27 Millionen mehr Arme in Pakistan
Report attestiert Regierung beim Kampf gegen Ungleichheit völliges Versagen
Immer neu aufflammende Konflikte hindern die Armutsbekämpfung im globalen Maßstab – speziell der Krieg zwischen den USA und dem Iran treibt mit Handelseinschränkungen weltweit viele Verbraucherpreise in die Höhe. Zusätzlich stellt der aktuelle Pakistan Economic Survey 2025–26 zwei Wochen vor Ende des pakistanischen Haushaltsjahrs dem südasiatischen Land ein besonders schlechtes Zeugnis für das Ziel, die Armut zu reduzieren, aus. Im Gegenteil: Von Armut waren in den letzten sechs Jahren sogar 27 Millionen mehr Menschen betroffen. Es müssten demnach rund 70 Millionen der 250 Millionen Einwohner des südasiatischen Landes als arm bezeichnet werden. Das ist ein Anstieg von 21,9 auf nunmehr 28,9 Prozent der Gesamtbevölkerung – und lässt sich keineswegs nur auf jüngste globalökonomische Verwerfungen zurückführen. Diese immense Krise ist zum großen Teil strukturell begründet und hausgemacht, die aktuellen Inflationstreiber seit März kommen lediglich verschärfend hinzu.
Wie unter anderem die Tageszeitung Dawn die Zahlen aus dem Bericht aufschlüsselt, geht es Pakistanis in den großen Metropolen noch besser: »Armut bleibt signifikant höher in ländlichen Gebieten«, heißt es mit Blick auf die deutlich geringere Zunahme im urbanen Raum von elf auf 17,4 Prozent. In den Dörfern und Kleinstädten war der Anteil mit 28,2 Prozent schon bisher mehr als doppelt so hoch. Neuerdings müssen auf dem Lande sogar 36,2 Prozent der Menschen als arm eingestuft werden, so der jährliche Zustandsbericht. Beträchtlich sind die Unterschiede auch zwischen den Provinzen: Punjab steht mit »nur« 23,3 Prozent Armen am besten da. Jeweils etwa ein Drittel sind es in Sindh und Khyber-Pakhtunkhwa, während in Belutschistan an der Grenze zum Nachbarland Iran, schon traditionell das Schlusslicht, mit 47 Prozent jeder zweite unterhalb der Armutsgrenze lebt – und viele weitere Menschen nur knapp darüber.
Natürlich hat die Coronapandemie beim Blick sechs Jahre zurück einen Anteil an wirtschaftlichen Niedergängen. Sowohl immense Flutkatastrophen als auch die harschen Sparauflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) als wichtigster Gläubiger haben aber dafür gesorgt, dass in Pakistan auch nach dem Abklingen der Krise ein Großteil der Bevölkerung weiter zu kämpfen hatte, das tägliche Überleben zu sichern. Sowohl der regierungsamtliche Report als auch die Medienberichte darüber verhehlen zudem nicht, dass auch die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Der Gini-Koeffizient, der den Grad der Ungleichheit angibt, stieg zwischen 2018/19 und 2024/25 um 4,3 Zähler auf einen Wert von nun 32,7.
Im Gegensatz zur alten und neuen Armut gibt es eine kleine Schicht besonders reicher Familien, die zum Teil auch politisch entweder gut vernetzt sind – oder deren Vertreter ganz unverhohlen selbst als regierungsamtliche Funktionsträger in der ersten Reihe stehen. So findet sich der Nawaz-Sharif-Clan mit einem Gesamtvermögen von etwa 1,8 Milliarden US-Dollar aktuell an Position sieben unter den 20 reichsten Familien. Die Familie ist besonders stark im Stahl- und Zuckersektor, aber auch in Immobiliengeschäften verankert und unterhält große Hühnerfarmen. Während der dreifache Expremier Nawaz Sharif im Hintergrund viele Fäden zieht, ist sein jüngerer Bruder Shehbaz aktueller Regierungschef. Tochter Maryam, Vertreterin der nächsten Generation, führt die Regionalregierung in der Provinz Punjab an, wo die Sharifs ihre stärkste Bastion haben. Die größte Regierungspartei Pakistanische Muslimliga-Nawaz (PLM-N) ist stark auf die Familie ausgerichtet.
Sogar noch drei Plätze nach Gesamtvermögen darüber rangiert Staatspräsident Asif Ali Zardari, der mit etwa 2,5 Milliarden US-Dollar insbesondere in riesigen agrarischen Besitztümern und Immobilien, in seinem Fall vorrangig in der Provinz Sindh, als derzeit viertreichster Mann Pakistans gelten darf. Dieser Blick hinter die Kulissen offenbart dabei auch, welche Augenwischerei die nominell sozialdemokratische Ausrichtung seiner Pakistanischen Volkspartei (PPP) darstellt.
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