewellen bis 2030 einen Verlust von 34 Millionen Jobs bedeuten könnten. Vor allem im großen informellen Sektor und in Branchen, die stark witterungsabhängig sind, könnten sich die Produktivitätseinbußen empfindlich aufsummieren und am Ende der laufenden Dekade rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, heißt es. 5,8 Prozent der Arbeitsstunden drohen in Indien 2030 verlorenzugehen, warnt die ILO. Besonders stark betroffen ist die Landwirtschaft, wo nun einmal das Gros an Arbeit unter freiem Himmel anfällt. Der Wissenschaftsreport Lancet Countdown hatte schon in der Ausgabe 2024 für das Jahr zuvor den wirtschaftlichen Gesamtschaden durch die Extremtemperaturen auf 141 Milliarden US-Dollar errechnet, wovon 71,9 Milliarden allein auf den Agrarsektor entfielen. 181 Milliarden Arbeitsstunden fielen der Hitzewelle 2023 demnach zum Opfer. Auch Outlook Business warnte dieser Tage vor deutlich steigenden Ausgaben im Gesundheitssektor, einem vor allem auch durch Klimaanlagen befeuerten Zuwachs an Energiebedarf, sinkender Produktivität und steigender Inflation, die allein fünf Prozentpunkte zulegen könnte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.05.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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