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02.06.2026
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Anfang vom Ende
Vor 25 Jahren ermordete Nepals Kronprinz Dipendra den Großteil der königlichen Familie. Die Umwandlung des Landes von der Monarchie zur Republik im Jahr 2008 war eine Spätfolge dieser Ereignisse
Am 1. Juni 2001 wurde Nepal von einer Nachricht erschüttert, die an den Grundfesten des Landes im Himalaja rüttelte: Der König war ermordet worden. Und sein mutmaßlicher Mörder war kein anderer als der Kronprinz.
Was sich genau an jenem Freitag abend abspielte, ist bis heute nicht gänzlich aufgeklärt – einige offene Fragen rund um das »royale Massaker« werden wohl für immer unbeantwortet bleiben. Gleichwohl ist die historische Bewertung des Mordes weitgehend unstrittig: Die Tat war der eigentliche Todesstoß für Nepals Monarchie, wenngleich es noch sieben Jahre dauern sollte, bis der schmale Landstreifen zwischen China und Indien schließlich 2008 zur Republik erklärt wurde.
Die Ereignisse von 2001 wirken indes immer noch nach – bis in die Gegenwart. Mit dem Sieg einer jungen politischen Kraft bei den Neuwahlen vom 5. März, die infolge der Massenproteste der Generation Z vom September 2025 und dem anschließenden Rücktritt der Regierung angesetzt wurden, sind die monarchistischen Kräfte derzeit zwar geschwächt. Sie sind aber nach wie vor eine gesellschaftliche Kraft, mit der man rechnen muss, zumal sie von einem Scheitern der umfassenden Reformagenda der neuen Regierung der Rastriya Swatantra Party (RSP), die nahezu über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament verfügt, profitieren könnten. Dass sie durchaus mobilisierungsfähig sind, haben die Aufmärsche der Monarchisten in Kathmandu vor gut einem Jahr gezeigt.
Was geschah an jenem 1. Juni vor 25 Jahren? Zumindest die Eckpunkte der Ereignisse sind unstrittig. Im Narayanhiti-Palast fand ein gemeinsames Abendessen ohne zeremoniellen Charakter im größeren Familienkreis statt. Es herrschte gelöste Stimmung – bis Kronprinz Dipendra auftrat und ein Streit ausbrach. Etwas später betrat der junge Mann erneut den Speisesaal, diesmal bewaffnet. Dass er zunächst auf seinen Vater, König Birendra, geschossen hat, gilt nach übereinstimmenden Zeugenaussagen als gesichert. Unbestreitbar ist ebenso, dass acht weitere Angehörige der königlichen Familie durch seine Hand starben. Am Ende soll Dipendra die Waffe gegen sich selbst gerichtet haben.
Zu den skurrilen Details der blutigen Geschichte gehört, dass Dipendra nicht sofort tot war. So wurde der Mann, der bis heute als Täter des Massakers und als Königsmörder gilt, gemäß der Thronfolge zum Nachfolger seines Vaters ernannt und somit für 54 Stunden vorletzter nepalesischer König. Anschließend bestiegt der jüngere Bruder des ermordeten Königs, Gyanendra Shah, der wegen eines Geschäftstermins nicht bei dem Abendessen anwesend war, den Thron. Die Allmachtsansprüche des von Beginn an unbeliebten Königs führten schließlich zum endgültigen Ende der Monarchie.
Herrschaft der Ranas
»Es war das blutigste, umfassendste Massaker in einer königlichen Familie, das jemals überliefert wurde«, konstatiert der britische Journalist Jonathan Gregson in seinem 2002 erschienenen Buch »Massacre at the Palace. The Doomed Royal Dynasty of Nepal«. Gregson hat versucht, das Geschehen zu rekonstruieren. Zu den damaligen Opfern zählen nicht nur König Birendra und dessen Ehefrau, Aishwarya Rajya Lakshmi. Auch Dipendras jüngerer Bruder, Prinz Nirajan, dessen Schwester Prinzessin Shruti sowie die drei Schwestern des Königs und der mittlere Bruder Dhirendra befanden sich unter den Opfern.
Was die Tat auslöste, bleibt letztlich Spekulation. Fakt ist aber wohl, dass der Streit, der dem Massaker voranging, mit der Partnerwahl von Dipendra zu tun hatte. Vor allem Königin Aishwarya war vehement gegen die Hochzeit mit dessen Freundin Devyani Rana. Die Braut in spe hatte die falsche Herkunft, handelte es sich doch um die Urenkelin von Mohan Shamsher, 1945 bis 1951 letzter Premierminister der Rana-Dynastie.
Wer wirklich verstehen will, was die Monarchie einst für Nepal bedeutete und welch tiefere Vorgeschichte die Tragödie des 1. Juni 2001 nach der mehrheitlich akzeptierten Darstellung der Ereignisse in sich birgt, muss um mehr als ein Jahrhundert zurückgehen. Birendras Großvater, König Tribhuvan, war ein erst fünfjähriger Junge, als er 1911 auf den Thron gelangte. »Für die nächsten 39 Jahre wurde er, wie so viele seiner Vorfahren, als Gefangener im Narayanhiti Palace gehalten«, schreibt Gregson in seinem Buch. Damit spielte er auf den Umstand an, dass über Generationen hinweg nicht die formell regierenden Herrscher der Shah-Dynastie die reale Macht ausübten. Statt der Könige, die ihre Stellung auf »Staatsgründer« Prithvi Narayan Shah zurückführten, der als vormaliger Gorkha-Fürst 1768 das Land vereinigte, lag die reale Entscheidungsgewalt seit einem faktischen Putsch 1846 bei den Ranas. Sie war die andere, ebenfalls in Gorkha verwurzelte, dominante Adelsfamilie Nepals. Ihre Mitglieder waren als Premierminister die wahren Herrscher.
Teilweise mussten die Könige, damals nicht viel mehr als Marionetten auf dem Thron, die Ranas sogar um Erlaubnis fragen, um das Palastgelände verlassen zu dürfen. Zudem ist Nepals Geschichte im 19. Jahrhundert erfüllt von Morden innerhalb der in konkurrierende Fraktionen zersplitterten Rana-Familie, bei der mitunter ein Zweig den anderen komplett auszulöschen trachtete.
Birendra wurde als kleiner Junge, ebenfalls fünfjährig, erstmals Teil politisch schwerwiegender Ereignisse. Am 6. November 1950 saß er mit im Auto, als sich ein königlicher Fahrzeugkonvoi in Bewegung setzte. Doch statt eines Familienpicknicks, für das König Tribhuvan die Erlaubnis von Premier Mohan Shamsher erhalten hatte, war das Ziel des Königs, seiner drei Söhne und etlicher weiterer Verwandter die vorläufige Botschaft des jungen, selbst erst seit drei Jahren von der britischen Kolonialherrschaft befreiten Nachbarn Indien. Dort beantragte die königliche Familie politisches Asyl. Das überrumpelte Rana-Regime reagierte nach kurzem Schockmoment, indem es Birendras jüngeren Bruder Gyanendra, der erst drei Jahre alt als, als neuen König inthronisierte. Damals konnte niemand wissen, dass der kleine Junge die Krone schon drei Monate später wieder los sein würde – sie aber als gestandener Mann Jahrzehnte später erneut tragen sollte. Er ist der äußerst seltene Fall eines gleich zweimal gekrönten Staatsoberhauptes. Nach kurzen Scharmützeln prodemokratischer Guerillakräfte mit Einheiten der von den Ranas befehligten Armee errang wenig später Nepals erste »Volksrevolution« einen Erfolg: Triumphierend kehrte Tribhuvan, zuvor Ehrengast des indischen Regierungschefs Jawaharlal Nehru, am 15. Februar 1951 in einer Maschine der indischen Air Force nach Kathmandu zurück. Die ungeliebte Vorherrschaft der Ranas war nach einem Jahrhundert formell beendet. Eine neue Ära brach an – so schien es zumindest.
Denn wirklich entmachtet waren die Ranas keineswegs: Mitglieder aus anderen Zweigen des Familienclans, unter Expremier Mohan Shamsher kaltgestellt, hatten dem König und den demokratischen Kräften unter Führung des liberalen Nepali Congress (NC) – Nepals Pendant zur im Nachbarland über Jahrzehnte dominanten indischen Kongresspartei – geholfen. Sie wurden nun mit Ministerämtern belohnt. Zudem gab es immer wieder prominente Eheschließungen zwischen den beiden Adelsfamilien. Tribhuvan selbst, der nicht für neue Stabilität im Land sorgen konnte, fühlte sich vom eigenen Sohn verraten, als Kronprinz Mahendra, als dessen erste Ehefrau im Sterben lag, auf deren ausdrücklichen Wunsch hin deren Schwester heiratete, sich damit gegen den elterlichen Widerstand durchsetzend. Es handelte sich um eine Prinzessin aus dem Rana-Clan, Ratna Rajya Laxmi.
Vordringlich ging es bei dem scheinbar staatsmännischen Schritt darum, dass die neue Frau an seiner Seite die sechs Kinder aus erster Ehe anerkannte und aufzog. Doch dass König und Königin sogar der außerhalb Kathmandus stattfindenden Hochzeit fernblieben und die Entscheidung des Sohnes zutiefst missbilligten, lag an der uralten Familienfeindschaft. War doch Ratna die Enkelin des als Tyrannen eingestuften Juddha Shumsher Rana (1875–1952). Der Feldmarschall war von 1932 bis 1945 Kopf der Rana-Dynastie und als Premier der mächtigste Mann Nepals. Er war ein Neffe jenes Jung Bahadur Rana (1817–1877), der einst die Vorherrschaft der Familie über die Shah-Könige begründet hatte.
Mahendra bestieg 1956 den Thron – und suspendierte mit einem »königlichen Putsch« wenig später die erste, kurzlebige Demokratie, indem er sämtliche Parteien verbot. Das formell 1962 eingeführte neue Panchayat-System mit loyalen Gefolgsleuten in »Räten« ohne echte Wahlen war eine Herrschaft, die Nepal noch über seinen Tod im Jahr 1972 hinaus für fast drei Jahrzehnte zu einer absolutistischen Monarchie machte. Der sonstige »Modernisierungskurs« – außenpolitisch Beitritt zur UNO, im Inland Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur – bildete den Kontrast zu einer Herrschaft der harten Hand, die konservative gesellschaftliche Strukturen zementierte und jede Opposition unterdrückte.
Unter dem etwas reformwilligeren Birendra konnte sich ab 1990 Nepals »zweite Demokratie« durchsetzen. Allerdings war der erfolgreiche Volksaufstand im April 1990, der schließlich in Verhandlungen und Einlenken mündete, mit Hunderten Toten erkauft. Birendra war der erste Monarch mit westlicher Bildung, hatte in Eton, Tokio und Harvard studiert. Bei der Thronbesteigung erst 26 Jahre alt, konnte er sich mit seinem Öffnungskurs zunächst nicht gegen konservative Elemente in seinem Umfeld, darunter seine eigene Frau, durchsetzen. »Birendra war von Natur aus ein Moderater und ein Pragmatiker«, beschreibt Gregson den letzten von einer Mehrheit der Bevölkerung akzeptierten Träger der Krone, der nicht sonderlich durchsetzungsstark war.
In den frühen 1990er Jahren blühte das politische Leben neu auf: Nicht nur die Liberalen des Nepali Congress, weiterhin stärkste Kraft, konnten nun wieder legal agieren. Vor allem gewann die Linke deutlich an Zulauf. Statt diese Chance zu ergreifen, zersplitterte die kommunistische Bewegung aber in der Folgezeit. Unter Führung ihres wichtigsten Vordenkers Pushpa Lal Shrestha (1924–1978) hatte sich im indischen Exil 1949 relativ spät die erste Nepal Communist Party (NCP) gegründet. Schon 1962 spaltete sie sich infolge des sowjetisch-chinesischen Schismas.
Mitte 2001 befand sich das Land de facto schon fünf Jahre lang im Bürgerkrieg: 1996 hatten die abgespaltenen Maoisten, denen die Vereinigten Marxisten-Leninisten (CPN-UML) als größte kommunistische Gruppe zu sozialdemokratisch-angepasst agierten, den parlamentarischen Pfad verlassen und einen Guerillakampf gegen die königliche Armee und das konservative »Establishment« begonnen. Größere Gebiete im Westen Nepals standen damals faktisch unter Kontrolle der Aufständischen. Offiziell forderte der bis 2006 andauernde Konflikt mehr als 16.000 Tote.
Zu dem Zeitpunkt, als Dipendra einen Großteil seiner Familie auslöschte, befand sich Nepal einmal mehr inmitten einer Multikrise. Das politische System war geschwächt. Die Bevölkerung hatte in einem Jahrzehnt seit dem hoffnungsvollen Aufbruch von 1990 zehn Premierminister an der Spitze kurzlebiger Koalitionsregierungen kommen und gehen sehen. Auch wirtschaftlich sah es nicht gut aus, insbesondere die Arbeitslosigkeit unter der jüngeren Generation stieg deutlich an. Während der bewaffnete Konflikt mit den Maoisten vor allem den Westen des Landes mit seinen abgelegenen Bergdörfern dominierte, kämpften selbst Familien der schmalen Mittelschicht im moderneren Kathmandu darum, über die Runden zu kommen, von den Gebieten außerhalb der Hauptstadt, die bis heute von der Entwicklung abgehängt sind, gar nicht zu reden.
Unbeliebter Nachfolger
In diesem Kontext gelangte, nachdem Dipendra am 4. Juni 2001 seinen Verletzungen erlegen war, Gyanendra erneut auf den Thron. Ein Mann, der im Volk nicht nur unbeliebt, sondern vielen geradezu verhasst war. Noch mehr aber machte sich der verbreitete Unmut an seinem Sohn Paras fest. Dieser galt als Lebemann, der öfter über die Stränge schlug, aber nie zur Verantwortung gezogen wurde. Am 6. August 2000 hatte Paras kurz nach Verlassen des Palastes mit seinem SUV den populären Folksänger Praveen Gurung überfahren. Gurung erlag seinen Verletzungen. »Die Menschen haben nicht die anderen Exzesse von Paras vergessen«, schrieb damals die Wochenzeitung Nepali Times. Und erinnerte an frühere Delikte, die gleichfalls ungesühnt geblieben waren. Schon mehrfach hatte der spätere Kronprinz Polizisten bedroht und verprügelt. 1997 starb ein Taxifahrer, den Paras mit seinem Jeep erwischt hatte – einen ähnlich fatalen Unfall gab es im Jahr davor. »Die Verbrechen, die er begangen hat, sind so schwerwiegend, dass er, wäre er ein einfacher Bürger, schon seit vier Jahren im Gefängnis sitzen würde«, kommentierte die Nepali Times.
Die Wut, die sich nach dem Mord an der Königsfamilie 2001 auf den Straßen entlud, fand ihren Grund aber nicht nur in dem neuen König, sie entsprang auch der Informationspolitik des Palastes. Nach dem Massaker war eine komplette Nachrichtensperre verhängt worden. Am 2. Juni, als die sterblichen Überreste des Königspaares im Pashupatinath-Tempel am für die Bewohner Nepals heiligen Ufer des Bagmati nach Hindu-Ritus kremiert wurden und in den Straßen Kathmandus rund eine halbe Million Menschen Abschied nahm, war zu den Ereignissen öffentlich noch nichts bekannt. Etwas später war in einer Presseerklärung offiziell von einem »Unfall« mit einer versehentlich losgegangenen Waffe die Rede.
Kein Wunder, dass die Spekulationen angesichts dieser Lüge nur so blühten. Eine Untersuchungskommission unter dem damaligen Chefrichter Keshav Prasad Upadhyaya und dem Parlamentsvorsitzenden Taranath Ranabhat gab schließlich bekannt, dass Dipendra der Täter gewesen sei. »Die breite Öffentlichkeit hat diese Version der Ereignisse aber nie völlig akzeptiert«, konstatierte noch vor einem Jahr das Onlinenachrichtenportal Nepal News. Zwar gibt es keine stichhaltigen Belege für die vor allem unmittelbar nach der Bluttat zirkulierende These, der am Tatabend fast als einziger aus der Königsfamilie abwesende Gyanendra hätte bei dem Mord seine Finger im Spiel gehabt. Viele aber glauben bis heute daran. Hartnäckig hält sich zudem das Gerücht, der Rechtshänder Dipendra habe eine tödliche Kopfwunde auf der linken Seite aufgewiesen – was eine finale Selbsttötung nicht ganz unmöglich, aber unwahrscheinlich machen würde.
Absolut unstrittig ist, dass der Kronprinz ein Waffennarr und geübter Schütze war: Laut diversen Augenzeugenberichten beherbergte sein Schlafzimmer sogar ein ganzes Waffenarsenal, aus dem er sich für seinen Amoklauf mit zwei Exemplaren bediente. Dipendra soll noch beim Squashspielen nachmittags um 15 Uhr guter Stimmung gewesen sein. Relativ normal erschien er ebenfalls, als er zwei Stunden später den königlichen Chefpriester besuchte. Heimgekommen in den Palast sei er gegen 19 Uhr, laut übereinstimmenden Schilderungen in stark angetrunkenem Zustand. Sein Cousin Paras habe ihn dann auf sein Zimmer eskortiert, aus dem Dipendra einige Zeit später bewaffnet wieder auftauchte.
Ketaki Chester, eine überlebende Cousine Birendras, äußerte in einem Interview mit der Nepali Times 2011 zum zehnten Jahrestag des Massakers, sie habe im Nachgang erhebliche Zweifel, ob Dipendra seinen alkoholisierten Zustand der Familie nicht nur vorgespielt habe. Auf sie habe er eher konzentriert-entschlossen gewirkt. Zudem äußerste sie die Vermutung, der aufgebrachte Kronprinz hätte anfangs nur seinen Vater töten wollen. Nach dem Zielen auf seinen Lieblingsonkel Dhirendra, Birendras jüngeren Bruder, habe es dann aber kein Halten mehr gegeben. Dass Dipendra seinen Cousin Paras explizit verschont haben soll, bei anderen Verwandten mit gezielten Schüssen jedoch keinerlei Gnade oder Zögern zeigte, ließ ebenfalls nie völlig verstummte Vermutungen um ein denkbares Komplott Gyanendras und seiner Vertrauten ins Kraut schießen.
Hoffnung auf Rückkehr
Gyanendra regierte nicht sehr lange. Nachdem er immer deutlicher Tendenzen zeigte, demokratische Errungenschaften auszuhebeln und ein »starkes Königtum« zu etablieren, zwang ihn 2006 eine breite Volksbewegung mit Streiks und Straßenprotesten dazu, das zuvor suspendierte Parlament wieder einzusetzen. Ein Bündnis der sieben größten Parlamentsparteien und die Maoisten verbündeten sich schließlich zu einem Friedensschluss und umfassenden demokratischen Neuanfang. Gemäß Beschluss der Verfassunggebenden Versammlung zur Abschaffung der Monarchie wurde Nepal am 28. Mai 2008, fast taggenau sieben Jahre nach dem Massaker, in eine föderale Republik umgewandelt.
Stabilität gab es allerdings auch in der Folgezeit nicht. Schon bald blühten wieder Korruption, Ineffizienz und politische Intrigen. Es gab zumeist sehr kurzlebige Regierungen, eben jenen altbekannten, viele Menschen frustrierenden Mix, der im September 2025 die Generation Z auf die Straßen brachte.
Tot ist die Idee einer Wiedereinführung der Monarchie heute keineswegs, eher im Gegenteil. Ihren Höhepunkt erlebte die monarchistische Bewegung im März 2025: Etwa 10.000 Menschen begrüßten Gyanendra jubelnd, als dieser aus Pokhara nach Kathmandu zurückkehrte. Es war die größte Versammlung dieser Art seit Einführung der Republik. Ende März liefen dann radikale Anhänger des Königshauses regelrecht Sturm: Ein Parteibüro der Nepalesischen Kommunistischen Partei Nepals – Vereinigte Sozialisten (NCP-US) wurde niedergebrannt. Zwei Todesopfer forderte diese monarchistische Randale, darunter war ein Journalist, der in einem brennenden Gebäude eingeschlossen war. Gyanendra, statt etwa seine Anhänger öffentlich zur Mäßigung aufzurufen, »blieb auffallend still«, wie nicht nur das Magazin Himal South Asian feststellte. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang außerdem daran, dass der Exkönig in einem Interview noch 2012 ganz offen von seiner Hoffnung gesprochen hatte, doch eines Tages auf den Thron zurückzukehren.
→ Thomas Berger schrieb an dieser Stelle zuletzt am 7. Mai 2025 über Umweltpolitik in Kambodscha: »Kampf um die Küste«.
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